Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Modepuppen

Modepuppen

Mode und Puppen stehen in engem Zusammenhang. Als Abbild bzw. Idealbild des Menschen spiegelt die Puppe auch Körperformen, Schönheitsideale und modische Kleidung wider.

Gleichzeitig mit dem Beginn der Haute Couture um 1860 in Paris kreierte der « Roi des poupées » (Puppenkönig) Pierre François Jumeau das Luxusspielzeug Modepuppe. Modern waren damals eine schmal geschnürte Taille und die Betonung des Gesäßes durch die Tournure. So gekleidet wie die feinen Damen der Pariser Gesellschaft hießen die ersten Modepuppen auch „Parisiennes“.

Bis in die Gegenwart entwickelte sich die Modepuppe kontinuierlich weiter. Von 1900 bis 1950 rückte sie zwar durch den Einfluss der Reformbewegung und der Weltkriege etwas in den Hintergrund, erlebte seither aber eine zweite Blüte. Anziehpuppen aus Papier sowie verschiedene Teenager- und Ankleidepuppen, allen voran die Barbie-Puppen, griffen wie echte Models jeden Modetrend auf: vom Petticoat über Flower Power und Minirock bis hin zu Jeans und Lederjacke.

 

"Lilliy" - Modepuppe von Gaultier aus Paris, um 1880

 

Ein Leben als verheiratete Frau in der besseren Gesellschaft war der Mädchentraum des 19. Jahrhunderts. Raffinierte Mode diente als „Lockmittel“ für den zukünftigen Ehemann. Modepuppe „Lilly“ brachte den Kindern schon früh bei, worauf es bei der Auswahl der Toilette ankam: Passende Kleidung zu jedem Anlass hält sie in ihrem „Trousseau“ - dem Aussteuer-Koffer -  bereit. Damit konnten die kleinen Damen unter Anleitung ihres Kindermädchens oder der Mutter üben.

Die 29cm große Modepuppe "Lilly" wurde um 1880 von Gaultier in Paris gefertigt. Mit ihrer gesamten Ausstattung gehört sie zu den wertvollsten Exponaten im Bestand des Coburger Puppenmuseums, denn es gibt sie nur noch zweimal auf der Welt: in New York und in Coburg. Auf Grund ihrer Größe bezeichnen wir sie auch gerne als "Urgroßmutter der Barbiepuppe". Wer die Entstehungsgeschichte der Barbie kennt, weiß warum, auch wenn der Zusammenhang nicht ganz linear ist.

 

 

Maneken - Mannequin - Model

 

Für die Präsentation von Mode haben sich zahlreiche Formen und Begriffe entwickelt. Vermutlich schon im Spätmittelalter, sicher aber im 17. Jahrhundert schickte sich der Adel in Paris und London gegenseitig Puppen zu, sog. „Pandoren“, die mit der neuesten Mode bekleidet waren. Sie hießen auch „Maneken“ (niederl. „Männchen“), was sich von den hölzernen Gliederpuppen der Maler ableitete. Französische Schneider nannten ab 1876 ihre aus Weiden geflochtenen Büsten „Mannequin“. Der Begriff „Model“ entstand gemeinsam mit der Haute Couture um 1860. In Frankreich wurde er von Anfang an für die Damen auf dem Laufsteg gebraucht, während er sich in Deutschland zunächst nur auf die Schaufensterpuppen bezog.

Die Gestalt aller „Präsentationshilfen“ für Mode, ob leblos oder lebendig, ist wechselnden Schönheitsidealen unterworfen. Kritik an extremen Körperformen und den gesundheitlichen Folgen gibt es ebenso lang wie das Phänomen Mode. 

 

Körperformung

 

Die Formung des weiblichen Körpers ist ein Dauerthema in der Modegeschichte. Wie in einer Wellenbewegung wechseln sich Phasen der extremen Modellierung mit – meist kürzeren – Epochen der Lockerung ab. Das 19. Jahrhundert prägten verschiedene Formen Reifrocks und des Korsetts. Ab 1860 betonten die Damen besonders ihre Rückseite mit Tournuren, auch unter dem Begriff „Cul de Paris“ (Pariser Hintern) bekannt. Eine schmale Taille erreichten die Frauen durch das enge Schnüren in ein „Sans-Ventre-Korsett“ (ohne Bauch). Das besonders lange Mieder betonte die S-förmige Linie der Wirbelsäule, drückte den Bauch ganz flach, schob die Brust nach vorne und das Becken nach hinten. Für eine als perfekt geltende Taille von 40-60 cm Umfang nahmen die Frauen eine bis zu zwei Stunden dauernde Prozedur auf sich. Solches jahrelanges Schnüren verursachte die Verlagerung der inneren Organe sowie schwere gesundheitliche Schäden.

Besonders bei der großen Modepuppe (Paris, um 1880) in der Mitte lassen sich Wespentaille und Tournure gut erkennen. 

 

Idole des 19. und 20. Jahrhunderts

 

Puppen zeigen nicht nur die jeweils moderne Kleidung und die Körperformen ihrer Zeit, sondern bilden als Porträtpuppen auch Vorbilder und Idole ab. Die Opernsängerin Jenny Lind und Kaiserin Eugénie von Frankreich, Gattin Napoleons III., beeinflussten durch ihre öffentlichen Auftritte maßgeblich den Modegeschmack in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im 20. Jahrhundert kam diese Rolle vor allem Hollywoodstars wie Audrey Hepburn zu. Kleine Sternchen der zahlreichen Castingshows, ob Gesangs- oder Modelwettbewerbe, dienen den Jugendlichen heute ebenso als Identifikationsfiguren wie die großen Stars aus dem Film- oder Musikbusiness.

Selbst zur Modeikone ist die bekannteste Puppe der Welt geworden: „Barbie“ veranlasste namhafte Designer dazu, Kleider für eine Puppe zu entwerfen, so zum Beispiel Bob Mackie, Armani, Versace oder Vera Wang. Aus Sicht des Herstellers hat sie damit sogar einen Oscar verdient.

Bei den Barbiepuppen handelt es sich um Leihgaben aus Privatbesitz.


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