August Sommer wurde in Coburg als Sohn eines Seifensieders geboren. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, zeigte er früh zeichnerische und plastische Begabung. Seine ersten praktischen Erfahrungen sammelte er in Neustadt bei Coburg in der Puppenindustrie, wo er das Bossieren erlernte – eine Tätigkeit, die sein Formgefühl schärfte und den Grundstein für seine spätere bildhauerische Laufbahn legte. Bald erkannte man sein Talent, und Sommer erhielt die Möglichkeit zum Studium an der Kunstschule in Stuttgart. Anschließend folgte 1860 ein achtmonatiger Studienaufenthalt an der Akademie der Bildenden Künste in München. Diese Ausbildung prägte Sommers klassizistisch-akademische Haltung und seine Vorliebe für klare Formen und sorgfältig durchgebildete Figuren.
Ab 1861 lebte Sommer in Wien, wo er rasch Anschluss an bedeutende Bau- und Kunstprojekte fand. Für die Hofoper (heutige Wiener Staatsoper) schuf er Kaminmedaillons mit Porträts von Maria Theresia, Leopold II. und Mozart. Diese Arbeiten belegen sein sicheres Porträtvermögen und seine Fähigkeit, repräsentative Bildplastik mit dekorativer Architekturplastik zu verbinden. 1866 modellierte er im Auftrag der Stadt Füssen eine Büste des verstorbenen bayerischen Königs Maximilian II., die seine Reputation als Porträtbildhauer weiter festigte.
1869 zog Sommer nach Budapest, wo er an der Ausgestaltung wichtiger Repräsentationsbauten mitwirkte, darunter das Hauptzollamt (heute Teil der Corvinus-Universität) und das Bibliotheksgebäude der Loránd-Eötvös-Universität. Seine dort entstandenen Arbeiten zeigen ihn als verlässlichen Partner großer Bauprojekte im Spannungsfeld von Historismus und Klassizismus. 1873 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Rom, das über Jahrzehnte sein wichtigster Arbeitsort blieb. In der internationalen Künstlerkolonie vertiefte er seine Orientierung an der griechisch-antiken Kunst. Idealisierte Körper, mythologische Themen und eine ausgewogene Komposition prägen viele seiner Skulpturen und Reliefs aus dieser Zeit.
Eines seiner bekanntesten Werke im deutschsprachigen Raum ist der 1891 entstandene Centaurenbrunnen in Bremen, dessen dynamische Figurengruppe die Spannung zwischen kraftvoller Bewegung und dekorativer Einbindung in den Stadtraum beispielhaft vorführt. Hinzu kommen Grabmäler auf dem Riensberger Friedhof in Bremen, die Sommers Gespür für würdige, aber zurückhaltende Sepulkralkunst dokumentieren.
1898 kehrte August Sommer in seine Heimatstadt Coburg zurück. Im östlichen Gartenpavillon des Hofgartens richtete er sein Atelier ein, das zu einem stillen Zentrum seines Spätwerks wurde. Für Coburg schuf er unter anderem die Figur „Idylle“ für den Herzog-Alfred-Brunnen (1904) sowie eine Bronzestatue für das Denkmal des Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1911). Mit diesen Arbeiten verankerte er sein Schaffen sichtbar im Stadtbild und trug dazu bei, Coburg als Ort anspruchsvoller Denkmalkunst zu profilieren.
Über seine Werke hinaus wirkte er auch als Wohltäter: Teile seines Vermögens flossen in die „August-und-Mathilde-Sommer-Stiftung“. Sie unterstützte Sehbehinderte und Kriegsinvalide. Als Ausdruck der Dankbarkeit wurde sein Name in die Ehrentafel des Rathauses eingetragen.
August Sommer starb 1921 an einer Lungenentzündung. Mit ihm endete das Leben eines Künstlers, der ohne große Aufmerksamkeitsgesten, aber mit beständiger Arbeit, solider Ausbildung und klassischer Formkultur einen bleibenden Beitrag zur deutschsprachigen Skulptur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts leistete.