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Stadt Coburg

25. Mai 2026

Rede zum Festkommers des CC 2026

Beim Festkommers des CC fand OB Dominik Sauerteig auch kritische Wort zum Verhalten einiger Gäste des Pfingstkongresses. Lesen Sie hier seine Rede im ganzer Länge.

Hohes Präsidium,

Sehr geehrte Herren Chargierte,

meine sehr geehrten Herren,

zunächst einmal herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung heute hier im Festzelt zum Festkommers. 

Auch im Namen der Bürgermeisterkollegen und der anwesenden Mitglieder des Stadtrats. 

Wer von Ihnen insgeheim gehofft hat, Sie würden es nach der Kommunalwahl etwas einfacher mit der Coburger Stadtspitze haben, den muss ich leider enttäuschen. Mit einem Augenzwinkern muss ich Ihnen leider folgendes mitteilen: Während draußen der schwarze Block auf Sie alle wartet, sitzt hier vorne in den kommenden 5 Jahren weiterhin der rote Block. Und mit Blick auf die Ausführungen des Festredners will ich Ihnen erwidern: das ist die sprechfähige Mitte.

Und nicht, dass sich fälschlicherweise das Gerücht verbreitet, ich wäre als Oberbürgermeister vom Platz neben dem Sprecher verbannt worden: ich bin auf eigenen Wunsch in Absprache mit ihrem Kongressbeauftragten weiter nach unten gerutscht und habe mir insoweit ein Beispiel an ihrer niedrigeren Bühne vor dem Rathaus heute Abend genommen. Bodenhaftung, das tut bekanntermaßen immer gut. Wiederrum mit Blick auf die Rede ihres Festredners: Das tut übrigens auch der vermeintlichen Elite gut. Wer oder was auch immer das ist.

Meine sehr geehrten Herren, ich hatte schon bei meiner Rede zum Stadtempfang am Freitag ausgeführt, dass wir uns im Jahr 2026 in Coburg in einem Jubiläumsjahr befinden. 200 Jahre Herzogshaus Sachsen-Coburg und Gotha. 200 Jahre Landestheater, 77 Jahre Grundgesetz und eben auch 75 Jahre Coburger Convent in Coburg. Herzlichen Glückwunsch daher auch heute noch einmal im Festzelt zum 75. Geburtstag des Coburger Convents in Coburg. 

Ich kann Sie aber alle beruhigen. Ich werde heute kein Geburtstagsständchen singen. Das ist bei einem anderen Jubiläum kürzlich ziemlich in die Hose gegangen. Und schrille Töne erwarten Sie heute Abend ja außerdem sowieso noch. Jetzt wäre also der Moment für ultimative Aufmerksamkeit. Zu einem solchen Jubiläum kann man schon mal ordentlich feiern. Ein Schluck kühles Bier zu sich nehmen und einen geselligen Abend verleben. 

In diesem Sinne: Prost Corona.

Meine sehr geehrten Herren,

Jürgen Marpert, eine der Größen meiner Schülerverbindung, der ein oder andere unter den Älteren von Ihnen dürfte Ihn sicherlich gekannt haben, hat bei den Väterkneipen immer zu den Vätern der Aktiven und Spefüxe gesagt: Bei uns lernt ihr Sohn auch einmal ein Bier zu viel zu trinken, ohne sich dabei gleich danebenzubenehmen. 

Sehr viele von Ihnen fragen sich jetzt bestimmt, was erzählt er uns denn da schon wieder. Und was hat das mit dem 75. Geburtstag zu tun. 

Ich will es Ihnen beantworten. 

Es hat mit dem leider auch in diesem Jahr wieder notwendigen und fast schon obligatorisch-kritischen Teil meiner Rede zu tun. Denn nicht nur die Gedanken sind frei, sondern tatsächlich auch die Worte. Denn ich kann Ihnen diesen leider auch heute wieder nicht ersparen. Aber auch den Teilen des Protests draußen vor dem Zelt, die sich selbst intolerant und Grenzen überschreitend verhalten. Anders als der schwarze Block da draußen, mache ich das aber weiterhin ohne Verallgemeinerungen, Pauschalisierungen und fehlerhaften Unterstellungen.  

Wir schreiben den 24.05.2026. Ein Reel auf Instagram. Eine Geschichte aus Coburg. Zum CC. Mehr als 1,5 Millionen Views. Mehr als 15 Tausend Likes. Das könnte eine gute Werbung für meine Stadt sein. Und für den Coburger Convent. Leider trifft genau das Gegenteil zu.

Meine weltoffene und tolerante Stadt Coburg ist wieder mal deutschlandweit in Verruf geraten. Und warum? Die Rede ihres Festredners war es bisher nicht. 

Weil Einzelne von Ihnen sich leider nicht im Griff haben. Obwohl, doch alle wissen, dass Handykameras allgegenwärtig sind. Und Persönlichkeitsrechte im Netz niemanden mehr interessieren. Und ganz unabhängig davon, ob das, was man in diesem Video sieht, nur ein Ausschnitt ist, will ich es ohne Umschweife klar und deutlich formulieren, auch weil wir als Stadt Hinweise auf mindestens einen weiteren ähnlichen Vorfall erhalten haben. 

Homophobie hat in meiner Stadt keinen Platz. 

Jeder Mensch hat ein Recht darauf, so zu lieben wie er es will. Öffentlich und nicht nur zuhause in den eigenen vier Wänden. Ich erwarte daher von Ihnen allen, dass Sie das respektieren. Egal, ob das jetzt der eigenen Orientierung entspricht. Man das gut findet oder nicht. 

Auch im Sinne der Worte, die ihr Verbandsbruder Herr Dr. Mathony zur Ehre und damit der Menschenwürde heute Vormittag am Ehrenmal gewählt hat. Und ebenfalls ganz in Sinne ihres verstorbenen Verbandsbruders Jürgen Marpert: auch mit einem Glas Bier zu viel. 

Und ja, auch wenn ein ähnlicher Satz von mir vor einigen Jahren für viel Aufsehen gesorgt hat, formuliere ich auch heute bewusst so. 

Wer die Würde anderer Menschen nicht achtet und homophobe Beleidigungen von sich gibt, der hat sein Gastrecht in Coburg verwirkt. 

Und sollte nächstes Jahr und auch sonst Coburg fernbleiben.

Sein Gastrecht auch verwirkt hat übrigens der Sachbeschädiger oder die Sachbeschädigerin, der heute Morgen das Ehrenmal der Stadt Coburg mit Farbe und Buttersäure beschmutzt hat. Damit hat er oder sie übrigens auch die Verstorbenen, derer dort gedacht wird, verunglimpft. 

Es wäre daher sicherlich auch sinnvoll, wenn die demokratischen Teile des natürlich legitimen und möglichen Protests sich von derartigen Aktionen klar distanzieren und sich nicht gemein machen im Protest mit Menschen, die keinerlei Respekt oder Toleranz gegenüber Andersdenkenden aufbringen.

Meine sehr geehrten Herren,

man könnte also zusammenfassen: ein ganz normaler Pfingstkongress. Auch wenn ich diesen Normalzustand nicht wirklich gut finde. Und ich glaube Ihnen allen wäre ein anderer Normalzustand auch lieber. In diesem Sinne will ich die Hoffnung nicht aufgeben, einmal auf den kritischen Teil meiner Rede verzichten zu können und erhebe mit Ihnen allen noch einmal mein Glas.

Auf ein wachsen, blühen und gedeihen des Coburger Convents in Coburg!

Prost Corona.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Michael von Aichberger