Friedrich Colbatzky prägte als Verleger des Coburger Tageblatts die Presselandschaft der Vestestadt in einer Zeit tiefgr eifender politischer und gesellschaftlicher Veränderungen. Nachdem die Zeitung 1886 gegründet wurde, übernahm Colbatzky im Jahr 1908 die verlegerische Verantwortung. Damit führte er die junge Zeitung in die Moderne. Er erhob dabei den Anspruch, ein liberales, bürgernahes Blatt für Stadt und Land herauszubringen. So trug die Zeitung unter anderem entscheidend dazu bei, durch ihre Berichterstattung und Kommentierung im Jahr 1919 auf die Volksabstimmung für den Anschluss an Bayern und gegen Thüringen einzuwirken. Die Verkaufszahlen des CT stiegen in den folgenden Jahrzehnten, sodass die bestehenden Druckereiräume nicht mehr ausreichten. 1926 errichtete Colbatzky an der Mohrenstraße ein modernes Verlagshaus.
Die Jahre der NS-Diktatur markierten einen scharfen Bruch: Der hiesigen NSDAP war das liberale Tageblatt mit seinem Verleger ein Dorn im Auge. 1936 wurde Colbatzky enteignet, das Tageblatt im Jahr 1940 mit der Coburger Nationalzeitung zusammengelegt und 1942 als Titel gelöscht. Damit endete vorläufig die verlegerische Ära der Familie Colbatzky. In dieser Zeit starb auch Friedrich Colbatzky im Alter von 72 Jahren.
Erst nach Kriegsende gelang unter widrigen Bedingungen der Wiederaufbau. Um damals eine Zeitung herausgeben zu können, bedurfte es einer Lizenz der US-Militärregierung. Es dauerte daher bis 1949, als Friedrich Colbatzkys Witwe Paula das Coburger Tageblatt wieder drucken konnte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Phase der Lizenzzeitungen, in der das Coburger Tageblatt nicht erscheinen durfte, leitete der Sohn, Dr. Friedrich-Herbert Colbatzk y , als Herausgeber und V erleger das Familienunternehmen. Das war 1949 nach der Lizenzfreigabe. Das Coburger Tageblatt konnte sich in den 50er und 60er Jahren als eine der führenden und auflagenstarken Zeitungen in der Region behaupten. Dieser Neuanfang ist nicht nur publizistisch bedeutsam. Er belegt, dass das von Friedrich Colbatzky geprägte Familienunternehmen trotz Enteignung, Krieg und Mangelwirtschaft an seine Verantwortung glaubte.
Inhaltlich setzte das Blatt in der Nachkriegszeit auf lokale Verankerung und eine eigenständige Redaktion. Wirtschaftlich verlangte die Modernisierung der Technik erhebliche Investitionen - von neuen Rotationsmaschinen bis zu effizienteren Anzeigendiensten -, wofür die Familie wiederholt mutige unternehmerische Entscheidungen treffen musste. Diese Mischung aus publizistischem Anspruch und kaufmännischer Erneuerung knüpft an die Leitlinien an, die bereits unter Friedrich Colbatzkys Verlegerzeit erkennbar waren.
Ein weiterer Einschnitt erfolgte 1971, als die unternehmerische Eigenständigkeit der Familie im Tageszeitungsgeschäft zu Ende ging und der Titel in neuen Konzernstrukturen fortgeführt wurde. Das Coburger Tageblatt gibt es immer noch. Es fand schließlich seine Eingliederung in der Mediengruppe Oberfranken.
Insgesamt steht die Familie Colbatzky für das verlegerische Rückgrat einer regionalen Tageszeitung, die mehrmals an historischen Bruchkanten stand. Gründungsimpulse der Vorkiriegszeit, verbunden mit dem Ethos eines Familienunternehmens, das nach Enteignung und Krieg den Mut zum Neustart aufbrachte, zeugen von dem Engagement der Familie Colbatzky, den Übergang in gesicherte Verlagsstrukturen zu vollziehen.