Hans Rothbart wurde 1846 auf der Veste Coburg geboren. Er entstammte einer kunst- und bauaffinen Familie: Sein Vater Georg Konrad Rothbart war Architekt, Leiter der herzoglichen Sammlungen und prägte die Coburger Baukultur seit den 1830er-Jahren maßgeblich. Diese Herkunft ebnete dem Sohn früh den Weg in Architektur, Bauverwaltung und Hofdienst.
Nach der Schulzeit an der Oberrealschule Ernestinum (bis 1862) studierte Rothbart an der Coburger Baugewerkschule, deren Direktor sein Vater war. Kaum zwanzig, arbeitete er bereits in herzoglichen Diensten. Mit 25 Jahren leitete er das herzogliche Privatbüro und stand dem Kabinett vor – ein Hinweis auf das Vertrauen, das der Hof in seine organisatorischen und technischen Fähigkeiten setzte. Neben seinen Hofaufgaben blieb er als Architekt auch für bürgerliche Auftraggeber aktiv und gewann dadurch eine ungewöhnlich breite Praxis, die Verwaltung und Entwurf verband.
Ein Karrierehöhepunkt war die Ernennung zum Schlosshauptmann von Coburg und Gotha im Jahr 1895. In dieser Funktion verantwortete Rothbart die Verwaltung der herzoglichen Gebäude, Gärten und Anlagen sowie die Aufsicht über die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Veste Coburg. Seine Position verknüpfte die technische und ästhetische Pflege des herzoglichen Bauvermögens mit der repräsentativen Aufgabe, die Residenzen funktional und zeitgemäß zu halten.
Als Architekt hinterließ Rothbart ein umfangreiches Werk, das bis heute das Stadtbild prägt. Zu seinen in Coburg belegten Bauten zählen u. a. Wohn- und Geschäftshäuser, so die ehemalige Bonbonfabrik Weiß am Albertsplatz (1874-80) oder der repräsentative Ausbau der Karosseriefabrik Trutz am Sonntagsanger. Viele dieser Häuser sind als Denkmäler verzeichnet und dokumentieren Rothbarts souveränen Umgang mit den damals vorherrschenden Stilsprachen von Neorenaissance und Neugotik.
Auch an repräsentativen Hofbauten wirkte er mit. Für das Palais Edinburgh – heute Sitz der IHK – werden Umbauten und Erweiterungen im Zuge des Regierungsantritts von Herzog Alfred genannt. Rothbart steuerte hier als Hofarchitekt Planungen zur räumlichen Modernisierung bei. Diese Eingriffe stehen exemplarisch für seine Fähigkeit, bestehende Anlagen umsichtig zu erweitern, ohne deren historisches Gepräge zu verwischen.
Rothbart war kein reiner Entwurfsarchitekt. Seine Laufbahn zeigt den Typus des bautechnisch versierten Hofbeamten, der Projekte steuert, Bestände pflegt und zugleich eine private Bautätigkeit entfaltet. Gerade in einer Residenzstadt wie Coburg, in der Repräsentation, Wohnungsbau und wirtschaftliche Entwicklung eng verwoben waren, war diese Doppelrolle entscheidend. Die enge Bindung an den Hof – von frühen Verwaltungsaufgaben bis zum Schlosshauptmann – erklärt auch die inhaltliche Bandbreite seines Werks zwischen bürgerlichen Mietshäusern, Umbauten im historischen Kontext und administrative Baupflege.
Hans Rothbart starb 1904 in Coburg. In Nachrufen wurde er als pflichtbewusster Beamter und kenntnisreicher Architekt gewürdigt, der die Bautätigkeit des späten 19. Jahrhunderts in der Herzogsstadt spürbar mitgeprägt hat. Betrachtet man die dichte Reihe seiner Arbeiten, so wird sichtbar, wie sehr Rothbart das Gesicht Coburgs in der Gründerzeit und darüber hinaus formte – als Architekt mit Verwaltungskompetenz, als Schlosshauptmann im Dienst der Herzöge und als Bindeglied zwischen Hof, Stadt und Bürgertum.