Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Besondere Miniaturen I

Besondere Miniaturen I

Leben in Miniatur

Die klassischen Kaufläden orientierten sich in allen Jahrzehnten an der realen Einkaufswelt. Damals wie heute gab es darunter auch eine Reihe an Spezialgeschäften, wie Blumenläden oder Hutläden. Manche waren von Anfang an als Modelle für Erwachsene oder als Werbemittel für die Schaufenster gedacht. Im Spiel mit dem Kaufladen lernten die Kinder – und zwar Mädchen wie Jungen – ein Stück ihrer Alltagswelt kennen. Der Spaß am Einkaufen und Verkaufen sollte ihnen ein positives Bild von Arbeit vermitteln.

Daneben gibt es aber auch Miniaturen, die weder der Kategorie "Kaufladen" noch den Puppenstuben im engeren Sinne zugeordnet werden können. Solche besonderen Miniaturen, die ebenfalls meist im Maßstab 1:12 gefertigt wurden und an denen sich auch Erwachsene erfreuten, möchten wir Ihnen hier vorstellen.

 

Apotheke um 1900

Unsere Miniatur-Apotheke stammt aus der Zeit um 1900. Der Apotheker aus Porzellan hält Medikamente, Heilkräuter und Gewürze bereit. Mit dem Mörser aus Messing zerkleinert er die Kräuter, um Tränke und Salben individuell für den jeweiligen Patienten herzustellen. Dazu hat er in den Gefäßen und Schubladen hinter sich eine reiche Auswahl an Heilkräutern zur Verfügung, wie die Beschriftungen verraten: Rosmarin, Lavendel, Kamille, Anis, Eibisch, Baldrian, Mistel, Holunder, Klee, Beinwurz, Fenchel, Arnica, Bärlauch, Enzian, Distel, Geißbart, Isop, Alant, Andorn und Hafer. In den Fläschchen befinden sich einige Essenzen, zum Beispiel Ricinus-Öl und Absinth.

Wie alle Puppenstuben diente auch die Apotheke dazu, die Kinder mit ihrer Lebenswelt vertraut zu machen. Leider wissen wir nicht, ob diese Apotheke auch aus einer Apotheker-Familie stammt und deren Kinder somit auf ihr späteres Berufsleben vorbereiten sollte. Vielleicht stand aber auch ein allgemeines Interesse an Gesundheitsthemen oder einfach die Freude an der Miniaturwelt hinter der Anschaffung dieser besonderen Art des Kaufladens.

 

Theater um 1880

Das Theater fertigte ein unbekannter Hersteller um 1880 in Paris an. Miniaturen dieser Art dienten den Damen der gehobenen Gesellschaft im 19. Jahrhundert zum anregenden Zeitvertreib bei Kaffee- und Konversationskränzchen. Sie setzten sich mit den literarischen Stoffen auseinander und lasen die Stücke mit verteilten Rollen. Entweder sie selbst oder die Dienstmädchen bewegten dazu die Figuren. Die Figuren und die Ausstattung lassen ebenso auf die bevorzugten Stoffe wie auch auf die sozialen Verhältnisse der Zeit schließen. Kulissen für die jeweiligen Stücke boten die Hersteller von Luxuspapier und Bilderbogen, z.B. in Neuruppin an. Neben Märchen für Kinder waren auch Schauspiele von William Shakespeare oder Opern von Richard Wagner im Sortiment. 

Neben den Miniaturtheatern für den Hausgebrauch gab es Papier- und Puppentheater auch als fahrende Bühnen. Sie brachten Schauspiele und Opern auch aufs Land und gaben in erster Linie Vorstellungen Erwachsene. Dort, wo die Entfernung zum nächsten großen Theater sehr weit war, leisteten die fahrenden Papiertheater einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Leben. 

 

Klassenzimmer 1915/1935

Das Klassenzimmer stammt aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und ist recht karg ausgestattet. Trotzdem verfügt es über die damals gängigen Lehrmittel in Grundschulen: den großen Rechenschieber, Buchstabenkärtchen, eine Landkarte und die Schiefertafel. Die Lehrerin saß an ihrem Pult etwas erhöht, damit sie alle Schülerinnen gut im Blick hatte. Zur damaligen Zeit besuchten Mädchen und Buben noch unterschiedliche Klassen oder gar verschiedene Schulen. Auf den mit den Tischen verbundenen Schulbänken konnten die damaligen Kinder nicht "kippeln" und hatten relativ wenig Bewegungsfreiheit. Statt in Hefte schrieben die Erstklässler/innen mit dem Griffel auf Schiefertafeln.

 

Übrigens:

Die wunderbaren Aufnahmen unserer Miniaturen fotografierte Constantin Beyer für den Puppenstubenkalender 2020 und 2021 vom Verlag "Grünes Herz" in Ilmenau. Diese enthalten weitere sehenswerte Puppenstuben und Kaufläden aus dem Erfurter Puppenstubenmuseum und dem Coburger Puppenmuseum. Der Puppenkalender für 2021 ist in unserem Museumsshop noch erhältlich. Anfragen nehmen wir gerne entgegen. 

 

 


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