Straßburg oder Brüssel? Schon bei der Frage, wo das Europaparlament sitzt, wird es schwierig. Auch stimmen die einzelnen Fraktionen oft nicht geschlossen, wenn es unterschiedliche nationale Interessen gibt. Aber was ist eigentlich eine Fraktion? All das haben rund 100 Jugendliche der Coburger Gymnasien nun selbst erfahren. Zusammen mit mehreren Partnern hat die Stabsstelle Demografie, Bildung und Familie das Planspiel „SimEP“ nach Coburg geholt.
Die Jugendlichen schlüpften für ein paar Stunden in die Rolles eines Mitglieds des Europaparlaments (MdEP), verteilt auf unterschiedliche Fraktionen. Das Thema des Tages: „Verteidigungspolitik“. Wie im echten Parlament gehen die Meinungen weit auseinander, nicht nur im Plenum, wenn alle MdEP zusammensitzen, auch in den einzelnen Fraktionen – also den Zusammenschlüssen von gleichartigen Partien aus unterschiedlichen Staaten.
Die Jugendlichen vertraten dabei nicht unbedingt ihre eigenen Meinungen, sondern die der Fraktion, der sie angehörten. So wurde leidenschaftlich diskutiert. „Mehr Diskurs wagen“, lautet daher das Fazit von Lehrer Gideon Zetzmann vom Albertinum. Die Schüler*innen haben gesehen, wie man mit unterschiedlichen Meinungen umgehen kann. Jan Bierweiler vom Casimirianum ergänzt: „Demokratie lebt von Partizipation – das erfahren die Schülerinnen und Schüler in so einem Planspiel.“
Neben den Einblicken in die politische Arbeit, lernen die Jugendlichen auch, vor anderen eine Meinung zu vertreten. Das zu erleben, sei das Besondere, denn „das bleibt hängen“, ergänzt Lehrer Julian Freytag vom Albertinum.
„Europa ist für viele von uns selbstverständlich geworden – Reisen ohne Grenzen, Lernen und Arbeiten in anderen Ländern und das Zusammenleben in einer vielfältigen Gemeinschaft. Doch all das ist nicht selbstverständlich. Es ist das Ergebnis von Frieden, Zusammenarbeit und dem gemeinsamen Willen, Konflikte nicht gegeneinander, sondern miteinander zu lösen“, erklärte Bianca Haischberger, Leiterin der Stabsstelle Demografie, Bildung und Familie. Die Schülerinnen und Schüler hätten an diesem Tag erfahren, dass Demokratie nicht immer einfach sei, ihre Stärke aber im Dialog und im Kompromiss liege. 2. Bürgermeister Can Aydin dankte der Stabsstelle, dem Junge Europäische Föderalisten e. V., der das Planspiel organisiert und Europe Direct Coburg als Partner vor Ort: „Europa prägt unseren Alltag in vielerlei Hinsicht. Die Simulation des Europäischen Parlaments bietet jungen Menschen die Möglichkeit, demokratische Entscheidungsprozesse selbst zu erleben und ein besseres Verständnis für die europäische Zusammenarbeit zu entwickeln.“
Der Sitz des Europäischen Parlaments ist übrigens Straßburg, Ausschüsse und Fraktionen tagen in Brüssel, wo es auch mehrmals Plenarsitzungen gibt. Dieses Reisen zwischen den einzelnen Städten haben die Jugendlichen aber nicht simuliert.