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Stadt Coburg

Edith Seifarth (1923–2009)

Coburger Bürgermeisterin mit Haltung und Herz

Edith Seifarth prägte die Stadt Coburg über Jahrzehnte, zunächst als resolute Kriminalbeamtin im Jugendschutz, später als Stadträtin und schließlich als Dritte Bürgermeisterin. Geboren 1923, starb sie 2009 in Coburg im Alter von 86 Jahren

Ihre kommunale Bekanntheit begann früh: Ab 1948 arbeitete Seifarth bei der Kriminalpolizei in Coburg, wo sie sich insbesondere dem Jugendschutz widmete. In den Kinos der Stadt kontrollierte sie, dass Filme mit Altersfreigaben eingehalten wurden. Dies machte sie energisch, aber mit dem erklärten Ziel, junge Menschen zu schützen. Diese Haltung brachte ihr den stadtbekannten Spitznamen „Sitten-Edith“ ein. Dieser Beiname, der gleichermaßen Respekt und eine gewisse Furcht widerspiegelte, ist bis heute in lokalen Erinnerungen präsent.

Drei Jahrzehnte lang, von 1948 bis 1978, blieb sie im Polizeidienst. In dieser Zeit wuchs ihr Renommee als jene Person, die klare Regeln vertritt und Verantwortung übernimmt. Genau diese Eigenschaften empfahlen sie später für die Kommunalpolitik. Nach dem Wechsel ins Rathaus wurde Seifarth Stadträtin zunächst für die SPD und ab 1967 für die Freie Wähler. Ihr soziales Profil – vom Schutz Jugendlicher bis zum Einsatz für ältere Menschen und Tiere – machte sie zu einer Stimme für jene, die oft wenig Gehör fanden.

1978 wählte der Coburger Stadtrat Edith Seifarth zur Dritten Bürgermeisterin. Sechs Jahre lang, bis 1984, bekleidete sie dieses Amt. Zeitgenössische Rückblicke bezeichneten sie als „Bürgermeisterin für das soziale Gewissen“ – eine Kurzformel für ihre parteiübergreifend anerkannte, unprätentiöse Art, soziale Anliegen mit Verwaltungspraxis zu verbinden. Ihre Amtszeit fällt in eine Phase, in der Coburg kultur- und gesellschaftspolitisch wuchs. Seifarth achtete darauf, dass dabei die soziale Balance nicht verlorenging. 

Auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt blieb sie der Stadt verbunden. In ihrem Testament verfügte sie, dass 425.000 Euro der Stadt Coburg zufließen sollten. Dieses Vermächtnis wurde 2011 in einen Stiftungsvertrag gegossen und wirkt seither in Form der Edith-Seifarth-Stiftung fort. Der Kapitalertrag wird, gemäß Stifterwillen, zu gleichen Teilen dem Caritas-Alten- und Pflegeheim sowie dem Tierheim Coburg zugeführt. Seifarths letzte Verfügung bildet damit eine konsequente Fortsetzung ihrer Lebenshaltung: Schutz und Fürsorge für die Schwächeren, ob alt oder jung, Mensch oder Tier. 

Edith Seifarths Biografie erzählt insgesamt eine Coburger Nachkriegsgeschichte in Nahaufnahme: ausgehend vom Alltag der jungen Republik, in dem Ordnung und Fürsorge neu austariert wurden; über den langen Weg einer Beamtin in die Kommunalpolitik; bis hin zu einer Bürgermeisterin, die Soziales nicht als Randthema behandelte. Ihr Leben spannt den Bogen von der „Sitten-Edith“ zur Stifterin – eine Entwicklung, die zeigt, wie sich konsequentes Pflichtbewusstsein mit Empathie verbinden lässt. In Coburg bleibt ihr Name nicht nur mit Erinnerungen, sondern mit ganz konkretem Nutzen verknüpft: in Pflegezimmern, in Tiergehegen und im Bewusstsein, dass städtische Gemeinschaft von Menschen lebt, die Verantwortung übernehmen – zu Lebzeiten und darüber hinaus. 

 

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