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Stadt Coburg

Heinrich Scheler (1843–1900)

Hofbildhauer in Coburg

Der Coburger Bildhauer Heinrich Scheler wurde 1843 in Coburg geboren. Er gehört zu den prägenden Kunsthandwerkern des späten 19. Jahrhunderts in der Residenzstadt. Als Hofbildhauer arbeitete er für Stadt und Hof gleichermaßen und hinterließ eine Reihe bis heute sichtbarer Werke im öffentlichen Raum. Die Grundlage für sein künstlerisches Schaffen bildete seine professionelle Ausbildung auf der Akademie der Bildenden Künste in München. 

Zu seinen frühesten nachweisbaren Arbeiten zählt die Rückert-Plakette in der Rückertstraße 2, die 1869 angebracht wurde und an den Dichter Friedrich Rückert erinnert. Ein Höhepunkt seines Œuvres ist das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 auf dem Ernstplatz, das 1874 nach einem Entwurf des Coburger Stadtbaumeisters Julius Martinet im neugotischen Stil ausgeführt und von Scheler in Stein realisiert wurde. Von bleibender Präsenz ist auch die Wettersäule auf dem Coburger Schlossplatz (1882), ein neugotisch gestalteter Pfeiler mit vierseitiger Verdachung, der Uhr, Thermometer und Barometer vereinte.  

Scheler wirkte nicht nur im öffentlichen Raum, sondern formte auch seine eigene Werk- und Lebensumgebung: Im Jahr 1881 ließ er an der Ecke Löwenstraße/Mühlgasse ein klassizisierendes Wohn- und Geschäftshaus mit Atelier errichten. Das Gebäude war ein selbstbewusstes Statement, eines Künstlers, der sich in der Vestestadt etablieren konnte. Dort kam auch sein Sohn Eduard August Scheler 1883 zu Welt, der die künstlerische Tradition seines Vaters fortsetzte und in Köln zu einem erfolgreichen Architekten avancierte.

Als Hofbildhauer arbeitete Scheler häufig in Kooperation mit Coburger Architekten und Baumeistern seiner Zeit, insbesondere mit Julius Martinet, dessen historistische Formensprache seine Ausstattungen und Denkmäler prägte. Seine Arbeiten bewegen sich stilistisch zwischen Neugotik und Neorenaissance, wie sie in den 1860er bis 1880er Jahren in Coburg gepflegt wurden. Diese Bandbreite macht ihn zu einem typischen Vertreter des kunsthandwerklich fundierten Historismus in einer mitteldeutschen Residenzstadt.  

Heinrich Scheler starb im Jahr 1900 in Coburg und wurde auf dem Friedhof am Glockenberg beigesetzt. Dort erinnert ein historistisches Grabdenkmal an sein Leben. Seine Werke – allen voran die Rückert-Plakette, das Kriegerdenkmal von 1874 und die Wettersäule von 1882 – sind bis heute Teil des Stadtbildes und verankern seinen Namen im kulturellen Gedächtnis der Stadt. In der Summe zeigen sie einen präzise arbeitenden Bildhauer, der das Repräsentationsbedürfnis einer kleinen Residenz in langlebige Stein- und Metallformen übersetzte – handwerklich solide, städtisch präsent und historisch sprechen

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