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Stadt Coburg

Emil Rädlein (1855-1925)

Turnerführer und Coburger Wandersmann

Emil Rädlein wurde 1855 in Coburg als Sohn eines Schneidermeisters geboren. Nach dem Besuch der Bürgerschule trat er in das Coburger Lehrerseminar ein, das ihn auf seinen späteren Beruf als Lehrer vorbereitete. Nach einem kurzen Intermezzo in Greiz kehrte er bereits 1874 nach Coburg zurück, wo er fast fünf Jahrzehnte lang an den Schulen der Stadt unterrichtete.

Schon als junger Lehrer verschrieb sich Rädlein der Turnbewegung, die im 19. Jahrhundert in Deutschland nicht nur körperliche Ertüchtigung, sondern auch eine nationale Erneuerungsidee verkörperte. 1874 trat er der Coburger Turngenossenschaft bei, deren Entwicklung er über Jahrzehnte prägte. Zwischen 1877 und 1901 wirkte er als Turnwart. In Berlin bestand er 1883 das Turnlehrerexamen. Von 1909 bis 1919 übernahm er die Leitung der Turngenossenschaft. Mit großem Engagement schuf er zahlreiche Turnerreigen, die bei Schauturnen um die Jahrhundertwende große Beachtung fanden. Für seine Verdienste wurde Rädlein mehrfach geehrt, unter anderem als Ehrenturnwart und Oberturnlehrer der Stadt Coburg, die ihm 1915 die Leitung des städtischen Schulturnens übertrug

In den letzten Jahrzehnten seines Lebens verlagerte sich sein Wirken zunehmend vom Turnen zum Wandern. Diese Entwicklung stand im Einklang mit einer überregionalen Bewegung: Um 1900 erlebte das Wandern in Deutschland einen Aufschwung, getragen von Vereinen wie dem 1883 gegründeten Pfälzerwald-Verein oder dem 1889 ins Leben gerufenen Rhönklub. Wandern galt nicht nur als Freizeitgestaltung, sondern auch als Ausdruck von Naturverbundenheit und Heimatpflege. Die Heimatschutzbewegung, die sich um 1904 formierte, setzte sich für den Erhalt von Landschaft, Volkskunst und Baukultur ein – Themen, die auch Rädlein in seinen Wanderbeschreibungen aufgriff.

Mit der Gründung des Thüringerwald-Vereins 1907 fand Rädlein ein neues Betätigungsfeld. Als dessen erster Vorsitzender prägte er fast zwei Jahrzehnte lang den Verein, führte unzählige Wanderungen durch und vermittelte seinen Gefährten Naturerlebnisse, Geschichtsbewusstsein und ein Gespür für Volkskunst. Sein zweibändiges Werk Im Umkreis der fränkischen Krone dokumentiert Wanderungen durch Südthüringen, den Frankenwald, den Jura und die Haßberge. Neben detailreichen Wegbeschreibungen enthält es Reflexionen über Heimat und Natur, angereichert mit Dichterworten, Skizzen und Zeichnungen. Damit entsprach es dem Zeitgeist, der das Wandern als kulturelle und gemeinschaftsstiftende Praxis verstand.

Rädlein verstand es, seine Gefährten durch persönliche Begeisterung und organisatorisches Geschick zu motivieren. Märsche von bis zu 50 Kilometern waren keine Seltenheit, stets begleitet von Gesang, Gitarrenklang und geselligem Zusammensein. Auch Gästen der Stadt zeigte er bereitwillig die Schönheit der Region. So wurde er weit über Coburg hinaus als „Coburger Wandersmann“ geschätzt.

1925 starb Emil Rädlein nach einem erfüllten Leben. Sein Name steht für die Verbindung von Turnbewegung, Wandern und Heimatschutz – für eine Haltung, die Körper, Geist und Natur in Einklang bringen wollte.

 

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