Wer heute an der Lauter entlang spaziert – von Neues aus hinterm Gaudlitz bis zum Edeka am Milchhof, sieht begrünte Ufer, neue Wege und einen Fluss, der wieder Teil des Stadtbildes geworden ist. Das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Mit der Fertigstellung der letzten beiden Bauabschnitte ist der Hochwasserschutz an der Lauter nun vollständig.
Für Oberbürgermeister Dominik Sauerteig ist dabei weniger die Dauer des Projekts entscheidend als dessen Ergebnis. Vier Jahrzehnte Planung und Bau hätten ein Schutzsystem entstehen lassen, das weit über die Maßnahmen an der Lauter hinausreiche. Erst das Zusammenspiel aus Rückhaltebecken, Überleitungen und den Ausbauten entlang der Gewässer schaffe heute einen wirksamen Hochwasserschutz für Coburg. Das Bahnhofsviertel ist damit künftig vor einem sogenannten hundertjährlichen Hochwasser geschützt – also einem Hochwasserereignis, das bisher statistisch einmal in hundert Jahren aufgetreten ist.
Mehr als nur Mauern
Der Hochwasserschutz in Coburg besteht aus weit mehr als den sichtbaren Mauern entlang der Lauter. Erst das Zusammenspiel zahlreicher Maßnahmen sorgt dafür, dass große Wassermengen kontrolliert zurückgehalten und sicher durch das Stadtgebiet geleitet werden können.
Zu diesem Gesamtsystem gehören unter anderem die Hochwasserrückhaltebecken am Goldbergsee, Froschgrundsee und Wolfgangsee sowie zahlreiche Regenrückhaltebecken im Stadtgebiet. Sie alle sorgen dafür, dass bei starken Regenfällen oder Schneeschmelze weniger Wasser gleichzeitig durch Lauter und Itz fließt.
Die jetzt fertiggestellten Bauabschnitte bilden den letzten Baustein dieses Gesamtkonzepts.
Technik und Natur im Einklang
Auf rund 380 Metern entlang der Lauter wurden 525 Meter Hochwasserschutzmauern errichtet, ein neues Pumpwerk mit Trennbauwerk gebaut und umfangreiche Entwässerungsleitungen verlegt. Gleichzeitig entstanden eine neue Kanonenwegbrücke sowie ein barrierefreier Geh- und Radweg.
Auch das seit Jahrzehnten stillgelegte Lauterkraftwerk wurde zurückgebaut. Dadurch kann mehr Wasser diese Stelle passieren, wenn es nötig ist – ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz.
Besonderes Augenmerk legte die Planung auf die ökologische Gestaltung. Die Lauter erhielt ein naturnahes Flussbett mit Niedrigwasserrinne, flacheren Uferbereichen und neuer Bepflanzung. Treppen führen heute ans Wasser und machen den Fluss wieder erlebbar. So entstand nicht nur eine technische Schutzanlage, sondern zugleich ein attraktiver Aufenthaltsbereich mitten in der Stadt.
Millioneninvestition für mehr Sicherheit
Die beiden letzten Bauabschnitte wurden ab 2021 umgesetzt. Die Kosten beliefen sich auf rund acht Millionen Euro. Rund 65 Prozent der Finanzierung übernahmen der Freistaat Bayern und die Europäische Union, den restlichen Anteil trug die Stadt Coburg.
Oberbürgermeister Dominik Sauerteig betonte bei der Fertigstellung, dass mit dem Abschluss der letzten Bauabschnitte nicht nur ein Bauprojekt ende, sondern eine Investition in die Sicherheit kommender Generationen vollendet werde. Der Hochwasserschutz sei ein Gemeinschaftswerk, das über Jahrzehnte hinweg von vielen Beteiligten geplant, finanziert und umgesetzt wurde. Das Ergebnis wird die Menschen in Coburg noch viele Jahrzehnte begleiten – nicht nur als wirksamer Schutz vor Hochwasser, sondern auch als Beispiel dafür, wie technische Infrastruktur, Naturschutz und Aufenthaltsqualität miteinander verbunden werden können.