Inhalt anspringen

Stadt Coburg

Fürstliche Grablege bei den Untertanen – Das Herzogliche Mausoleum

Das Herzogliche Mausoleum war die zentrale Begräbnisstätte der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha und ihrer Familien

Das Herzogliche Mausoleum war die zentrale Begräbnisstätte der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha und ihrer Familien. Es verkörpert, räumlich wie symbolisch, die enge Verflechtung des Coburger Herrscherhauses mit den Königshäusern Europas. Als Erinnerungsort an eine Dynastie, deren Mitglieder in Großbritannien, Belgien und anderen Ländern entscheidende Rollen spielten, verbindet der Bau politische Geschichte, Familiengedächtnis und Architektur in bemerkenswerter Weise.

Entstanden ist das Mausoleum in den Jahren 1853 bis 1858 auf Initiative von Herzog Ernst II. Realisiert wurde es nach Plänen des Gothaer Stadtbaurates Gustav Eberhard und mit Unterstützung der verwandten Königshäuser von Großbritannien und Belgien. Auch die Finanzierung ist Ausdruck dieser internationalen Verbindungen: Ernst II. und sein Bruder Albert, der Gemahl der britischen Königin Victoria, trugen jeweils ein Drittel der Baukosten, König Leopold von Belgien übernahm ein Sechstel, und die Linie Koháry vermutlich das verbleibende Sechstel. 1860 erfolgte die feierliche Einweihung. Zugleich wurden die Sarkophage von Herzog Ernst I. und seiner ersten Gemahlin Luise aus der Gruft der Coburger Stadtpfarrkirche St. Moriz in den neuen Grabbau überführt.

Bis zum Ende der Monarchie im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha 1918 diente das Bauwerk als reguläre Begräbnisstätte der Herrscherfamilie. Der letzte regierende Herzog, Carl Eduard, starb 1954. Er wurde jedoch auf dem 1944 neu angelegten Familienfriedhof im Forst von Schloss Callenberg beigesetzt. Die letzte Beisetzung fand daher 1938 statt.

Architektonisch präsentiert sich der turmlose Bau als dreischiffige romanische Basilika. Im Inneren entfaltet sich eine zweigeschossige Gruftkapelle: Im Zentrum liegt eine quadratische Kapelle, um die sich im Erdgeschoss zwei Gänge legen; darüber befindet sich eine Empore. Die innere Ordnung spiegelt die genealogische: Im rechten, nördlichen Gang des Erdgeschosses stehen die Metallsärge des Coburger Stammhauses, während der linke, südliche Gang den Mitgliedern der englischen Linie vorbehalten war. Architektur und Belegung bilden so eine lesbare Topografie der Familie, die Zugehörigkeiten und Linien klar strukturiert.

Die Geschichte der Bestattungen kennt auch Veränderungen: So waren die Tochter Herzog Alfreds von Sachsen-Coburg und Gotha, Victoria Melita, und ihr Ehemann, Großfürst Kyrill Wladimirowitsch Romanow, ebenfalls im Herzoglichen Mausoleum bestattet. 1995 wurden ihre Sarkophage nach Sankt Petersburg überführt und in der Peter-und-Paul-Kathedrale beigesetzt.