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Stadt Coburg

Hermann Ros (1899-1950)

Pionier der Kunststoffverarbeitung in Bayern und Wegbereiter einer neuen Industrie

Hermann Ros zählt zu den frühen Unternehmerpersönlichkeiten, die den Aufstieg der kunststoffverarbeitenden Industrie in Deutschland maßgeblich mitgestalteten. Seine Lebensleistung fällt in eine Epoche tiefgreifender technologischer Umbrüche: Um 1900 begannen Chemiker, Kunststoffe systematisch zu entwickeln. 1907 gelang dem Belgier Leo Baekeland mit „Bakelit“ der erste vollsynthetische Kunststoff, der sich als hervorragender elektrischer Isolator erwies und bald in der jungen Elektroindustrie breite Anwendung fand. In den 1920er Jahren schuf der Chemiker Hermann Staudinger die theoretische Grundlage der Polymerchemie – ein Durchbruch, der die Herstellung neuer Materialien wie Plexiglas, Polyethylen oder Polystyrol erst ermöglichte.

Vor diesem Hintergrund gründete Hermann Ros im Jahr 1926 in Coburg das erste Kunstharz-Presswerk Bayerns. Damit gehörte er zu den Pionieren der industriellen Kunststoffverarbeitung in Deutschland. Basis seiner Produktion war vor allem Bakelit, das er zu Press- und Spritzteilen für thermoplastische Massen verarbeitete. Ros belieferte die unterschiedlichsten Branchen – von der Konsumgüterindustrie bis zur Elektrotechnik. Seine Produkte umfassten unter anderem Pfeifen- und Zigarettenspitzen, Knöpfe, Telefonzubehör sowie Verschlüsse für Flaschen.

Die Gründung des Unternehmens fiel in eine Zeit wirtschaftlicher und politischer Instabilität der Weimarer Republik. Inflation, Rezession und schließlich die Weltwirtschaftskrise ab 1929 setzten vielen Betrieben zu. Dennoch konnte sich Ros’ Firma behaupten – nicht zuletzt, weil die Kunststofftechnik als innovativer und wachsender Sektor galt. In den 1930er Jahren profitierte auch sein Werk vom allgemeinen Ausbau der Elektroindustrie, die Kunststoffe als Isolationsmaterial in großem Stil einsetzte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in der Kunststoff- und Elektroindustrie eine Phase rasanten Wachstums. Der wachsende Bedarf an Konsumgütern, Verpackungen und Isolationsmaterialien ließ die Produktion stark ansteigen. Ros’ Werk war in dieser Nachkriegszeit ein wichtiger Teil dieser Dynamik und lieferte weiterhin technische Teile für Industrie und Handwerk.

Hermann Ros galt in Fachkreisen als ausgewiesene Kapazität seiner Branche. Er verband unternehmerisches Geschick mit technischem Wissen und trug so dazu bei, dass die Kunststoffverarbeitung in Franken früh Anschluss an internationale Entwicklungen fand.

Im Jahr 1950 wurde sein Lebenswerk jäh beendet: Durch einen Unglücksfall kam Hermann Ros plötzlich ums Leben. Damit verlor die Coburger Industrie einen ihrer Pioniere. Das von ihm gegründete Unternehmen besteht jedoch bis heute und ist weiterhin auf komplexe Produkte aus Duro- und Thermoplast spezialisiert – ein lebendiges Erbe seines visionären Unternehmergeists.

 

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