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Stadt Coburg

Podcast

Mehr Raum für mehr Leben

Die Stadtbücherei könnte in den ehemaligen Kaufhof umziehen. Dort lassen sich moderne Büchereikonzepte umsetzen. Warum das in der Herrngasse nicht möglich ist, verrät das Leitungsteam in der neuen Folge unseres Podcasts Markt 1.

Markt 1 - der Podcast aus dem Coburger Rathaus

„Bücherei ist nicht gleich Romane.“ Gleich zu Beginn räumt Brigitte Maisch mit einem verbreiteten Bild auf. Wer an endlose Regalreihen denkt, liegt zwar nicht ganz falsch – greift aber zu kurz. Denn die Coburger Stadtbücherei ist längst viel mehr als ein Ort, an dem Bücher ausgeliehen werden. Und genau deshalb braucht sie vor allem eines: mehr Platz. Mit einem möglichen Umzug in den ehemaligen Kaufhof rückt diese Frage jetzt in den Mittelpunkt. Was würde sich verändern? Und warum reicht das bisherige Gebäude nicht mehr aus? 

„Regale machen noch den meisten Platz bei uns aus“, sagt Maisch. „Aber es steckt ja viel mehr dahinter.“ Neben Büchern gehören längst auch Spiele, Filme, Musik, digitale Angebote und sogar Alltagsgegenstände zur Bücherei.  

Doch die eigentliche Veränderung liegt nicht im Bestand – sondern in der Nutzung. „Wir sind ein öffentlicher Treffpunkt für alle Generationen“, betont Stephanie Hopf, stellvertretende Leiterin. „Ein Ort zum Lernen, Lesen, Austauschen.“ Viele Menschen kommen nicht nur, um Medien auszuleihen, sondern um Zeit zu verbringen. Das zeigt sich im Alltag ganz konkret. 

Ein Treffpunkt – mit zu wenig Raum

„Da passieren ganz spontane Begegnungen“, beschreibt Andrea Burgsmüller, Leiterin der Kinder- und Jugendabteilung. „Familien treffen sich, unterhalten sich, Kinder spielen – und bleiben oft länger als geplant.“ Die Bücherei ist damit zu einem sogenannten „dritten Ort“ geworden: ein Platz zwischen Zuhause und Arbeit, an dem man sich aufhalten kann, ohne etwas kaufen zu müssen. Doch genau dieser Anspruch stößt im aktuellen Gebäude an Grenzen. 

„Wir brauchen Plätze, wo man laut sein darf – und Bereiche, wo man in Ruhe arbeiten oder lesen kann“, sagt Burgsmüller. „Diese Mischung können wir hier nur sehr eingeschränkt abbilden.“ 

Vier Stockwerke, viele Einschränkungen

Hinzu kommt die bauliche Situation. Das Haus in der Herrngasse ist historisch gewachsen – und nicht für die heutigen Anforderungen gemacht. „Ein vierstöckiges Haus ist ungünstig“, erklärt Burgsmüller. „Man hat keine großen, zusammenhängenden Flächen für Veranstaltungen.“ Auch Maisch sieht das Problem klar: „Wir haben schlicht und einfach zu wenig Platz.“ Die Folge: Veranstaltungen müssen improvisiert werden, oft außerhalb der Öffnungszeiten. Möbel werden gerückt, Räume umfunktioniert – ein dauerhafter Zustand ist das nicht. 

Mehr als Ausleihe: ein wachsendes Angebot

Dabei wächst das Angebot stetig. Von Lesungen über Vorlesestunden und Schreibwettbewerbe bis hin zu Leseclubs, Klassenführungen und kreativen Formaten – die Stadtbücherei ist heute ein aktiver Veranstaltungsort. „Wir sind immer noch Ausleihort und Informationszentrum“, sagt Burgsmüller. „Aber mittlerweile auch ganz stark im Veranstaltungsbereich.“ Und es gäbe noch viele Ideen. „Im Makerspace-Bereich oder bei kreativen Angeboten wäre viel mehr möglich“, ergänzt Hopf. „Der Bedarf ist da – uns fehlen nur die Räume.“ 

Der Kaufhof als Chance

Den drei Frauen sieht man die Vorfreude an, wenn sie vom Standort Kaufhof reden. „Wichtig ist, dass der Raum da ist, den man entsprechend füllen kann“, sagt Maisch. Der ehemalige Kaufhof bietet diese Chance: große, zusammenhängende Flächen, zentrale Lage, näher am Parkhaus Post. Und vor allem: neue Möglichkeiten. 

Ein zentrales Thema ist das geplante Lesecafé. „Das wird ganz stark nachgefragt“, berichtet Maisch. „Viele wünschen sich einen Ort, wo man sitzen, lesen oder sich austauschen kann.“ Auch eigene Bereiche für Jugendliche sind geplant. „Im Moment sind sie an die Kinderbücherei angedockt – das ist völlig unsexy“, sagt sie offen. 

Die Vision geht aber weiter. „Man braucht unterschiedliche Zonen“, erklärt Burgsmüller. „Bereiche für Begegnung, aber auch Rückzugsorte.“ Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Menschen ohne ruhigen Arbeitsplatz zu Hause nutzen die Bücherei bereits heute intensiv – und würden von besseren Bedingungen profitieren. 

Auch die Barrierefreiheit spielt eine wichtige Rolle. „Das aktuelle Haus ist nicht vollständig barrierefrei“, so Maisch. Ein Neubeginn könnte hier deutliche Verbesserungen bringen. 

Ein Haus, das mit der Stadt wächst

Dass sich Bibliotheken verändern müssen, ist für das Team keine neue Erkenntnis. „Wir denken schon seit Jahrzehnten über Veränderungen nach“, sagt Maisch. „Dieses Haus war 1967 modern – aber seitdem ist viel passiert.“ Heute geht es darum, die Bücherei als offenen, lebendigen Ort weiterzuentwickeln. „Wir wollen alle mitnehmen“, beschreibt Hopf den Anspruch. „Vom Kleinkind bis ins hohe Alter – und niemand soll auf dem Weg verloren gehen.“ 

Der mögliche Umzug in den Kaufhof wäre deshalb mehr als ein Standortwechsel. Er ist die Chance, die Stadtbücherei neu zu denken. Nicht als Ort, der von Regalen bestimmt wird. Sondern als Raum für Begegnung, Bildung und Kultur. Oder, wie es Andrea Burgsmüller zusammenfasst: „Wir haben so viele Ideen – uns fehlt im Moment einfach der Platz, sie umzusetzen.“ 

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Bildnachweise

  • Stadt Coburg/Constantin Hirsch