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Stadt Coburg

Die Rittergutsfamilie Ulmann in Coburg-Neudörfles

Ein Biografisches Porträt

Die Geschichte von Coburg-Neudörfles ist seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eng mit der Familie Ulmann verbunden. Den entscheidenden Impuls setzte um 1850 der aus Weimar stammende Bruno Ulmann: Er erwarb den alten Gutsbetrieb Neudörfles, konsolidierte ihn und vergrößerte das Areal bis 1865 durch Zukauf des benachbarten Ritterguts Dörfles auf rund 135 Hektar. Damit wurde die Familie zur prägenden Gutsbesitzer-Dynastie am nordöstlichen Stadtrand Coburgs.  


Mit der Besitzübernahme verband Ulmann eine deutliche Aufwertung des Erscheinungsbildes und der Repräsentationskultur des Gutes. 1865 ließ er einen weitläufigen englischen Landschaftsgarten anlegen, der bis heute als „Ulmannpark“ bekannt ist und – in verkleinertem Zuschnitt – weiterhin zu den größten Privatparks Coburgs zählt. Zeitgleich beauftragte er den Coburger Baurat Georg Rothbart mit einem neuen, villenartigen Herrenhaus, dessen klassizistische Formensprache den Anspruch der Familie als moderne, bildungs- und repräsentationsbewusste Landwirte sichtbar machte. Selbst die Toranlagen des Wirtschaftshofes wurden Teil dieser Markensetzung: Der gusseiserne Zaun mit zwei geschwungenen Torflügeln trägt bis heute eine kunstvolle Initiale „U“. In dieser Zeit dürfte auch das repräsentative Familiengrab auf dem Coburger Hauptfriedhof entstanden sein. 


Wirtschaftlich war das Gut Neudörfles ein klassischer, aber fortschrittlich geführter landwirtschaftlicher Großbetrieb seiner Zeit. Schon frühe Akten aus den 1850er-Jahren belegen Ablösungen von Zehent- und Erbzinsrechten, an denen Bruno Ulmann beteiligt war. Dies sind Indizien für die Modernisierung traditioneller Abgabenverhältnisse, wie sie vielerorts in der Mitte des 19. Jahrhunderts stattfand. Solche Rechtsgeschäfte halfen, die Grundlage für ein unternehmerisch geführtes Gut zu schaffen, das Arbeitsplätze bot und in der Region wirtschaftliche Verflechtungen entfaltete. 


Nach Bruno Ulmanns Tod 1892 übernahm dessen Sohn Erich (+1936) den landwirtschaftlichen Betrieb. In den folgenden Jahrzehnten war das Unternehmen zahlreichen wirtschaftlichen und technischen Umbrüchen unterworfen. Bedeutend für das Rittergut war aber vor allem die Urbanisierung und die damit verbundene Stadtentwicklung Coburgs. Schon 1937/38 musste die Familie Ulmann Teile ihres Grundbesitzes für den Bau der Hindenburg- und Passchendaele-Kaserne veräußern. Dieser Eingriff verkleinerte die ökonomische Basis des Gutes nachhaltig und veränderte die Raumstruktur im Umfeld von Neudörfles nachhaltig. Nach 1945 wandelten sich die Anforderungen an die Landwirtschaft erneut. der Coburger Raum erlebte durch Flüchtlingsaufnahme und Industrialisierung einen starken Strukturwandel. Diese Entwicklungen spiegelten sich auch in Neudörfles. Nach der Gebietsreform und der Eingemeindung nach Coburg (1976) erwarb die Stadt größere landwirtschaftliche Flächen aus dem Ulmann-Besitz zur Gewerbeansiedlung. Der historische Kern mit Rittergut und Park blieb hingegen im Familienbesitz. 
Die Geschichte der Familie Ulmann ist auch eine Geschichte des Ausgleichs zwischen Tradition und Anpassung. Sie umfasst die Eingliederung eines spätmittelalterlichen Lehengutes in die moderne Agrarökonomie, den Aufbau eines markanten Familiensitzes, bürgerliche Repräsentationsformen, lokale Gemeinwesenarbeit und das Management äußerer Eingriffe, vom Kasernenbau bis zur kommunalen Flächenpolitik der 1970er-Jahre. Dass die Familie den historischen Kern des Gutes bewahren konnte, stiftet Identität über Generationen und macht den Namen Ulmann in Neudörfles bis heute präsent. 

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