Leopold Oberländer prägte als liberal gesinnter Verwaltungsfachmann und Bürgermeister die Coburger Stadtentwicklung in der Ära tiefgreifender Umbrüche zwischen Vormärz, Revolution von 1848/49 und der Hochphase der Industrialisierung. Geboren im damals zum Herzogtum Hildburghausen gehörenden Königsberg, kam er früh nach Coburg, besuchte das Gymnasium und trat 1838 als Gerichtsschreiber in den städtischen Dienst. Später stieg er zum Stadtrichter auf. 1847 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung einstimmig zum Bürgermeister. Seine Amtszeit dauerte bis 1865.
Oberländers Amtsführung stand erkennbar im Zeichen der bürgerlich-liberalen Reformimpulse der 1840er und 1850er Jahre. Ohne selbst ein Revolutionär zu sein, handelte er „im Geist der 48er“: Er löste die Stadtverwaltung aus verschiedenen obrigkeitlichen Bevormundungen, stärkte die kommunale Selbststeuerung und gab der Stadt eine moderne Stadtordnung. Zugleich förderte er die damals für das städtische Gemeinwesen so wichtigen gemeinnützigen Vereine und pflegte eine offene, bürgernahe Amtsführung. Für diese Leistungen ehrte ihn Herzog Ernst II. mit dem Titel „Geheimer Regierungsrat“.
Die 1850er/60er Jahre waren europaweit von Eisenbahnbau, wachsender Mobilität und verdichteten Wirtschaftsbeziehungen geprägt. Dynamiken, die Oberländer strategisch für Coburg nutzte. Als Landtagspräsident und Verwaltungsratsmitglied der Werrabahngesellschaft trieb er die verkehrliche Anbindung voran. 1858/59 wurde Coburg über die Werrabahn an das entstehende deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Damit einher gingen städtebauliche Veränderungen. Aus dem „Zuweg zum Bahnhof“ entwickelte sich die repräsentative Bahnhofstraße, welche Coburgs Stadtkörper neu orientierte und Handel wie Gewerbe anzog.
Auch in Bildungs- und Sozialpolitik setzte Oberländer Zeichen, die den Reformgeist der Zeit spiegelten. 1860 entstand am Albertsplatz eine moderne Mädchenschule. Solche Initiativen entsprachen dem breiteren Trend zur Ausweitung schulischer Angebote und zur stärkeren Einbindung auch weiblicher Bildung in das städtische Selbstverständnis.
Sein Blick für kommunale Daseinsvorsorge zeigte sich ebenso in der Friedhofsfrage, die vielerorts mit Hygiene-, Seuchen- und Platzproblemen der schnell wachsenden Städte verknüpft war. Nach gescheiterten Alternativstandorten setzte Oberländer die Anlage des Friedhofs auf dem Glockenberg durch und übersetzte damit ein drängendes Gesundheits- und Ordnungsanliegen in dauerhafte Infrastruktur.
Bei all dem blieb Oberländer auch Symbol eines selbstbewussten, leistungsorientierten Stadtbeamtentums. 1865 zwang ihn eine schwere Krankheit, um Pensionierung zu ersuchen. Er starb 1868 im Alter von 57 Jahren. Sein gut erhaltener Grabstein mit der Inschrift „Ein Feind des Unrechts, ein Kämpfer für Wahrheit und Recht, des Hauses Ehre und Freude, in Segen wirkend für Stadt und Vaterland“ hält die Erinnerung an einen Bürgermeister wach, der Rechtsstaatlichkeit, Gemeinsinn und Modernisierung sichtbar verband.