Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Weihnachtsspielzeug Familie mit Puppenstube um 1954

Blick in die Vergangenheit: Wenn der Christbaum und das Spielzeug wieder verschwanden

„Die gab´s nur an Weihnachten.“

„Nach Dreikönig [bzw. in katholischen Gebieten nach Lichtmeß] verschwanden sie wieder zusammen mit dem Christbaum.“

„Jedes Jahr war etwas neu.“

- So erinnern sich häufig unsere Besucher/ innen, wenn sie Puppenstuben, Kaufläden und Eisenbahnen bei uns im Museum betrachten. Wir nennen diese Spielsachen deshalb auch gerne "Weihnachtsspielzeug".

 

Weihnachtsspielzeug

 

Puppenstube, Kaufladen und Eisenbahn - diese Spielsachen waren im 20. Jahrhundert so eng mit dem Weihnachtsfest verknüpft wie keine anderen. Selten bekamen Kinder sie zu anderen Anlässen geschenkt. Während sie einige Familien nach Dreikönig oder nach Lichtmeß wieder auf den Dachboden räumten, blieben sie bei anderen stehen, bis die Kinder das Interesse verloren.

Was steckte dahinter?

Die Wohnverhältnisse, die finanzielle Situation, die Ansichten zur Erziehung sowie die Familientradition spielten eine Rolle. In kleinen Wohnungen fanden diese vergleichsweise großen Spielsachen nur für kurze Zeit im Wohnzimmer einen Platz. Die Kinderzimmer waren, sofern überhaupt vorhanden, v.a. in kinderreichen Familien oft nur Schlafräume mit wenig Komfort zum Spielen. 

Auch pädagogische Gründe waren beteiligt: Was nicht immer verfügbar ist, bleibt interessant, muss erwartet werden und erhöht die Vorfreude. Mit selbst gebastelten oder zugekauften Ergänzungen blieben diese besonderen Spielsachen jedes Jahr spannend, so dass die Eltern nicht ständig neues, teures Spielzeug kaufen mussten. In manchen Familien gehörte das Spielen mit Puppenstube, Eisenbahn oder Kaufladen einfach zu Weihnachten wie Christbaum und Gänsebraten.

 

Spielzeug für Generationen

 

Einst investierten die Eltern viel Geld für die Anschaffung eines Kaufladens, einer Eisenbahn oder einer Puppenstube. Viele bauten sie sogar selbst und statteten sie liebevoll aus. Beides machte die Spielsachen zu wertvollen Objekten.

Ihre Eigenschaft als Weihnachtsgeschenk trug zur wechselseitigen Emotionalisierung bei: Weihnachten als besondere Jahreszeit mit besonderem Spielzeug und umgekehrt. Puppenstuben, Eisenbahnen und Kaufläden gehörten deshalb zu den Spielzeugen, die am meisten gepflegt, repariert, erneuert und am häufigsten vererbt wurden. Sie erinnerten ebenso an die eigene Kindheit wie an die vorhergehende und nachfolgende Generation. Jedes Kind hat dabei Spuren hinterlassen, seien es ein farbiger Anstrich, ein Aufkleber oder typische Gegenstände und Dekorationen aus der jeweiligen Zeit.

 


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