Louis Anton Horst wurde 1865 in Tuttlingen geboren. Seine Eltern wanderten nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs in die USA aus und ließen sich in New York nieder. Dort arbeitete Louis schon als Jugendlicher im Handel. Zusammen mit seinen Brüdern wechselte er in den Hopfenhandel, der ihn zunächst an die US-Westküste führte und ihn früh mit den Bedingungen eines global vernetzten Agrarrohstoffgeschäfts vertraut machte. Spätestens Ende der 1890er Jahre etablierte er sich in London als Händler und Pionier der Hopfenextraktion Dies war eine technologische Neuerung, bei der aus Hopfen mittels Lösungsmitteln Aromastoffe gewonnen werden, um Brauprozesse zu standardisieren.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlegte Horst einen Teil seines Lebensmittelpunkts nach Coburg, Für seine wirtschaftlichen Erfolge und sein Mäzenatentum wurde er 1899 von Herzog Alfred in den Freiherrenstand erhoben. Im selben Umfeld steht seine Ehe mit der US-Amerikanerin Carita Helena Partello, die in Coburg eine Opernschule betrieb.
Horsts geschäftliche Reichweite blieb bemerkenswert: Während sein Familiennetz in den USA große Hopfenfarmen betrieb, betreute er die europäischen Aktivitäten mit Drehscheiben in London und Coburg. Zeitgenössische Presseberichte schildern ihn – und die „Horst Brothers“ – als „hop kings“ mit engen Kontakten u. a. zur US-amerikanischen Brauerei Anheuser-Busch.
In Coburg trat Horst zugleich als moderner Infrastrukturlobbyist auf. 1907 bewarb er sich um Konzessionen für eine Straßenbahnlinie in der Vestestadt, Eine Straßenbahnkonzession wurde kurzzeitig erteilt. Das Projekt scheiterte jedoch an Vertragsbedingungen. Dieser Vorstoß zeigt seinen Sinn für verkehrspolitische Innovationen.
Die Zäsur kam mit dem Ersten Weltkrieg. In London wurde Horst 1914 unter Spionageverdacht festgenommen und interniert. Britische Behörden führten u. a. seine Kontakte in irische Kreise als Hintergrund an. Die Vorwürfe schwankten zwischen politischem Aktionismus und administrativer Vorsicht, in der Rückschau gelten sie als zumindest umstritten. Nach längerer Internierung wurde er 1919 als „unerwünschter Ausländer“ ausgewiesen. Diese Jahre ruinierten seine anglo-amerikanischen Geschäfte und markierten einen tiefen biografischen Bruch.
Zurück in Deutschland nahm Horst den Hopfenextraktions- und -veredelungssektor erneut in Angriff: Er baute eine Anlage in Oranienburg auf, verlegte 1924 seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin und meldete mehrere Patente (u. a. zur Hopfenentlaugung) an. Diese Phase kulminiert in der Doppelrolle als Unternehmer in der Zwischenkriegszeit und als politischer Akteur wider Willen in der Diktatur: 1933 trat Horst der NSDAP bei; im Entnazifizierungsverfahren wurde er später als „Mitläufer“ eingestuft.
1940 kehrte Horst mit Familie nach Coburg zurück. Er starb 1947 in der Universitätsklinik Erlangen und wurde auf dem Friedhof am Glockenberg in Coburg beigesetzt. Seine zweite, deutlich jüngere Ehefrau Irmgard Freifrau von Horst führte das Unternehmen fort und machte es in der frühen Bundesrepublik zu einem der größten Produzenten von Hopfenprodukten;
Louis von Horst steht exemplarisch für eine Unternehmerbiografie zwischen Transatlantik, Hofnähe und Hochmoderne: Er verband Rohstoffhandel mit Prozesstechnologie und sozio-kulturelle Ambitionen mit politischer Instrumentalisierbarkeit.