Mit einer Ausstellung, einer Kindersprechstunde und dem abschließenden Besuch bei 2. Bürgermeister Can Aydin ist die erste Stadtteilforscher AG der Pestalozzi-Grundschule erfolgreich zu Ende gegangen. Über mehrere Monate hinweg haben Schüler*innen der 3. und 4. Klassen die Stadtteile Seidmannsdorf, Neu-Neershof, Löbelstein und das Wohnumfeld rund um ihre Schule aus ihrer Perspektive erkundet. Dabei entwickelten sie konkrete Ideen für einen kinderfreundlicheren Stadtteil, priorisierten ihre Anliegen in einem demokratischen Beteiligungsprozess und brachten diese direkt in den Austausch mit der Stadtverwaltung ein.
Die Stadtteilforscher AG wurde von der Stabsstelle Demografie, Bildung und Familie der Stadt Coburg gemeinsam mit dem Förderverein der Pestalozzi-Grundschule fachlich begleitet und durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, Kinder frühzeitig an kommunalen Entscheidungsprozessen zu beteiligen und ihre Sichtweisen in die Stadtentwicklung einzubringen.
Ausgestattet mit Kameras und Stadtteilforschertaschen erforschten die Kinder ihre Lebenswelt. Sie fotografierten Orte, die ihnen besonders gut gefallen, dokumentierten Bereiche mit Verbesserungsbedarf und entwickelten daraus konkrete Ideen und Wünsche. Anschließend diskutierten sie ihre Vorschläge, begründeten ihre Positionen und entschieden gemeinsam, welche Anliegen ihnen besonders wichtig sind. Damit nicht nur die Stadtteilforscher selbst entscheiden, entwickelten sie ein Beteiligungsverfahren für die gesamte Schule. Alle Schüler*innen der Pestalozzi-Grundschule konnten sich anschließend an einer Abstimmung beteiligen und über die wichtigsten Forderungen mitentscheiden.
Die Ergebnisse präsentierten die Kinder Vertreter*innen verschiedener städtischer Fachämter. Gemeinsam wurden die Vorschläge diskutiert und erste Umsetzungsschritte vereinbart. Bereits zum Abschluss des Projekts konnten konkrete Erfolge erzielt werden: Der Wunsch nach einem zweiten Fußballtor auf dem Pausenhof wird im Rahmen einer größeren Maßnahme sogar noch umfassender umgesetzt – die Schule erhält eine eingezäunte Ballspielfläche. Für die Erneuerung des Spielplatzes in Löbelstein ist eine Kinderbeteiligung vorgesehen. Der Winterdienst am Seidmannsdorfer Spielplatz wird überprüft und in der Prioritätenliste neu bewertet. Im Rahmen der Dreck-weg-Woche wird der von den Kindern benannte Waldabschnitt gemeinsam von der Schulgemeinschaft von Müll befreit. Darüber hinaus wird der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb die benannten Müllschwerpunkte künftig verstärkt kontrollieren. Für eine zukünftige Stadtteilforscher AG wird außerdem geprüft, den Pavillon am Seidmannsdorfer Spielplatz gemeinsam mit Kindern neu zu gestalten.
„Kinder sind Expertinnen und Experten für ihre Lebenswelt. Wenn wir ihnen zuhören, gewinnen wir wertvolle Impulse für eine familienfreundliche und lebenswerte Stadt. Besonders beeindruckt hat mich, mit welchem Engagement die Kinder ihre Ideen entwickelt und vertreten haben. Die Stadtteilforscher AG zeigt, wie Kinderbeteiligung gelingen kann – praxisnah, demokratisch und mit konkreten Ergebnissen“, sagt 2. Bürgermeister Can Aydin.
„Kinderbeteiligung endet für uns nicht mit dem Sammeln von Ideen. Die Kinder erleben den gesamten Beteiligungsprozess – vom Erforschen ihres Stadtteils über demokratische Entscheidungen bis hin zum direkten Austausch mit Verwaltung und Politik. Besonders wichtig ist uns, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und sie erleben, dass ihre Ideen tatsächlich etwas bewirken. Genau dadurch entsteht Selbstwirksamkeit und Demokratie wird erfahrbar“, erklärt Bianca Haischberger, Leiterin der Stabsstelle Demografie, Bildung und Familie der Stadt Coburg.
Auch Kerstin Feulner, Vorsitzende des Fördervereins der Pestalozzi-Grundschule, zieht eine positive Bilanz: „Die Stadtteilforscher AG hat eindrucksvoll gezeigt, wie engagiert Kinder ihre Umgebung wahrnehmen und wie verantwortungsvoll sie sich mit ihrem Stadtteil auseinandersetzen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Förderverein und Stadtverwaltung war dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Gemeinsam ist es gelungen, Kinder ernsthaft zu beteiligen und ihre Ideen sichtbar zu machen.“
„Für unsere Schule war die Stadtteilforscher-AG ein wertvoller Lernprozess, bei dem Kinder erfahren konnten, dass ihre Meinung zählt und ernst genommen wird. Besonders beeindruckend war, wie selbstständig und reflektiert die Schülerinnen und Schüler ihre Umgebung analysiert und Verbesserungen vorgeschlagen haben. Die enge Zusammenarbeit mit Stadt und Förderverein hat dieses Projekt erst möglich gemacht,“ so Tanja Parys, Schulleiterin.
Mit dem erfolgreichen Abschluss der ersten Stadtteilforscher AG endet das Projekt jedoch nicht. Bereits im kommenden Schuljahr soll das Beteiligungsformat an einer weiteren Coburger Grundschule fortgesetzt werden. Ziel ist es, Kinder langfristig als Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelt in kommunale Entscheidungsprozesse einzubeziehen und Kinderbeteiligung dauerhaft in Coburg zu verankern.