Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Puppen mit Herz All diese Puppen von Bruno Schmidt tragen ein Herz im Nacken.

Puppen mit Herz

Mehrere Firmen haben ihre Puppen mit einem Herzen als Markenzeichen versehen: 

A. Riedeler/ Sonneberg (ARI), Albin Hess/Schalkau, Arthur Schoenau/Sonneberg, Porzellanfabrik Mengersgereuth, Baehr & Proeschild/ Ohrdruf und Bruno Schmidt/ Waltershausen. Die beiden letzten verbindet eine gemeinsame Geschichte, die wir hier kurz zusammenfassen möchten:

Puppenköpfe von Baehr & Proeschild, Ohrdruf

 

1871 im thüringischen Ohrdruf gegründet, stellte die Fabrik ausschließlich Puppenköpfe aus Porzellan und Biskuitporzellan, mit Schlafaugen und beweglicher Zunge selbst her. Die Körper ihrer Puppen kaufte sie zu. Auf Grund des "französischen" Aussehens der Körper, werden die Puppen von Baehr & Proeschild manchmal fälschlicherweise als französische Puppen deklariert, zumal sie bis 1895 nur mit einer Seriennummer und dem Zusatz "dep" (für beim Patentamt "deponiert") gemarkt sind. Ab 1895 kamen die Initialen "BP" hinzu, die fünf Jahre später um gekreuzte Schwerter ergänzt wurden. Das Herz zusätzlich zu den Buchstaben "BP" erhielten die Puppen 1919 nach der Fusion mit der Firma Bruno Schmidt ein Jahr zuvor.

Baehr & Proeschild belieferte auch andere Fabriken mit Puppenköpfen, z.B. Adolf Wislizenus und Josef Bergmann in Waltershausen, Heinrich Stier in Sonneberg sowie Kley & Hahn in Ohrdruf. Auch Bruno Schmidt ließ vor der Übernahme bereits Puppenköpfe bei Baehr & Proeschild produzieren. Baehr & Proeschild war spezialisiert auf exotische Puppen und brachte besonders viele indianische, afrikanische und asiatische Modelle auf den Markt. Auch die "Googlies" mit großen, runden, schielenden Augen gehörten zum Sortiment der Fabrik. 

 

Puppen mit Herz von Bruno Schmidt, Waltershausen

 

Bruno Schmidt gründete seine Firma in Waltershausen im Jahr 1898. Er stellte die gesamte Puppe mit Kugelgelenk-Körper, Kleidung und Frisur her und kaufte dafür die Köpfe zu. Seit 1904 wurden die für ihn produzierten Köpfe mit den Buchstaben "BSW" sowie einem Herzen gemarkt, wobei sich ab 1908 auch oft nur ein Herz im Nacken der Puppen fand. 1918 übernahm Bruno Schmidt die Porzellanfabrik Baehr & Proeschild und konnte nun die gesamte Puppe aus einer Hand produzieren. Bereits 1913 hatte er auch eine Celluloidfabrik gegründet und damit den neuen Werkstoff in sein Programm aufgenommen. Auch die Celluloidpuppen erhielten ein Herz im Nacken. Jede Puppe aus dem Hause Bruno Schmidt besaß einen herzförmigen Anhänger mit folgendem Text: "Also sprach der Puppenstorch: kleine Puppenmutter, horch, nimm dies Püppchen wunderfein, Goldherz soll sein Name sein."

Die Firma existierte bis zum Jahr 1972. Die Fabrikgebäude in Ohrdruf bestehen noch und werden von einem anderen Unternehmen genutzt.

 

"Kewpie" - Nackedei mit Herz

 

Eine weitere Puppe trägt ihr Herz nicht im Nacken oder in der Brust sondern am Arm oder gar im Schoß: Der kleine Nackedei "Kewpie". Erfunden hat ihn die amerikanische Illustratorin und Comiczeichnerin Rose O´Neill (1874 - 1944) im Jahr 1909. Die Idee dazu kam ihr in einem Traum. Gemäß ihrer Philosophie "Die Welt sollte mehr lachen oder zumindest lächeln als sie es tut" schrieb sie Bildergeschichten für das "Ladies Home Journal" rund um die  "Kewpies" - nackten, babyhaften Glücksbringern und Schutzengeln mit kleinen Flügelchen. Die Bezeichnung "Kewpie" leitete sie vom römischen Liebesgott "Cupido" ab.

Ab 1913 wurden die Kewpies als Puppen produziert und als erste Comicfiguren weltweit vermarktet. Sie waren meist nackt oder spärlich bekleidet und trugen einen kleinen, herzförmigen Aufkleber. Die Käufer/innen schenkten sie sich gegenseitig als kleinen Schutzengel für die Tasche. Zahlreiche deutsche Puppenfabriken produzierten die Kewpies aus Biskuitporzellan (Kestner & Companie/ Waltershausen, Gebrüder Voigt/ Sitzendorf, Hermann Voigt/ Schaala), aus Celluloid (Karl Standfuß/ Deuben, Hertwig & Co/ Katzhütte) und sogar Margarethe Steiff entwarf ein Modell aus Stoff. Darüber hinaus gab es Kewpies auch aus Pappmaché, Masse, Gummi und als Seife. Bis in die 1920er Jahre feierten die Kewpies große Erfolge und bescherten den Firmen eine riesige Auftragszahl. Die Vertriebsrechte hatte sich das amerikanische Exporthaus George Borgfeldt & Co gesichert, welches auch eine Dependance in Sonnberg besaß. Besonders beliebt waren die Kewpies in Amerika, Deutschland und Japan.

 


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