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Stadt Coburg

Walter Langer (1892–1977)

Oberbürgermeister von Coburg

Walter Langer 1892 in Crimmitschau geboren und wuchs in Leipzig auf. Nach dem Abitur an der Thomasschule begann er ein Jurastudium, das er nach Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg 1922 mit der Promotion abschloss. Ab 1926 arbeitete er als Rechtsanwalt und später als Notar in Zittau. Politisch war er in der Weimarer Zeit Mitglied des deutschnationalen „Stahlhelm“, während der NS-Zeit jedoch parteilos. 1943 wurde er als Major der Reserve in die Wehrmacht einberufen.

Nach Kriegsende floh er nach Coburg, wo er wieder als Anwalt tätig war. In den Entnazifizierungsverfahren trat er als Verteidiger ehemaliger Nationalsozialisten auf, was ihm selbst den Verdacht der Belastung einbrachte. Ein Verfahren gegen ihn wurde jedoch eingestellt. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der FDP in Coburg, die sich stark nationalliberal und antikommunistisch profilierte.

1948 wurde Langer zum Oberbürgermeister gewählt. In seiner Amtszeit bis 1970 standen zwei Themen im Vordergrund: die Linderung der massiven Wohnungsnot durch den Zuzug von Flüchtlingen sowie die Förderung der lokalen Wirtschaft. Unter seiner Leitung entstand eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, die zahlreiche Siedlungen errichtete. So konnte Coburg 1950 sein letztes Flüchtlingslager schließen. Wirtschaftlich versuchte Langer, neue Betriebe anzusiedeln, stieß aber durch Coburgs Randlage an deutliche Grenzen.

Zu den städtebaulichen Projekten seiner Amtszeit gehörte das 1962 eröffnete Kongresshaus, das als Symbol moderner Stadtentwicklung galt, aber auch Kritik hervorrief. Zudem entstanden zehn neue Schulen, ein Polytechnikum (1967) sowie ein städtisches Alten- und Pflegeheim.

Politisch verband Langer liberal-nationale Positionen mit starkem Lokalpatriotismus. Damit gewann er anfangs breite Unterstützung, auch von früheren Nationalsozialisten. Langfristig verlor die FDP jedoch an Einfluss. Ab den 1950er-Jahren gewannen SPD und CSU die Oberhand. Erinnerungspolitisch blieb seine Amtsführung zurückhaltend: Beim 900-jährigen Stadtjubiläum 1956 und auch sonst wurde die nationalsozialistische Ära Coburgs ausgeblendet.

1970 trat Langer in den Ruhestand. Für seine Verdienste erhielt er die Ehrenbürgerwürde, später wurde eine Straße nach ihm benannt. Er starb 1977 im Alter von 85 Jahren in Coburg.

Walter Langer prägte Coburgs Entwicklung in der Nachkriegszeit maßgeblich. Durch Wohnungsbau und Infrastruktur, zugleich aber auch durch eine ambivalente politische Haltung, die zwischen demokratischem Wiederaufbau, konservativem Nationalbewusstsein und erinnerungspolitischer Verdrängung stand.

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