Ferdinand von Rast, geboren 1781 in Berlin als Ferdinand Martin Liebmann, war ein europaweit agierender Unternehmer, der vom Selfmademan der napoleonischen Zeit zum Coburger Stifter und Ehrenbürger wurde. Aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammend und seit 1805 zum Protestantismus konvertiert, bewegte er sich früh in den Zentren des Handels zwischen Hamburg, Wien und Paris. In den Jahren der Kontinentalsperre und der napoleonischen Kriege, als etablierte Lieferketten brachen, arbitragefähige Preisgefälle entstanden und findige Händler neue Beschaffungswege suchten, legte Liebmann mit Garn- und Eisenwarenhandel den Grundstock für sein Vermögen. Den entscheidenden unternehmerischen Schritt tat er 1828 mit dem Erwerb der steirischen Herrschaft Faal samt Hammerwerken und Eisengruben bei Rast an der Drau (heute Ruše bei Maribor), womit er sich in eine der dynamischsten Eisenregionen der Habsburgermonarchie einkaufte. 1830 erhob ihn König Ludwig I. in den bayerischen Freiherrenstand. Forrtan nannte er sich, nach seinem steirischen Besitz, Freiherr von Rast. 1832 berief ihn Herzog Ernst I. zum herzoglich coburgischen Kammerherrn. Ab 1859 lebte er dauerhaft in Coburg. Im Jahr 1861 gründete er die Freiherrlich von Rast’sche Stiftung mit einem Anfangskapital von 41.000 Gulden zugunsten von Lehrlingen, Bedürftigen und Kranken. Im selben Jahr ehrte ihn die Stadt als Ehrenbürger.
In den größeren Kontext des 19. Jahrhunderts eingeordnet, spiegelt Rasts Biografie mehrere überregionale Entwicklungen. Zunächst verdankte er seinen Aufstieg den Disruptionen des napoleonischen Zeitalters, als Kontinentalsperre und Kriegsökonomie auch abseits der Metropolen unternehmerische Chancen eröffneten. Dann markiert sein Schritt in den Berg- und Hüttenbetrieb der Untersteiermark den Übergang vom kaufmännischen Fernhandel zur industriellen Kapitalbindung in Rohstoffen und Anlagen Dies war für eine Zeit, in der Eisenbahnbau, Maschinenproduktion und Montanwirtschaft weiträumige Kapital- und Warenströme bündelten, typisch. Zudem steht seine Konversion und spätere Adelserhebung exemplarisch für die Widersprüche von jüdischer Emanzipation, Akkulturation und sozialem Aufstieg im Vormärz. Ökonomische Integration war zwar möglich, blieb aber oft an die Anpassung an konfessionelle und ständische Codes gebunden. Schließlich gehört seine Stiftung zur Welle bürgerlich-kommunaler Philanthropie, mit der wohlhabende Unternehmer seit den 1850er/60er-Jahren Bildungs- und Fürsorgestrukturen mitfinanzierten. Dies waren Einrichtungen, die vielerorts erst das Funktionieren moderner Arbeitsmärkte ermöglichten und bis heute fortbestehen. Dass die Rast’sche Stiftung in Coburg weiter wirkt und selbst das Grabdenkmal des Stifters denkmalpflegerische Aufmerksamkeit erhält, zeigt die Langzeitwirkung dieses bürgerlichen Engagements.
Ferdinand Martin Freiherr von Rast starb 1863 im Alter von 82 Jahren in Coburg. Sein Name blieb im Stadtbild präsent. So erinnert die Raststraße und Freiherr-von-Rast-Berufsschule an diesen bedeutenden Wohltäter der Stadt.