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Stadt Coburg

Familie Greif

Vom Nähmaschinenhandel zur Fahrrad-Ära

Die Geschichte der Familie Greif ist eng mit dem Aufstieg der fränkischen Residenzstadt zur Industriestadt verknüpft. 1879 gegründete der Nähmaschinen-Konstrukteur Carl Greif, zusammen mit dem Kaufmann Conrad Schlick, eine „Teile-Großisten-Firma“, speziell für Nähmaschinen. Die damals aufblühende deutsche Nähmaschinenindustrie bot der jungen Firma äußerst günstige Geschäftsmöglichkeiten. Sehr bald stand sie im Ruf besonderer Exaktheit und großer Gewissenhaftigkeit in der Erledigung ihrer Aufträge. Schon frühzeitig erkannte Carl Greif die außerordentliche Bedeutung des Fahrrads für die Zukunft: 1894 wurden Fahrradteile und Zubehör als neuer Geschäftszweig aufgenommen, was den weiteren der Aufstieg der Firma beförderte.  In stetiger Weiterentwicklung wuchs die Zahl der Angestellten und Arbeiter ebenso wie die Kundschaft, die sich über den gesamten deutschsprachigen Raum erstreckte. 1907 kam mit dem Autozubehör ein weiteres Warensortiment hinzu.

Der wachsende Erfolg spiegelte sich auch in der Baugeschichte des Unternehmens wider. 1908 ließen Greif und Schlick an der Raststraße ein markantes Fabrik- und Verwaltungsgebäude im strengen Jugendstil errichten. Architekt war August Berger. Der U-förmige Bau mit Lichthof, Reliefschmuck und repräsentativer Straßenfassade gehört bis heute zu den eindrücklichen Zeugnissen der Coburger Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts.

In den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren änderten sich die Eigentumsverhältnisse der Firma: Nach dem Tod von Carl Greif 1917 übernahm Conrad Schlick das Unternehmen als alleiniger Inhaber. Nach dessen Tod 1937 wurde die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. fortan führte die zweite Generation, Ellen Schlick und Rolf Greif, das Haus.

Nach 1945 behauptete sich Greif & Schlick in einer Branche, die zwischen Wiederaufbau, Mangelwirtschaft und späterem Wohlstand rasantem Wandel unterlag. 1950 und 1976 entstanden Zweigniederlassungen in Fulda und Bayreuth, mit denen das Unternehmen seine Präsenz im Nachkriegsdeutschland weiter ausbaute. Ob als Teile-Großhändler, Markenlieferant oder lokales Aushängeschild – die Familie Greif stand dabei für unternehmerische Kontinuität und ein dichtes Netz regionaler Beziehungen, so zu Handwerksbetrieben, Fahrradhändlern und den vielen Coburgern, für die das Rad ein wichtiges Alltagsverkehrsmittel war.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren musste Greif & Schlick im Jahr 1985 ihr Firmengelände aufgeben. Die HUK-COBURG-Versicherung übernahm in der Folge das Gelände und nutzte es zu Bürozwecken. So blieb das bauliche Erbe der Familie Greif erhalten, auch wenn die Fertigungsgeschichte an diesem Ort endete. Die Firma indes verlegte ihren Sitz nach Creidlitz und existierte dort noch bis 1995. 

Heute lebt der Name Greif in Sammlungen, Anzeigen und auf alten Steuerkopfschildern weiter; immer wieder tauchen Greif-&-Schlick-Räder oder Teile mit Coburger Stempel auf – materielle Erinnerungen an ein Unternehmen, das Coburgs Technik- und Alltagskultur über mehr als ein Jahrhundert mitgeprägt hat.

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