Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Wir lassen die Puppen tanzen

Wir lassen die Puppen tanzen!

„Die Tanzlektion“

Automat von Lambert mit Puppenköpfen von Emile Jumeau

Paris, um 1880

 

Für so ein „Wunderwerk“ der Technik konnten sich zur Zeit der Industrialisierung vor allem Männer begeistern. Automaten und Spieluhren blieben bis zur Industrialisierung ein kostspieliges Vergnügen des Adels. Erst dann konnte man die Technik so vereinfachen, dass nicht nur Einzelanfertigung sondern auch kleine Serien hergestellt werden konnten. Diese waren dann für das reiche Bürgertum ein zwar erschwingliches, aber dennoch wertvolles Luxusprodukt.

Zieht man die Tanzlektion mit dem Schlüssel auf, dann dreht sich die kleine Puppe und springt in die Höhe, während die große Puppe abwechselnd den Taktstock schlägt, das Lorgnon hebt und den Kopf dreht. 

 

 

Unsere "Tanzlektion" befindet sich noch im unrestaurierten Originalzustand. In rund 140 Jahren sind die Farben der Kleider jedoch stark verblichen, die feinen Musselin- und Seidenstoffe sind porös, rissig und verstaubt. In diesem Jahr sollen deshalb vorsichtige Reinigungs- sowie Konservierungsmaßnahmen von einer Textilrestauratorin durchgeführt werden. Um diese diffizielen Arbeiten an einem unserer wertvollsten Objekte zu finanzieren, sind wir auf Spendengelder angewiesen. Falls Sie auch zum Erhalt dieses "Wunderwerks" beitragen möchten, freuen wir uns sehr, wenn Sie sich mit unseren Museumsleiterinnen Christine Spiller oder Birgit Lang in Verbindung setzen (E-Mail: puppenmuseum@coburg.de; Tel. 09561/89-1481). Allen bisherigen Spenderinnen und Spendern danken wir herzlich! Selbstverständlich werden wir nach den Maßnahmen die Tanzlektion hier und im Museum in neuem Glanz präsentieren.

 

„Marotte“

Musikdrehpuppe der Fa. Marotte

Paris, um 1900

 

Dieses Püppchen war um 1900 in Paris modern und diente als Accessoire der Dame für den Ball. Sie bekam es von ihrem Ballherrn geschenkt. Wenn man die Puppe um den Stab dreht, spielt eine Melodie und die Zipfel der Kleidung fächern etwas Luft. Am Ende des Stabes befindet sich noch eine Pfeife, deren Funktion unklar ist. Vielleicht diente sie dazu einen Diener oder gar den Ehemann herbei zu pfeifen? Solche Puppen wurden von der Pariser Firma Marotte hergestellt. Der Kopf stammt aus der Puppenfabrik von François Gaultier, Paris. 

 

 

Kennen Sie das Sprichwort "Eine Marotte haben"?

Wie auch heute bei Prominenten auf dem roten Teppich zu beobachten, wollte auch damals keine Frau genauso aussehen wie eine andere, dasselbe Kleid oder dieselbe Tasche tragen. Dies bezog sich auch auf die Marotte. So gingen immer kuriosere Bestellungen bei der Firma Marotte ein, bis hin dazu, dass die kleine Puppe mit Brillanten besetzt worden ist. Die Pariser Damen damals hatten also wirklich eine Marotte! Genau daher stammt das bekannte Sprichwort „eine Marotte haben“, das in Deutschland, Frankreich und Belgien gebräuchlich ist.


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