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Stadt Coburg

Klimaanpassung

Schatten für heiße Tage

Die Stadt bringt Hitzeschutz und Denkmalschutz zusammen. Auf dem Schlossplatz stehen zwei Pergolen. An ihnen sollen Kletterpflanzen wachsen und künftig Schatten spenden. Nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen sich die Stadt an den Klimawandel anpasst.

Test auf dem Schlossplatz: Kletterpflanzen werden hier künftig Schatten spenden.

Heiße Sommertage werden auch in Coburg häufiger. Gerade in der historischen Innenstadt ist es aber nicht immer möglich, einfach zusätzliche Bäume zu pflanzen. Deshalb setzt die Stadt auf viele kleinere Projekte, die zusammen dabei helfen sollen, die Folgen großer Hitze abzumildern und den Aufenthalt in der Innenstadt angenehmer zu machen.

Ein sichtbares Beispiel dafür sind die beiden neuen Pergolen am Schlossplatz. Sie gehören zum Klimaanpassungsprogramm 2026 und sollen die Sitzbänke unter den Arkaden besser vor der Sonne schützen. Vor allem mittags und am Nachmittag stehen die Bänke in der prallen Sonne. Die Pergolen schaffen zusätzlichen Schatten und laden dazu ein, den Platz auch an heißen Tagen länger zu nutzen.

Dass sie ausgerechnet am Schlossplatz stehen, ist kein Zufall. „Hier halten sich täglich viele Menschen auf. Gleichzeitig wurde der Platz sowohl in der städtischen Karte der kühlen Orte als auch im Integrierten Stadtklimaanpassungskonzept als besonders hitzebelasteter Ort erkannt“, berichtet Kirsten Köhn, Leiterin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Während die Bevölkerung in der Karte der kühlen Orte auf heiße Orte aufmerksam machen konnten, liefert das Klimaanpassungskonzept die fachliche Grundlage. Beide zeigen: Am Schlossplatz besteht besonderer Bedarf.

Die Pergolen können den Schlossplatz dabei natürlich nicht komplett abkühlen. Sie wirken ganz gezielt dort, wo Menschen sitzen. Schon etwas Schatten kann den Unterschied machen und den Aufenthalt deutlich angenehmer machen.

Ein grünes Dach wächst erst noch

Wer jetzt an eine klassische Pergola aus Holz denkt, liegt allerdings falsch. Die Coburger Pergolen bestehen aus jeweils zwei anthrazitfarbenen Stahlrohrbögen. Dazwischen spannen sich feine Stahlseile, an denen Hopfen und Clematis nach oben wachsen. Nach und nach entsteht so ein grünes Dach, das immer mehr Schatten spendet. In dieser Wachstumsphase helfen alte Bauzaunbanner aus und beschatten die Bänke. Ergänzt werden die Pergolen durch große Pflanzkübel mit Stauden, die von Anfang an Farbe auf den Schlossplatz bringen.

Auch die Gestaltung wurde sorgfältig abgestimmt. Gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege entstand ein Entwurf, der sich an den Rundbögen der historischen Arkaden orientiert. Die Pergolen greifen diese Form auf, ohne sie einfach nachzubauen. So fügen sie sich in das historische Umfeld ein und wirken trotzdem modern. Sie erinnern damit etwas an die Sitzbänke in der Innenstadt, die eine ähnliche Optik aufweisen.

Gleichzeitig bleiben die Konstruktionen flexibel. Sie stehen nicht dauerhaft fest auf dem Platz und können bei Veranstaltungen oder anderen Anlässen vorübergehend entfernt werden.

Ein Test für weitere Projekte

Die Pergolen sind gleichzeitig ein Testlauf. Die Stadt möchte herausfinden, wie gut sich solche Schattenspender im Alltag bewähren. Wie entwickeln sich die Pflanzen? Werden die schattigen Plätze gut angenommen? Wie aufwendig ist die Pflege? Die Antworten auf diese Fragen helfen dabei, ähnliche Projekte künftig auch an anderen Orten umzusetzen.

Erste Erfahrungen gibt es bereits. Das Grünflächenamt hatte schon 2025 mit einfachen Rankgerüsten und Hochbeeten ausprobiert, welche Kletterpflanzen sich besonders gut für den Einsatz in der Innenstadt eignen. Die neuen Pergolen sind der nächste Schritt auf diesem Weg. „In der Theorie ist klar, welche Pflanzen hier funktionieren, aber erst der Praxistest zeigt, welche davon besser und welche schlechter geeignet sind“, ergänzt Gärtnermeisterin Sophie Bückreiß.

Viele kleine Projekte mit großer Wirkung

Die Pergolen sind nur ein Baustein des Klimaanpassungsprogramms. Denn gegen die Folgen des Klimawandels gibt es keine einzelne große Lösung. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler kleiner Maßnahmen.

So sorgen bereits Sonnensegel am Albertsplatz und im Steinweg für Schatten. Sie kommen dort zum Einsatz, wo größere Bäume heute nicht oder nur mit großem Aufwand gepflanzt werden können. Die Segel schützen nicht nur die Menschen vor direkter Sonneneinstrahlung. Sie verhindern auch, dass sich Pflasterflächen und Sitzgelegenheiten stark aufheizen. Dadurch bleibt die Umgebung insgesamt angenehmer.

Auch weitere Projekte sind bereits geplant. Auf der Mauer sollen zusätzliche Bäume gepflanzt werden. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern kühlen ihre Umgebung auch auf natürliche Weise durch die Verdunstung von Wasser über die Blätter. Außerdem soll der Trinkwasserspender am Theaterplatz ersetzt werden. Künftig sorgt dort neben Trinkwasser auch an besonders heißen Tagen ein feiner Wassernebel für Abkühlung.

Wichtig ist dabei auch die Beteiligung der Menschen. Über die digitale „Zeig uns deinen Hotspot"-Kampagne (Öffnet in einem neuen Tab) können Bürger*innen Orte markieren, an denen die Hitze im Sommer besonders belastend ist. Diese Hinweise helfen gemeinsam mit den Ergebnissen des Stadtklimaanpassungskonzepts dabei, die Maßnahmen dort umzusetzen, wo sie den größten Nutzen bringen. 

Ob Pergolen, Sonnensegel, neue Bäume oder Wassernebel – jede Maßnahme erfüllt eine andere Aufgabe. Erst zusammen machen sie die Coburger Innenstadt Schritt für Schritt lebenswerter und widerstandsfähiger gegen heiße Sommer und sorgen dafür, dass sich Menschen auch in Zukunft gerne dort aufhalten.

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