Christian Friedrich von Stockmar wurde am 22. August 1787 auf dem Rittergut Obersiemau bei Coburg geboren. Der Sohn eines Justizamtmanns besuchte das Gymnasium Casimirianum und studierte ab 1805 Medizin in Erlangen und Würzburg, wo er auch Mitglied der Corps Onoldia und Franconia wurde und Freundschaft mit dem Dichter Friedrich Rückert schloss. Nach dem Examen ließ er sich in Coburg als Arzt nieder, wurde 1812 Stadtphysikus und diente später als Militärarzt in den napoleonischen Befreiungskriegen.
1816 begann eine neue Laufbahn: Stockmar wurde Leibarzt des Prinzen Leopold von Coburg, der mit der britischen Thronfolgerin Charlotte verheiratet war. Nach deren frühem Tod blieb Stockmar in Leopolds Dienst und stieg zum Hofmarschall und engsten politischen Berater auf. Seine diplomatischen Talente führten ihn zu zahlreichen europäischen Königshöfen, insbesondere nach England und Belgien, wo er großen Einfluss gewann.
Als Diplomat spielte er eine entscheidende Rolle bei der Gründung Belgiens (1830) und der Thronbesteigung Leopolds I. als belgischer König. Später wirkte er im Hintergrund als Berater von Queen Victoria und Prinz Albert, deren Ehe er vermittelt hatte. Auch bei der Heirat von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen mit Victoria, der Tochter des englischen Königspaares, war Stockmar beteiligt – Ausdruck seiner lebenslangen Vision einer freundschaftlichen Verbindung zwischen England und Deutschland.
Trotz zahlreicher politischer Angebote zog sich Stockmar mehrfach aus der Öffentlichkeit zurück, war aber während der Revolutionsjahre 1848–1850 als Gesandter der Herzogtümer Coburg und Gotha aktiv. Er trat für eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung ein und beteiligte sich am Erfurter Unionsparlament, obwohl er an dessen Erfolg zweifelte. Mit klarem Blick kommentierte er:
„Die Deutschen sind ein gutes Volk […] Ihr Jüngeren […] werdet es erleben, ich aber nicht. Dann denkt des Alten!“
Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte Stockmar meist in Coburg, wo er sich wohltätigen und geistigen Themen widmete. Er pflegte intensive Briefwechsel mit den Königshäusern in London und Brüssel, blieb politisch interessiert und wurde von Queen Victoria sowie dem preußischen Kronprinzenpaar regelmäßig besucht.
Christian von Stockmar starb am 9. Juli 1863 im Alter von 75 Jahren in Coburg. Er wurde in einer Gruftkapelle auf dem Friedhof am Glockenberg beigesetzt. Die Nachwelt erinnert sich an ihn als einen klugen, diskreten und vorausschauenden Diplomaten, der zwischen Monarchien vermittelte und die europäische Politik des 19. Jahrhunderts im Stillen mitprägte – weit über seine fränkische Heimat hinaus.