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Stadt Coburg

Franz Klingler (1875-1933)

Sozialdemokrat, Staatsrat und Kämpfer für die Demokratie in Coburg

Franz Xaver Klingler wurde am 14. Mai 1875 in Oettingen in Bayern geboren. Als Sohn eines Gerichtsdieners verlor er früh beide Eltern und wuchs als Waise auf. Nach einer jesuitischen Gymnasialausbildung absolvierte er eine kaufmännische Lehre in München und arbeitete als Holzarbeiter und anschließend als kaufmännischer Angestellter in einer Holzwarenfabrik in Ostheim vor der Rhön. 1903 trat er der SPD bei und engagierte sich als Funktionär im Deutschen Holzarbeiterverband. Nach einem Streik 1908 wurde er entlassen und zog nach Coburg, wo er bald zu einer prägenden Persönlichkeit der sozialdemokratischen Bewegung wurde.

1912 gründete er das Coburger Volksblatt, das er bis 1933 als Chefredakteur leitete. Während des Ersten Weltkriegs war er Soldat. Nach Kriegsende engagierte er sich stark politisch: 1919 wurde er Mitglied der Landesversammlung des Freistaats Coburg, kurz darauf Staatsrat und Vorsitzender der dreiköpfigen Landesregierung. Klingler spielte eine zentrale Rolle bei den Verhandlungen über den Anschluss Coburgs an Bayern - gegen den Widerstand aus Teilen der eigenen Partei, die einen Beitritt zu Thüringen befürworteten. Mit Weitblick, Verhandlungsgeschick und Unterstützung aus München und Berlin setzte sich Klinglers Linie durch: 1919 votierte eine deutliche Mehrheit der Coburger Bevölkerung gegen den Anschluss an Thüringen - ein Erfolg, der maßgeblich ihm zu verdanken war.

1920 wurde Klingler in den Bayerischen Landtag gewählt, dem er bis 1932 ununterbrochen angehörte. Sein politischer Wirkungsbereich reichte über Coburg hinaus bis nach Bamberg, Lichtenfels und Höchstadt an der Aisch. Er war in zahlreichen Arbeitervereinen aktiv, aber auch bei den Freien Turnern und der Konsumgenossenschaft. Auch kulturell engagierte er sich, etwa als Vorstandsmitglied der Landesstiftung und der Niederfüllbacher Stiftung, sowie als Staatsrat und anschließend als Landtagsabgeordneter für das Coburger Landestheater.

Klingler war ein überzeugter Demokrat, ein engagierter Kämpfer für soziale Gerechtigkeit und ein früher Gegner des Nationalsozialismus. Er setzte sich öffentlich für das friedliche Zusammenleben mit den jüdischen Mitbürgern ein und polarisierte dadurch im zunehmend aufgeheizten politischen Klima der späten Weimarer Republik. Am 3. September 1921 war er Hauptredner bei der Demonstration gegen die Ermordung des Zentrums-Politikers Matthias Erzberger, - eine Versammlung, die im sogenannten „Coburger Blutsonnabend" eskalierte.

Während Franz Klinglers Rede fuhren im Umkreis Lastkraftwagen auf, deren Besatzung, mit Stahlhelmen und Maschinengewehren ausgerüstete Angehörige der bayerischen Landespolizei, sofort damit begannen Straßensperren zu errichten, was zu einer grossen Unruhe unter den Versammlungsteilnehmern führte und schließlich in gewaltsame Auseinandersetzungen mündete. Ein Arbeiter starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Immer wieder war Klingler Angriffen der politischen Rechten ausgesetzt. 1930 wurde er von SA-Männern brutal überfallen und bewusstlos geschlagen. Dennoch blieb er bis zuletzt aktiv - seine letzte öffentliche Rede hielt er am 3. Februar 1933 mit den Worten: ,,Wer Hitler wählt, der wählt den Krieg!" Kurz darauf erlitt er einen gesundheitlichen Zusammenbruch. Während die Nationalsozialisten in Coburg bereits politische Gegner verhafteten, konnte seine Verschleppung nur durch den Hinweis auf seine tödliche Erkrankung verhindert werden. Am 15. Juli 1933 starb Franz Klingler an Herzversagen im Coburger Landkrankenhaus. Grabreden waren verboten, doch Hunderte nahmen schweigend Abschied.

Franz Klinglers Verdienste um den Anschluss Coburgs an Bayern und sein Einsatz für Demokratie und soziale Gerechtigkeit werden bis heute gewürdigt. In Coburg und Neustadt bei Coburg tragen Straßen seinen Namen. Eine Gedenktafel im Rathaus erinnert an seine Rolle bei der Coburger Landesentscheidung von 1919. Ein „Stolperstein" am Ort seines Wirkens im damaligen Sitz von Staatsministerium und Landesversammlung des Freistaats Coburg (dem heutigen Justizgebäude) erinnert an seine Leiden der Verfolgung durch die SA. Sein Leben steht beispielhaft für den mutigen Einsatz eines aufrechten Demokraten in einer Zeit großer politischer Umbrüche.

 

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