Coburg erinnert
Ein besonderer Ort für eine wichtige Ausstellung. „Für das Erinnern an Zeiten, die nie wiederkommen dürfen“, so beschreibt es Bürgermeister Hans-Herbert Hartan bei der Ausstellungseröffnung. Stolpersteine, Erinnerungsweg und das Buch „Coburg voran“ - Coburg stelle sich seiner dunklen Vergangenheit. Darüber hinaus engagiert sich der Arbeitskreis „Lebendige Erinnerungskultur“ schon seit vielen Jahren gegen das Vergessen. So ist auch die Ausstellung „Da 49, Da 512 – Züge in den Tod“ entstanden.
„Der Coburger Friedhof ist ein passender Ort, denn der jüdische Friedhof, ist eine der Stationen des Erinnerungsweg“, erklärt Tobias Debudey von der Friedhofverwaltung. Auch in die 175-Jahr-Feier des Friedhofs am 17. Mai wird die Ausstellung eingebunden. Ideengeberin Gaby Schuller wird an diesem Tag kostenlos durch die Ausstellung führen. Im November 2024 wurde die Arbeitsgruppe mit ihrer Ausstellung für die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur und Gemeinsinn in der Gegenwart mit dem Wilhelm-Freiherr-von Pechmann-Preis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ausgezeichnet.
Nachdem im Herbst 1941 eine erste Deportationsserie stattgefunden hatte wurden in den Jahren 1942/43 die noch verbliebenen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager im östlichen Mitteleuropa verschleppt und zum allergrößten Teil ermordet. Dem Sonderzug „Da49“ wurden in Bamberg am 25. April 1942 die Opfer aus Unter-, Ober- und Mittelfranken „zugeladen“; 52 aus dem westlichen Oberfranken, darunter fünf aus Coburg. Am Bamberger Bahnhof wurde der Zug zum rollenden KZ. Mit ca. 1.000 Gefangenen war er zu 140 Prozent überbelegt. Das Kürzel „Da“ war die irreführende Bahnkennung für „Deutsche Aussiedler“. Die Bahn berechnete den normalen Fahrpreis von 4 Pf. pro Person und Kilometer, gewährte aber bei mehr als 400 Personen 50% „Mengenrabatt“. Die Gestapo hatte sich das Geld von den Deportierten geholt, die für die Fahrt in ihren Tod 60 RM zahlen mussten. Knapp vier Tage später erreichte der Zug Krasnystaw bei Lublin, von wo aus der Fußweg 17 km ins Transitghetto Kràsniczyn führte. Vermutlich Anfang Juni 1942 ermordete die SS sie in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor. – Dahinter steckte ein komplexes von SS und Gestapo gesteuertes Täter-Netzwerk, das in den wesentlichen Grundzügen während der sog. „Wannsee-Konferenz“ im Januar 1942 organisiert worden war.
Am 9./10. September 1942 wurden die letzten zwölf Juden aus Oberfranken verschleppt, darunter sechs Coburger*innen: Die bisher verbliebenen Älteren und während des ersten Weltkrieges Ausgezeichneten aus ganz Franken sammelte die Gestapo an der „Fäkalienverladestation“ der Stadt Nürnberg und schickte die 1.000 Opfer mit dem Sonderzug „Da 512“ in das vorgebliche „Altersghetto“ Theresienstadt nördlich von Prag – in den „Stall vor dem Schlachthaus“, wie es eine Überlebende treffend bezeichnet hat: Wer von den 140.000 hierher Deportierten hier nicht verhungerte, wie Frieda Reuter aus Hochstadt, wurde später in die Vernichtungslager im heutigen Polen in den Tod geschickt. Nur 51 der Deportierten von „Da 512“ überlebten, darunter Sali Altmann aus Coburg.
Die Initiative zur Ausstellung geht zurück auf Gaby Schuller, die auch die Biografien der Deportierten aus Coburg recherchierte. Manfred Brösamle-Lambrecht, Odette Eisenträger-Sarter, Dr. Hubertus Habel, Christian Porzelt, Wolfgang Schoberth und Christine Wittenbauer haben die allgemeinen Informationen zum judenfeindlichen Mordprogramm der Nazis, zu den Täternetzwerken vor Ort sowie zu den Deportationen bzw. die Opferbiografien aus Lichtenfels, Kronach und Kulmbach bearbeitet. Manfred Brösamle-Lambrecht und Dorothea Weiß gestalteten die Ausstellungsbanner.
Die Coburger Fassung der Ausstellung wird getragen vom „Arbeitskreis Lebendige Erinnerungskultur Coburg“ in Kooperation mit dem DGB Oberfranken, der Evangelischen Erwachsenenbildung Oberfranken-West, Bildungsstandort Coburg, und der Initiative Stadtmuseum Coburg. Sie wird gefördert durch die Coburger Partnerschaft für Demokratie für die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie durch eine Spende des Landkreises Lichtenfels.
Öffnungszeiten des Mausoleums
| Montag bis Donnerstag: | 8 bis 17 Uhr |
| Freitag: | 8 bis 15 Uhr |
| Samstag, Sonntag, Feiertage und 15.5. | geschlossen |
Am 17.5.2026 finden im Rahmen des Friedhofsjubiläums/Tages der offenen Tür im Grünflächenamt öffentliche Führungen zwischen 11 und 17 Uhr durch die Ausstellung statt. Den genauen Zeitplan erfahren Sie am Veranstaltungstag vor Ort.