Wilhelm Feyler entstammte einer Sonnefelder Zimmererfamilie und absolvierte zu Beginn der 1880er Jahre eine Lehre als Bäcker und Lebküchner. Nach seinen Wanderjahren und der Verleihung des Meistertitels eröffnete er 1892 in der Rosengasse in Coburg eine „Spezial- und Feinbäckerei“. Um sich von den vielen anderen Bäckereien hervorzuheben, entschloss er sich, etwas Besonderes in sein Sortiment aufzunehmen und damit ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen. Auf der Suche nach dem Besonderen entdeckte er ein in Coburg weit verbreitetes einfaches, braunes Sirupgebäck, welches den Namen Schmätzchen trug. Die Bezeichnung stammt aus der thüringischen Mundart und heißt so viel wie Küsschen. Feyler entschloss sich, das Gebäck auch zu produzieren, verfeinerte aber die Schmätzchen mit Honig, Mandeln und verschiedenen Gewürzen. Die Neukreation war ein voller Erfolg und schon bald vergrößerte sich der Kundenstamm der Bäckerei. Wilhelm Feyler gelang sogar der Aufstieg zum Hoflieferanten. 1897 verlieh ihm Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha den Titel eines Hofbäckermeisters. Mit diesem wirtschaftlichen Erfolg gab sich der ehrgeizige Handwerker aber nicht zufrieden. Er wollte seine Waren in die anderen deutschen Staaten und ins Ausland exportieren. Um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, ging Feyler neue Wege. Er nahm an den Weltausstellungen von 1897 und 1900 in Brüssel und Paris teil, wo seine Goldschmätzchen und die Meister-Lebkuchen mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurden. Dadurch kam ein reger Versandhandel zustande, der sich schnell über das Gebiet des Deutschen Reiches erstreckte und sich über die Niederlande, die Schweiz, Schweden und die USA ausdehnte. Auch das Luftschiff „Graf Zeppelin“ führte 1929 die Schmätzchen auf ihrer Weltfahrt mit. Feyler fürchtete sich jedoch, dass seine Konkurrenten sein Gebäck nachahmen könnten. Er versah deshalb seine Waren auch mit einer Schutzmarke. Zudem ließ er seine Produkte im Jahr 1902 vom Reichspatentamt in Berlin urheberrechtlich schützen. Damit war die Bezeichnung „Coburger Schmätzchen“ fortan allein der Firma Feyler vorbehalten.
Der Bäckermeister besaß aber auch eine soziale Ader und war als Präsident der Coburger Handwerkskammer und als Stadtrat (1909-45) aktiv. 1941 gründete er eine Stiftung, deren Zweck es ist, das Sozial- und Gesundheitswesen in Coburg und seinem Geburtsort Sonnefeld finanziell zu unterstützen. So stiftete Wilhelm Feyler alljährlich eine Speisung für die Insassen des Coburger Georgen-Spitals. Daneben versorgte die Stiftung Volksschulkinder mit nahrhaften Kinder-Zwieback und Schmätzchen, die heute alljährlich an Schulfesten verteilt werden. Damit sollte einer möglichen Mangelernährung vorgebeugt werden. Aufgrund dieser Wohltätigkeit erhielt Feyler 1954 als erster Coburger das Bundesverdienstkreuz. Sein Name findet sich auch auf der Tafel der Wohltäter der Stadt Coburg im Rathaus. Wilhelm Feyler selbst starb im Jahr 1960 im Alter von 91 Jahren. Die Hofbäckerei Feyler wird heute in der vierte Generation fortgeführt.