100 Jahre Coburg in Bayern

Vereinigung Coburgs mit Bayern

Die Verhandlungen mit Bayern mussten in kurzer Frist geführt werden. Von der ersten Fühlungnahme bis zur Volksabstimmung vergingen nur wenige Monate. Die Erwartungshaltung in Coburg war enorm. Die Coburger erwarteten, dass die Stadt auch unter bayerischer Fahne all jene Annehmlichkeiten, die man in der Selbstständigkeit genossen hatte, behalten müsse. Es gelang indes den Coburger Unterhändlern, die bayerischen Verhandlungsführer zu weitreichenden Zugeständnissen zu bewegen.

Oskar Arnold
Oskar Arnold
Quelle: StACo, Bildsammlung 1184

Nicht zuletzt sorgte hierfür ein sehr gutes persönliches Verhältnis zwischen den Delegierten, etwa zwischen dem Neustadter Fabrikanten Max Oskar Arnold und dem bayerischen Justizminister Ernst Müller-Meiningen. Der Staatsvertrag, der am 14. Februar 1920 unterzeichnet wurde, erfüllte fast alle Coburger Forderungen. Nach der politischen Vereinigung der beiden Freistaaten mit Wirkung vom 1. Juli 1920 folgte exakt ein Jahr darauf auch die kirchenpolitische Vereinigung: Zum 1. April 1921 löste sich die Coburger Landeskirche auf und wurde zu einem Dekanat in der bayerischen evangelischen Landeskirche.

 

Die geschickte Verhandlungstaktik der Coburger Delegierten bescherte der Stadt Coburg eine Reihe von Besonderheiten, die andere bayerische Städte von dieser Größe normalerweise nicht vorweisen können. So erhielt Coburg unter anderem den Sitz eines Gewerbeaufsichtsbeamten. Heute ist das Gewerbeaufsichtsamt Coburg im Gebäude der ehemaligen Reichspostdirektion am Oberen Bürglaß untergebracht und ist für den ganzen Regierungsbezirk Oberfranken zuständig. Des Weiteren wurde Coburg zugestanden, die vier Gymnasien ohne Einschränkungen zu unterhalten, was anfangs etwas bespöttelt wurde. Heute wird die Existenz der vier Gymnasien Albertinum, Alexandrinum, Casimirianum und Ernestinum kaum noch in Frage gestellt. Einer der größten Erfolge der Coburger Verhandlungsführer war aber mit Sicherheit, dass der Stadt der Sitz eines Landgerichts zuerkannt wurde und das Theater als Coburger Landestheater weitergeführt wurde

Ein wichtiges Ziel in allen Verhandlungen über die staatliche Zukunft war es, auch unter dem Dach eines neuen Staates wenigstens ein hohes Maß an „kultureller Selbstständigkeit“ zu behalten und die Bewahrung der Coburger Eigenart zu sichern. Die Bereitwilligkeit Bayerns, dies den Coburgern in den Anschlussverhandlungen im Jahr 1920 zuzusichern, war einer der wesentlichen Gründe, warum sich die Coburger* innen für einen Zusammenschluss mit München entschieden und nicht den Weg nach Weimar wählten. Die kulturelle Selbstständigkeit Coburgs verkörperte – neben dem Landestheater – insbesondere das Wirken der Coburger Landesstiftung. Unter ihrem Dach konnten alle Kunstschätze, Bücher und Archivalien aus dem herzoglichen Besitz vereinigt werden. Sie wurden somit vor Abwanderung geschützt und blieben dem Coburger Land ungeschmälert erhalten. Die Landesstiftung trug zu einem großen Teil zum Selbstbild der Coburger*innen bei. Zusätzlich zur Coburger  Landesstiftung wurde im Jahr 1920 der Coburger Heimatverein gegründet, der sich zum Ziel setzte, die Landesstiftung in ihrer identitätsstiftenden Wirkung für das Coburger Land tatkräftig zu  unterstützen (heute: Historische Gesellschaft Coburg). Im Jahr 1924, aus Anlass der Einweihung der in über zehnjähriger Bauzeit von Grund auf sanierten Veste Coburg, richtete die Coburger Landesstiftung ein großes Heimatfest aus. Dieses Fest wurde zu einem beeindruckenden Zeugnis des Coburger Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins. Ein Beobachter des Heimatfestes urteilte noch viele Jahre später: „Im Jahr 1924 hatte Coburg etwa 23.000 Einwohner. Es ist erstaunlich, mit welcher Begeisterung und Einigkeit damals ihre Bürger eine so große Veranstaltung zustande brachten, die sich in dieser wunderbaren Größe und Weise bislang nicht wiederholt hat.“²

² Ernst Eckerlein, Coburger Heimat, Bd. VI, Coburg 1986, S. 144.


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