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Stadt Coburg

Irmgard von Horst (1910–1982)

Eine erfolgreiche Unternehmen in Zeiten des „Wirtschaftswunders“

Irmgard Freifrau von Horst, geboren am 16. Mai 1910 in Brandenburg, war eine der prägenden Unternehmerinnen der deutschen Hopfen- und Brauwirtschaft des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich zur Schauspielerin ausgebildet, führte ihr Lebensweg sie nach dem Tod ihres Mannes Louis von Horst in eine ganz andere Welt, nämlich in die Industrie, den Wiederaufbau und in das internationale Exportgeschäft. Mit Mut, unternehmerischem Geschick und außergewöhnlicher Entschlossenheit übernahm sie die Aufgabe, das Lebenswerk ihres Mannes fortzuführen und unter schwierigsten Bedingungen neu aufzubauen.

Die Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg war denkbar schwierig. Das Unternehmen befand sich in der sowjetisch besetzten Zone und damit außerhalb ihres unmittelbaren Zugriffs. Dennoch entschloss sich Irmgard von Horst zu einem Neuanfang in Coburg. Um die nötigen Mittel für den Wiederaufbau zu beschaffen, setzte sie ihr persönliches Vermögen als Sicherheit ein, um einen Bankkredit zu erhalten. Mit 100.000 Mark ließ sie schließlich in der Adamistraße 9 eine neue Extraktionsanlage errichten. Diese wurde 1949 fertiggestellt und war die erste Hopfenextraktionsanlage Westdeutschlands. Die Anlage war mit modernsten Maschinen und Apparaten ausgestattet, die den Anforderungen der Zeit in jeder Hinsicht gerecht wurde. Das in den Jahren 1949/50 errichtete Werk entstand nach den neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Brautechnik und Brauwissenschaft. An seiner Planung und Ausgestaltung wirkten namhafte deutsche Brauwissenschaftler und Brautechniker mit.

Mit der Wiederaufnahme der Produktion begann auch rasch wieder der Export.. Damit gelang es Irmgard von Horst nicht nur, an frühere internationale Geschäftsbeziehungen anzuknüpfen, sondern das Unternehmen auch auf den Weltmarkt zurückzuführen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sie die Firma zu einem der weltweit größten Produzenten von Hopfenprodukten. Das Wachstum des Unternehmens machte in den 1960er Jahren eine Erweiterung notwendig. Die Firma zog deshalb in größere Gebäude in der Bamberger Straße 42 um. Auch international wurde die Expansion weiter vorangetrieben. In den USA betrieb das Unternehmen über eine Tochterfirma im amerikanischen Hopfenanbaugebiet des Bundesstaates Washington eine eigene Extraktionsanlage. Damit war die Firma nicht nur in Europa, sondern auch unmittelbar in einer der wichtigsten Hopfenregionen der Welt präsent.

Irmgard von Horst verkörpert damit beispielhaft den Wiederaufbauwillen und die unternehmerische Tatkraft der Nachkriegszeit. Sie schaffte es, unter widrigsten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen ein verloren geglaubtes Unternehmen neu zu errichten und zu internationalem Erfolg zu führen. Ihr Lebenswerk ist eng mit der technischen Modernisierung der Hopfenverarbeitung und mit der Geschichte der deutschen Brauwirtschaft verbunden. Bis zu ihrem Tod am 4. Mai 1982 in Coburg blieb sie eine Persönlichkeit, deren Name für Mut, Weitblick und unternehmerische Standfestigkeit steht.

 

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