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Stadt Coburg

Die Familie Senkeisen

Kleinmöbel und Etuis für Europa

Die Familie Senkeisen prägte über mehrere Generationen die Coburger Industriegeschichte mit einer Holzwarenfabrik an der Kreuzwehrstraße. Ihren Ursprung nahm das Unternehmen 1864; als viele Städte von der Industrialisierung erfasst wurden. Neue Industriequartiere entstanden an der Peripherie der Altstadt, Maschinenkraft hielt Einzug in bislang handwerklich geprägte Gewerbe, und die wachsenden Eisenbahnverbindungen erleichterten sowohl die Beschaffung von Holz aus den umliegenden Mittelgebirgen als auch den Versand fertiger Waren in den süddeutschen und mitteldeutschen Markt. In diesem Klima übernahm 1886 Carl Senkeisen die Fabrik und baute sie innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer festen Größe im lokalen Wirtschaftsgefüge aus. Für seine Verdienste um die heimische Wirtschaft erhielt er den Titel eines Kommerzienrates

Nach dessen Tod 1930 übernahmen die Söhne Paul und Hermann Senkeisen das Unternehmen. Unter ihrer Führung spezialisierte sich der Betrieb auf Haushalts- und Kleinmöbel aus Holz. Das Sortiment reichte von Schränkchen und Kästen bis zu praktischen Gebrauchsartikeln. Die Entwicklung spiegelt die überregionale Nachfrage jener Jahre: In Haushalten, Verwaltungen und im Kleingewerbe stieg der Bedarf an standardisierten, funktionalen Holzartikeln, während zugleich die Nähe Coburgs zu den Spielwaren- und Holzgewerbeclustern in Oberfranken und im benachbarten Sonneberger Land Absatzchancen eröffnete. Die Krisenerfahrungen der 1920er und frühen 1930er Jahre forcierten in vielen Betrieben eine noch rationellere Fertigung und eine breitere Kundenbasis. Davon profitierte auch eine mittelständische Fabrik, die sich durch zuverlässige Qualität und flexible Serien auszeichnete.

Bei Kriegsende 1945 wurde die Fabrik zerstört. Allerdings setzte die Mangelwirtschaft der unmittelbaren Nachkriegszeit starke Impulse für einfache, robuste Holzwaren, wie sie auch Senkeisen nach dem Wiederaufbau herstellte. In der Aufbauphase des westdeutschen Wirtschaftswunders verband die Firma die tradierten Fertigkeiten des Handwerks mit den Vorteilen serienmäßiger Produktion. Werbeschriften und Preislisten jener Jahre zeigen typische Nachkriegsartikel wie Wand- und Hausapothekenschränke.

Ab den späten 1950er Jahren verschoben sich die Rahmenbedingungen erneut: Der Siegeszug von Kunststoffen, die Internationalisierung der Lieferketten und der zunehmende Preiswettbewerb setzten das traditionelle Holzwarengewerbe unter Druck. Zugleich wuchs der Designanspruch. und der Lebensmitteleinzelhandel sowie Versandhäuser prägten, als neue Absatzkanäle die Standards. Mittelständische Anbieter konnten sich nur behaupten, wenn sie Nischen besetzten, qualitativ aufwerteten oder in spezialisierten Serien dachten. Diesen Weg gingen auch viele fränkische Holzbetriebe, wohl auch Senkeisen. Mit der dritten Generation, Heinz Senkeisen, endete jedoch in den 1980er Jahren die Geschichte des Unternehmens.

So lässt sich die Geschichte der Familie Senkeisen als ein Spiegel größerer Linien lesen: Industrialisierung und Eisenbahnanschluss, Krisen und Aufschwung, Materialinnovationen und veränderte Konsummuster. Zwischen regionaler Verwurzelung und überregionaler Vernetzung behauptete die Coburger Holzwarenfabrik als Teil eines fränkisch-thüringischen Holz- und Spielwarenökosystems und als Beispiel dafür, wie Familienunternehmen den Wandel deutscher Alltags- und Wirtschaftskultur mitgestaltet haben, über Jahrzehnte ihren Platz.

 

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