Wer täglich auf dem Schulweg an einer großen Baustelle vorbeikommt, fragt sich irgendwann: Warum dauert das eigentlich so lange und was wird hier gemacht? Genau diese Frage greift eine besondere Baustellen-Rallye am Glockenberg auf. Die 9. Klassen der Gymnasien Alexandrinum und Ernestinum hatten die Möglichkeit, die Baustelle direkt vor ihrer Schule aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen.
Initiiert wurde das Projekt vom Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit der Stadt Coburg, um den Jugendlichen zu zeigen, warum diese Einschränkung im Alltag für die zukünftige Energieversorgung der Stadt von großer Bedeutung ist. Für die Umsetzung konnte der Verein Energievision Frankenwald e.V. gewonnen werden, der Bildungsprojekte im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung anbietet. Gemeinsam mit der SÜC Coburg und der Firma Krumpholz wurde eine interaktive Baustellen-Rallye entwickelt, die Theorie und Praxis miteinander verbindet.
„Wir machen mit dem Angebot Lehrpläne erlebbar. Es ist ein großer Unterschied, ob Jugendliche nur aus Büchern von erneuerbaren Energien lesen oder direkt vor Ort sehen, was passieren muss, damit die Energiewende gelingt“, sagt Oberbürgermeister Dominik Sauerteig.
Im Mittelpunkt der Rallye steht das Thema Fernwärme und nachhaltige Energieversorgung. „Wir wollen die Jugendlichen für diese Themen sensibilisieren und ihnen einen Einblick in die Hintergründe der Arbeiten geben. Die Baustelle erscheint im Moment vielleicht störend, ist aber für die zukünftige Energieversorgung der Schulen am Glockenberg von zentraler Bedeutung“, erklärt Bastian Wedel vom Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
An insgesamt fünf Stationen wurde den Schüler*innen unter anderem vermittelt, wie ein Fernwärmenetz aufgebaut ist, welche Arbeiten auf einer Tiefbaustelle notwendig sind und welche Vorteile Fernwärme für den Klimaschutz bietet. Zum Programm gehörten ein Informationsvideo, ein interaktives Modell eines Fernwärmenetzes, Informationstafeln zur Zukunft der Fernwärme, ein Blick in die laufende Tiefbaustelle sowie das Materiallager der Baustelle.
Die enge Zusammenarbeit aller Projektpartner*innen war dabei entscheidend. Energievision Frankenwald e.V., vertreten durch Dr. Elvira Schwanse und Julia Kaul, entwickelte das pädagogische Konzept und begleitet die Rallye. Heiko Baumann und sein Team von der SÜC Coburg stellten ihr fachliches Know-how rund um den Fernwärmeausbau zur Verfügung. Die Firma Krumpholz ermöglichte durch Anpassung der Abläufe einen Blick in die Baustelle.
„Nachhaltigkeit lässt sich besonders gut vermitteln, wenn sie greifbar wird. Die Baustellen-Rallye verdeutlicht, dass Klimaschutz nicht abstrakt ist, sondern direkt vor unserer Haustür stattfindet“, betont Baumann von der SÜC.
Das Angebot kam bei den Schüler*innen und Lehrer*innen gut an. „Ich laufe jeden Tag an der Baustelle vorbei und habe mich oft gefragt, was dort eigentlich passiert. Jetzt verstehe ich, warum dieser Aufwand notwendig ist und was Fernwärme mit Klimaschutz zu tun hat“, sagte ein Teilnehmer der 9. Jahrgangsstufe.
Die Baustellen-Rallye zeigt, wie die Energiewende vor Ort umgesetzt wird und warum sich die Investitionen in die Infrastruktur langfristig für die gesamte Stadtgesellschaft auszahlen.