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Stadt Coburg

Gustav Hirschfeld (1857–1938)

Ein Oberbürgermeister formt das moderne Coburg.

Gustav Hirschfeld, der über mehr als ein Vierteljahrhundert als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Coburg bestimmte, wurde in Kassel geboren. Über seine Familie und Jugend ist nur wenig bekannt. Er schlug früh die juristische Laufbahn ein und studierte Rechtswissenschaften. Nach dem Studium war er zunächst als Gerichtsassessor im hessischen Fritzlar tätig, bevor er den Schritt in die Kommunalverwaltung wagte. 

1887 trat Hirschfeld sein Amt als Coburger Stadtkämmerer an. Diese Funktion brachte ihn mitten in die finanziellen und organisatorischen Kernfragen der herzoglichen Residenzstadt. Seine administrativen Fähigkeiten und sein nüchterner, sachorientierter Stil verschafften ihm rasch Ansehen. Bereits 1894 wurde er zum Zweiten Bürgermeister ernannt, ehe ihn die Stadtverordneten 1897 zum Ersten Bürgermeister wählten. 1905 erhielt er den damals neu eingeführten Titel „Oberbürgermeister“ – ein Ausdruck der gewachsenen Bedeutung Coburgs. 

Hirschfelds Amtszeit fiel in eine Phase tiefgreifender Umbrüche: Vom wilhelminischen Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg bis zur Revolution 1918 und zum Anschluss des kleinen Freistaats Coburg an Bayern im Jahr 1920. In dieser politisch bewegten Zeit blieb er ein verlässlicher, eher unauffälliger Verwaltungsfachmann, der weniger durch große Gesten als durch kontinuierliche Aufbauarbeit wirkte. Von 1911 bis 1918 vertrat er als Oberbürgermeister die Stadt zudem im Coburger Landtag und konnte dort kommunale Interessen unmittelbar in die Gesetzgebung einbringen. 

Stark geprägt hat Hirschfeld das Gesicht der Stadt Coburg durch zahlreiche Infrastruktur- und Bauprojekte. 1903 berief er den Architekten Max Böhme zum Stadtbaumeister. Unter dessen Leitung wurden, das städtische Krematorium mit Urnenhalle am Glockenberg, das Ernst-Alexandrinen-Volksbad und die Heiligkreuzschule errichtet. Parallel dazu trieb der Magistrat unter Hirschfeld den Ausbau der städtischen Daseinsvorsorge voran: Ein Elektrizitätswerk entstand, die Kanalisation wurde systematisch ausgebaut, und die Stadt erwarb neue Flächen, um dem wachsenden Wohnungsbedarf zu begegnen. Damit legte er wichtige Grundlagen für die Entwicklung Coburgs zur modernen Mittelstadt des 20. Jahrhunderts. Politisch stand Hirschfeld für eine bürgerlich-liberale, von Pflichtbewusstsein und Rechtsstaatlichkeit geprägte Kommunalpolitik. 

Mit seinem Ausscheiden als Oberbürgermeister endete 1924 eine 27-jährige Amtsperiode, wie sie in der Coburger Stadtgeschichte einzigartig ist. Noch am gleichen Tag ehrte die Stadt ihn mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Nach seiner Pensionierung widmete sich Hirschfeld historischen Studien. In den späten 1920er Jahren veröffentlichte er mehrere lokalhistorische Arbeiten, darunter „Die Errichtung des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha im Jahre 1826“ und „Fürst Metternich und Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha“.

Privat war Hirschfeld mit Helena Luise, der ältesten Tochter des bekannten Coburger Theatermalers Friedrich Lütkemeyer, verheiratet, wodurch er in das kulturelle Milieu der Stadt zusätzlich eingebunden war.  Den nationalsozialistischen Machtantritt erlebte er noch, starb aber 1938, bevor dessen volle Zerstörungskraft über Europa hereinbrach. Der nach 1945 benannte Gustav-Hirschfeld-Ring erinnern bis heute daran, dass das moderne Coburg in vielerlei Hinsicht ein Werk seiner langen, ruhigen und zugleich wirkungsvollen Amtsführung ist.

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