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Stadt Coburg

22. Mai 2026

Ansprache zum Stadtempfang – Coburger Convent 2024

Alljährlich begrüßt Coburg die Gäste des Pfingstkongresses des Coburger Convent mit einem Stadtempfang. Hier finden Sie den Text der Begrüßungsrede von OB Dominik Sauerteig.

Rathaussaal

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste des Coburger Convents, sehr geehrte zu Prämierende,

herzlich Willkommen auch im Namen meines Bürgermeisterkollegen im historischen Rathaussaal der Stadt Coburg zum Stadtempfang anlässlich des CC-Pfingstkongresses.

Das Jahr 2026 ist ein Jahr der Jubiläen. Runder und unrunder. Und vielleicht hängen einige von diesen auch irgendwie zusammen. Das Grundgesetz feiert 77. Geburtstag. Das Herzoghaus Sachsen-Coburg und Gotha feiert sein 200-jähriges Bestehen mit dem heutigen Namen und der Zugehörigkeit Gothas. Unser Landestheater startet im Herbst in seine 200. Spielzeit. Und auch der Coburger Convent wartet in diesem Jahr mit einigen Jubiläen auf: 100 Jahre Sportfest. Und: 75 Jahre Coburger Convent. Unter diesem Namen. In Coburg. Es gäbe am heutigen Abend also einiges an Geschichte aufzuzählen, zu würdigen und zu erinnern. 

Aber vielleicht lohnt sich am heutigen Abend auch eine ganz andere Frage: 

Warum feiern wir eigentlich Jubiläen? Warum betreiben wir – nicht selten – einen riesigen Aufwand, planen, budgetieren, feiern? Denn so manchmal kann einem so ein Jubiläum durchaus Schweißperlen auf die Stirn treiben. Denn wir wissen: Mit jedem Jubiläum kommt in der Regel auch ein Haufen Arbeit daher. 

Doch warum messen wir Zeit nicht nur in Tagen, Monaten und Jahren – sondern manchmal eben auch in Erinnerungen?

Vielleicht, weil Jubiläen uns zwingen, innezuhalten. Weil sie uns einen Moment geben, in dem wir nicht nur weitergehen, sondern zurückschauen — und dabei erkennen, was Bestand hat. Und was sich verändern durfte. Und manchmal auch musste.

Einem Moment, in dem wir häufig Neues lernen. Weil vieles in Vergessenheit geraten ist, weil wir plötzlich Geschichten ausgraben, Anekdoten, Erfolge, aber auch Herausforderungen, die wir kritisch betrachten. Nicht alles, was alt ist, ist automatisch bedeutend. Aber wenn es überliefert ist, wenn wir uns kollektiv erinnern, dann können wir davon ausgehen, dass es irgendwann einmal Menschen etwas bedeutet hat. Und vielleicht liegt darin die eigentliche Kraft eines Jubiläums. Es geht nicht nur darum, dass etwas lange existiert. Sondern darum, dass es über die Zeit hinweg getragen wurde. Von Menschen, die Verantwortung übernommen haben – oft über ihre eigene Lebenszeit hinaus. 

Wenn wir heute z.B. auf das Landestheater blicken, dann sehen wir nicht nur ein Gebäude oder einen Spielplan. Wir sehen Generationen von Menschen, die überzeugt waren, dass Kunst und Kultur mehr sind als Unterhaltung — nämlich ein Ort, an dem sich eine Gesellschaft selbst begegnet. Wenn wir auf das Herzogshaus schauen, dann geht es nicht nur um Geschichte im klassischen Sinne. Sondern um die Frage, wie sehr Vergangenheit eine Stadt prägt – und wie bewusst wir heute mit diesem Erbe umgehen.

Beim Blick auf die Jubiläen sehen wir aber noch etwas: Wir sehen Veränderung, wir sehen Weiterentwicklung. Wir sind kein Herzogtum mehr, aber wenn „unser“ Prinz bei den Königshäusern dieser Welt auftaucht sind viele Coburgerinnen und Coburger aber immer noch stolz. Wir leben mit dem Erbe, das Generationen von Herzögen uns hinterlassen haben. Und sind auch heute dankbar, was die Familie zu Sachsen-Coburg und Gotha für Coburg tut. 

Im Theater sehen wir alte Stücke im neuen Gewand, wir sehen junge Darstellerinnen und Darsteller, die manchem alten Schinken einen komplett neuen Anstrich geben, in die heutige Zeit versetzen. Und damit auch etwas lehren. Und wenn wir auf den Coburger Convent blicken, sehen wir auch viel Tradition, aber eben auch Weiterentwicklung. Das muss man nicht mögen, es ist aber Teil unserer Coburger Geschichte. 

Wir sehen aber auch Begegnungen, Verbindungen zwischen Menschen. Und das Geschehen auf dem Markt in den ersten Stunden war von wahrnehmbarer Fröhlichkeit und Geselligkeit geprägt. Anders als das Geschehen am Rand des Marktplatzes. Und ich denke das ist auch etwas, dass das Jubiläum feiern ausmacht. Die Begegnungen. Und die Tatsache, dass sie uns zeigen, dass es Dinge gibt, die länger halten als der Augenblick.

In einer Zeit, in der vieles schnelllebig geworden ist, in der Entscheidungen oft kurzfristig getroffen werden und Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist, wirken solche langen Linien fast ungewöhnlich. Neben Snapchat und Insta-Reels mag eine klassische Oper für den einen oder anderen endlos wirken. Wir alle wissen nicht, ob wir in 50 Jahren vielleicht Snapchat Videos herausholen, um bei einem Jubiläum die heutige Zeit wieder ins Gedächtnis zu rufen. 

Vielleicht feiert man dann Jubiläen auch nur noch digital?

Ich persönlich hoffe ja nicht. 

Ich hoffe wir erinnern uns dann etwas substanzieller. Denn ich denke Erinnerung ist das, was wir auch heute noch brauchen. Denn eine Stadt lebt nicht nur im Heute. Sie lebt davon, dass es Orte gibt, die bleiben. Dass es Institutionen gibt, die überdauern. Davon, dass es in der Demokratie Reibung gibt und geben darf. Und dass es Menschen gibt, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für den Moment, sondern für das, was kommt. Die auch Verantwortung übernehmen, dass sich manches nicht wiederholt. Und das wir kritisch bleiben.

Ein Jubiläum ist deshalb keine bloße Rückschau. Es ist ein Moment der Entscheidung. Ein Moment, in dem wir uns fragen:

Was von dem, was wir übernommen haben, wollen wir weitertragen? Was ist es wert, bewahrt zu werden?
Und was braucht vielleicht auch Veränderung, um Zukunft zu haben?

Coburg ist in vielerlei Hinsicht eine Stadt mit Geschichte. Aber entscheidend ist nicht, dass diese Geschichte existiert. Entscheidend ist, was wir heute daraus machen.

Ob wir sie nur betrachten —
oder ob wir sie weiterentwickeln.

Ob wir sie bewahren —
oder ob wir ihr eine Zukunft geben.

Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft eines solchen Jahres der Jubiläen:

Dass Zukunft nicht irgendwo entsteht. Sondern nur wenn wir Verantwortung dafür tragen. Diese Worte will ich insbesondere auch an die jüngsten hier im Saal richten. Als Abiturienten, Studien- und Promotionsabsolventen stehen Ihnen die Welt offen. Bei ihren Entscheidungen wünsche ich Ihnen allen ein glückliches Händchen. Und bitte vergessen Sie dabei nicht, die Gesellschaft hat Ihnen einiges ermöglicht. Sie ge- und ausgebildet. Bitte übernehmen Sie daher auch Verantwortung für die Gesellschaft. Damit Sie bei ihren ganz privaten Jubiläen zurückschauen können auf mehr als das eigene ICH, sondern auf möglichst viele Beiträge auch für das WIR. 

Mit diesen Gedanken möchte ich dem CC ein schönes Jubiläumsjahr in Coburg wünschen. 

Ein schönes Wochenende. 

Ein hoffentlich friedliches Wochenende. 

Vielleicht nehmen Sie den Gedanken mit, dass wir es sind, die die Inhalte der Jubiläen der Zukunft füllen. 

Und dass es dann hoffentlich gute Geschichten zu berichten gibt. 

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

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