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Stadt Coburg

Podcast

Vom Bierpalast zum Kaufhof

Bevor der Kaufhof die Coburger Innenstadt prägte, befanden sich an dieser Stelle ein Verlagshaus, ein Kino, ein Bierpalast und einer der wichtigsten Veranstaltungsorte der Stadt. Die neue Folge unseres Podcasts "Markt 1" blickt auf diese Zeit zurück.

Markt 1 - der Podcast aus dem Coburger Rathaus

Bevor der Kaufhof die Coburger Innenstadt prägte, befanden sich an dieser Stelle ein Verlagshaus, ein Kino, ein Bierpalast und einer der wichtigsten Veranstaltungsorte der Stadt. Gemeinsam mit Stadtheimatpfleger Dr. Christian Boseckert werfen wir einen Blick auf die wechselvolle Geschichte eines der markantesten Orte Coburgs.

Wer heute auf das ehemalige Kaufhofgebäude in der Mohrenstraße blickt, sieht vor allem einen markanten Bau der 1970er Jahre. Doch lange bevor dort eingekauft wurde, war das Gelände Schauplatz ganz unterschiedlicher Kapitel der Coburger Stadtgeschichte. Stadtheimatpfleger Dr. Christian Boseckert hat die Entwicklung des Areals nachgezeichnet.

Dabei beginnt die Geschichte in einer Zeit, als die Mohrenstraße noch gar nicht existierte. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gab es zwischen Innenstadt und dem heutigen Bahnhof kaum Gebäude. Erst 1874 wurde die Mohrenstraße als neue Verbindung angelegt.

„Ursprünglich waren da nur Felder und Wiesen“, erklärt Boseckert. Die Flächen gehörten dem Lautermüller Georg Roschlau, der seinen Grundbesitz an die Stadt verkaufte. Mit dem Erlös ließ er sich an der neuen Straße ein Wohnhaus errichten – genau an jener Stelle, an der heute das ehemalige Kaufhofgebäude steht.

Während die Mohrenstraße in den folgenden Jahrzehnten mit repräsentativen Wohnhäusern bebaut wurde, entwickelte sich das Gelände am an der späteren Mohrenkreuzung zu einem besonderen Mittelpunkt des städtischen Lebens.

Ein Haus für Nachrichten

Das Wohnhaus Roschlaus verschwand bereits nach wenigen Jahrzehnten. An seiner Stelle entstand das moderne Verlagsgebäude des Coburger Tageblatts. Entworfen wurde es vom jüdischen Architekten Erich Rosenwald.

Mit rund 12.000 Quadratmetern Nutzfläche war das Haus für seine Zeit ein technisches Meisterwerk. Redaktion, Verlag und Druckerei befanden sich unter einem Dach. Selbst an die schwierigen Bedingungen des Hahnflusses, der unter dem Gelände verlief, wurde gedacht. Ein aufwendiges Rückhaltebecken schützte das Gebäude vor Hochwasser. Zum Einsatz kamen modernste Spezialmaterialen aus dem Berliner U-Bahnbau. Nach dem Krieg übernahm die Neue Presse das Verlagshaus.

Der Bierpalast der Coburger

Noch stärker prägten jedoch die benachbarten Hofbräu-Gaststätten das Leben vieler Coburgerinnen und Coburger. Was ursprünglich als Fabrikgebäude begonnen hatte, wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Coburger Hofbräu zu einem sogenannten Bierpalast umgebaut.

Der Begriff klingt heute ungewöhnlich, bezeichnete damals aber repräsentative Gaststätten großer Brauereien. Tatsächlich waren die Hofbräu-Gaststätten weit mehr als nur ein Ort zum Essen und Trinken.

Hier fanden Konzerte, Varieté-Abende und Kulturveranstaltungen statt. 1931 traten die berühmten Comedian Harmonists auf. Später gastierte auch Udo Jürgens in den Sälen. In den 1960er Jahren wurden dort die ersten Beatkonzerte Coburgs veranstaltet.

Daneben gab es ein Kino, Boxkämpfe, Hallenradsport und Schauturnen. Weil geeignete Sporthallen fehlten, wurden die großen Säle oft zweckentfremdet. „Das war eine sehr bedeutende Freizeiteinrichtung in Coburg“, sagt Boseckert.

Auch der Fasching spielte hier eine wichtige Rolle. Verschiedene Vereine veranstalteten ihre beliebten Faschingsbälle in den Hofbräu-Sälen. Selbst nach der Eröffnung des Kongresshauses 1962 blieben viele Veranstaltungen in der Mohrenstraße.

Ort der politischen Geschichte

Die Säle dienten außerdem als wichtiger Ort der politischen Meinungsbildung. Parteien unterschiedlichster Richtungen hielten dort Versammlungen ab. Eine große Bürgerversammlung zur Oberbürgermeisterwahl 1924 lockte zahlreiche Teilnehmende an.

Gleichzeitig besitzt der Ort auch eine dunkle Seite der Geschichte. Beim Deutschen Tag 1922 hielt Adolf Hitler hier eine seiner ersten Reden außerhalb Münchens. In den folgenden Jahren nutzte die NSDAP die Säle regelmäßig für Kundgebungen. Nach 1933 wurden die Hofbräu-Gaststätten Teil der nationalsozialistischen Erinnerungskultur. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwanden diese Bezüge jedoch weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Das Ende einer Ära

In den 1960er Jahren gerieten die Hofbräu-Gaststätten zunehmend unter Druck. Die Freizeitgewohnheiten änderten sich, das Fernsehen hielt Einzug in die Wohnzimmer und die Menschen wurden mobiler. Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Coburger Hofbräu.

1971 verkaufte die Brauerei schließlich das Gelände an den Kaufhof-Konzern. Die bestehenden Gebäude wurden abgerissen. Der neue Eigentümer verfolgte dabei ein klares Ziel: Das Warenhaus sollte auffallen.

„Von Anfang an war beabsichtigt, dass sich dieses Kaufhausgebäude nicht in seine Umgebung integriert“, erläutert Boseckert. Die Architektur sollte Aufmerksamkeit erzeugen und als Wiedererkennungsmerkmal des Unternehmens dienen.

Diskutiert wurde in Coburg lediglich über die Fassadenfarbe: Rot oder Olivgrün. Letztlich entschied man sich für die heute bekannte olivgrüne Fassadengestaltung.

Ein Gebäude, das polarisiert

Bis heute löst das ehemalige Kaufhofgebäude unterschiedliche Reaktionen aus. Für die einen ist es ein Fremdkörper im historischen Stadtbild, für die anderen ein typisches Zeugnis der Architektur der 1970er Jahre.

Unabhängig davon erinnert der Standort an viele Schichten Coburger Geschichte: an Felder vor den Toren der Stadt, Zeitungen, Bierpalast und Kinos, politische Versammlungen, Faschingsbälle und Konzerte – und dann Einkaufen, Restaurant und Spielekonsolen.

Die nächsten Kapitel mit Stadtbücherei und Stadtarchiv werden gerade vorbereitet.

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  • Städtische Sammlungen