Berühmte Coburger

Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha

Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha

(Text: Norbert Klüglein)

Während andere Fürsten um Leib und Leben fürchten müssen, als 1848 auch in Deutschland die Revolution ausbricht und ihre "Untertanen" lauthals Bürgerrechte, Pressefreiheit, Volksvertretung und Bürgerwehren fordern, kann Ernst II. ruhig schlafen. . 

In seinem Land findet die Revolution im Saale statt. Der Coburger Herzog, der anders als sein Vater Ernst I. ein liberal denkender Mensch ist, setzt sich selbst an die Spitze der Reformbewegung. Ernst II. gewährt aber nicht nur den Bürgern seines eigenen Landes lange verwehrte Freiheiten. Er, der Gegner der immer noch herrschenden Kleinstaaterei ist, bietet den führenden Verfechtern eines deutschen Nationalstaates seinen Schutz an. Deshalb tagt der Deutsche Nationalverein in Coburg, werden der Deutsche Sängerbund, der Deutsche Turnerbund und der Deutsche Schützenbund unter dem Protektorat des Coburger Herzogs gegründet.

Ernst erblickt am 21. Juni 1818 als erster Sohn des Herzogs Ernst I. und dessen Gemahlin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg das Licht der Welt. Er wird gemeinsam mit seinem Bruder Albert, dem späteren Prinzgemahl von Queen Victoria erzogen. 1837 beginnen beide ihre Studien an der Universität Bonn. Während Albert dann nach England zieht, erhält Ernst seine militärische Ausbildung beim sächsischen Gardereiterregiment in Dresden. Auf zahlreichen Reisen, die Ernst ab 1842 unternimmt, lernt er Europa - wo mittlerweile viele Verwandte in den Herrscherhäusern sitzen - aber auch Länder Afrikas kennen. Als "Reiseandenken" bringt er häufig Mineralien, Tierpräparate oder

Kultgegenstände mit. Da auch sein Bruder Albert dieser Sammelleidenschaft frönt, entsteht in Schloss Ehrenburg ein "Mineralien- und Kuriositätenkabinett", das später zum naturwissenschaftlichen Museum ausgebaut wird. 

Kultgegenstände mit. Da auch sein Bruder Albert dieser Sammelleidenschaft frönt, entsteht in Schloss Ehrenburg ein "Mineralien- und Kuriositätenkabinett", das später zum naturwissenschaftlichen Museum ausgebaut wird. 

Ab 29. Januar 1844 tritt Ernst als Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha die Nachfolge seines Vaters an. In Coburg setzt er das fort, was sein Vorgänger begonnen hat. Durch den Bau der Reithalle lässt er den Schlossplatz arrondieren. Die Veste, deren Wallgräben mittlerweile aufgeschüttet sind, bekommt Zinnen und Türmchen - ganz im romantischen Stil - und der Hofgarten wird nach englischem Muster als großzügiger Landschaftspark angelegt.  Großen Wert legt Herzog Ernst II. ferner darauf, seine Residenz mit "modernen Errungenschaften" auszustatten. Bald brennen überall Gaslaternen - die erste stand bereits um 1800 in Coburg - und zusammen mit Eisenach und Meiningen gründete die Coburger Staatsregierung 1855 die "Werra Eisenbahngesellschaft", die den Bau der Werratalbahn von Eisenach nach Coburg ( und später weiter nach Lichtenfels ) bis 1858 vollendete. Da Mitte des 19. Jahrhunderts die Einwohnerzahl wächst und der Drang nach Bildung zunimmt, entstehen auch neue Schulen unter der Ägide von Ernst II. Die Realschule, das Ernestinum, die Lutherschule und die Rückertschule entsehen in dieser Epoche.

Friedliche Revolution

Dass in Coburg eine gewisse Aufbruchstimmung herrscht, dürfte auch mit der ungewöhnlich friedlichen Revolution von 1848 zusammenhängen. Während in Wien, München und Berlin Barrikaden brennen, fällt in der Residenzstadt von Herzog Ernst II. kein einziger Schuss. Im Gegenteil. Die Revolution im Herzogtum soll - so beschreibt es jedenfalls ein Zeitgenosse - mit Jubel und Freudenfesten geendet haben.

Richtig ist, dass Herzog Ernst II. alle Forderungen, die das örtliche Revolutionskommitee am 13. März 1848 stellt, mit Erlass vom 16. März akzeptiert. In diesem "allerhöchsten Befehl" werden den Bürgern die Pressefreiheit, das Recht auf Bewaffnung, die Einrichtung von Geschworenengerichten und die Volksvertretung zugestanden. Bereits wenige Tage später werden Bürgerwehren aufgestellt, die an ihren Hüten schwarz-rot-goldene Bänder tragen. Zur Verblüffung vieler taucht selbst Ernst II. in Bürgerwehruniform auf und lässt die neue Fahne über seinem Residenzschloss hissen.

Ferner verkündet er im Dezember 1848 das Ende der grundherrlichen Rechte. Damit können Grundstücke und Häuser aus herzoglichem Besitz in das Eigentum von Bauern und Dienstleuten übergehen, die das Land seit Jahrzehnten bewirtschafteten. Freilich erwartete der Herzog, dass die neuen Eigentümer Grund und Boden bei ihm auf Raten abzahlen.

Verfechter eines Nationalstaates

Ob nun Ernst II. wirklich von liberaler und demokratischer Gesinnung durchdrungen war oder ob er in den Revolutionstagen nur die Flucht nach vorn antrat, um sich den Machterhalt zu sichern, ist nicht klar. Ein Ziel verfolgt er jedoch mit allem Nachdruck: einen großen Nationalstaat auf deutschem Boden zu schaffen. Der sogenannte "Coburger Kreis", dem neben Herzog Ernst II. auch der belgische König Leopold, Christian Friedrich Freiherr von Stockmar, der deutsche Gesandte in England von Bunsen und Fürst Carl von Leiningen angehören, versucht möglichst viele einflussreiche Leuten von der Gründung eines deutschen Staat unter der Führung Preußens zu überzeugen.

Diesem Zweck soll ein "literarisch-politischer Verein" dienen, der sich im Mai 1853 auf Schloss Callenberg unter Ernst II. gründet. Auch gestattet er dem in Frankfurt gegründeten Deutschen Nationalverein vom 03. - 05. September 1860 in der herzoglichen Reithalle am Schlossplatz seine erste Hauptversammlung. In dieser zeit gilt das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha als Sammelbecken und Zufluchtsort für alle "national denkenden Männer". Zwischen 1860 und 1862 werden die ersten deutschen Vereine und Verbände in Coburg und Gotha gegründet. Dazu zählen der Deutsche Turnerbund, der Deutsche Sängerbund und der Deutsche Schützenbund.

Bündnis mit Preußen

Militärisch bindet sich Ernst II., der zu Beginn seiner Amtszeit mit Österreich liebäugelte, jetzt immer enger an Preußen. Das beschert Coburg 1851 die ersten Kasernernbauten und die Belegung durch das Infanterie-Regiment Nr. 95. Obwohl Ernst II. Reichskanzler Bismarck wegen dessen preußischer Machtpolitik öffentlich kritisiert, unterschreibt Ernst II. 1861 eine Militärkonvention mit Preußen und wird 1866 in den Krieg zwischen Preußen und Österreich auf preußischer Seite hineingezogen.

Auch am deutsch-französischen Krieg 1870/1871 nehmen Coburger Truppen unter preußischem Kommando teil. Ein Intermezzo ganz anderer Art verdanken die Coburger der musischen Neigung des Herzogs. Ernst, der selbst komponiert, gewährt ab 1886 dem Walzerkönig Johann Strauss "Ehe-Asyl" in der Vestestadt. Strauss, der Coburger Bürger wird, um sich scheiden zu lassen und wenig später Adele heiratet, lebt einige Wochen in der Stadt.

Ernst II., dessen Ehe mit Alexandrine, Prinzessin von Baden, kinderlos bleibt, regiert bis zu seinem Todestag am 22. August 1893.


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