Inhalt anspringen

Stadt Coburg

Die Familie Scheidmantel

Eine innovative Brauerfamilie

Die Familie Scheidmantel hatte ihre Wurzeln im kleinen Ort Dietersdorf bei Seßlach. Im Jahr 1849 zog es den Metzger und Gastwirt Johann Heinrich Scheidmantel in den heutigen Coburger Stadtteil Cortendorf. Anlass war seine Heirat mit der Tochter des ortsansässigen Brauereibesitzers Johann Höhn. Mit dieser Ehe übernahm Scheidmantel nicht nur die Brauerei, sondern auch dazugehörige Dorfwirtshaus.

In den Folgejahren modernisierte und erweiterte Johann Heinrich den Betrieb stetig. Die Mitte des 19. Jahrhunderts war in Deutschland von wachsender städtischer Bevölkerung, neuen Verkehrswegen wie Eisenbahnlinien und steigender Nachfrage nach Bier geprägt. Dies war eine Entwicklung, die den Absatz beflügelte. Bis 1869 war der Absatz des Scheidmantel-Bieres so groß, dass eine geräumige Wagenhalle für mehrere Pferdefuhrwerke errichtet werden musste, um die Belieferung der Kundschaft sicherzustellen.

1880, ein Jahr vor seinem Tod, übergab Johann Heinrich die Brauerei an seinen Sohn Stephan Scheidmantel. Sein Reliefbildnis ziert noch heute das zentrale Feld des Familiengrabes.

Unter Stephan Scheidmantels Leitung erlebte die Brauerei ihre größte Blüte. Die Jahre um 1900 waren in Deutschland von Hochindustrialisierung, wachsendem Binnenmarkt und beginnendem Massenkonsum geprägt. Viele Brauereien stellten in dieser Zeit von handwerklicher auf industriell geprägte Fertigung um – so auch Scheidmantel.

Zwischen 1884 und 1921 entstand in Cortendorf der heute noch erhaltene Gebäudekomplex der Braustätte. Stephan Scheidmantel pflegte, laut mündlicher Überlieferung, engen Kontakt zu seiner Kundschaft und war bei regionalen Festen wie dem Coburger Vogelschießen oder Kirchweihen im Landkreis ein gern gesehener Gast – nicht zuletzt als Lieferant seines beliebten Bieres.

Nach Stephans Tod im Jahr 1914 führte seine Witwe Anna Scheidmantel den Betrieb weiter. Nach Ende des Ersten Weltkriegs und der Rückkehr aus dem Militärdienst trat 1918 der Sohn Hermann Scheidmantel in die Brauerei ein.

Die Brauerei blieb auch in den folgenden Jahrzehnten in Familienbesitz. Erst 1998 ging man eine Kooperation mit der Kulmbacher Brauerei ein. Im Jahr darauf, 1999, wurde die eigene Bierproduktion in Cortendorf eingestellt. Seitdem wird Scheidmantel-Bier in Kulmbach gebraut – ein Stück Coburger Braugeschichte lebt dort bis heute fort.

Standort