Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

360°-Fotos aus den Puppenstuben Wie sehen die Bewohner dieses Puppenhauses wohl die Besucher? - Heute dürfen Sie hier Gast sein, kommen Sie doch herein!

"Hilfe - ich habe mich ins Puppenhaus geschrumpft!"

Einmal tatsächlich durch die kleinen Räume eines Puppenhauses wandeln, das winzige Weinglas heben und sich in das Bettchen mit der seidenen Bettwäsche legen. Wie wäre das wohl? Und was sieht so eine kleine Bewohnerin, wenn sie aus dem Balkonzimmer ihres stattlichen Puppenhauses nach draußen schaut? 

Eine Reihe von begeisterten Miniaturisten hat sich das vielleicht schon oft gefragt. Übrigens glauben wir auch, dass so manch ein Eisenbahn-Liebhaber insgeheim davon träumt, sein mit viel Fingerspitzengefühl und Akribie aufgebautes Eisenbahnland einmal aus der Sicht des Lokführers im Maßstab H0 zu durchfahren... Doch bleiben wir bei den Puppenstuben und -häusern:

Sein Sie Gast im Puppenhaus und sehen Sie sich aus der Perspektive einer Puppe in ihrer vergangenen, kleinen Wohnwelt um! Klicken Sie dazu auf die hinterlegten Links zu Youtube:

 

Schlafzimmer um 1880 - 360° -Ansicht

Schlafzimmer um 1910 - 360 ° -Ansicht

Wohnzimmer um 1900 - 360° -Video

Blick vom Balkon eines Puppenhauses um 1900 auf die Besucher/innen - 360° -Video

Blick aus dem Wohnzimmer eines Puppenhauses um 1900 auf die Besucher/innen - 360 °-Video

Hier wird die Maßstäblichkeit unerwartet gebrochen, wenn hinter einem Fenster ein externer Beobachter in realem Maßstab erscheint, der das Modell von außen betrachtet.

Die Betrachtung über ein Virtual-Reality-Headset kann dieser Eindruck noch verstärkt werden. Dies ist zum Beispiel über ein Smartphone und das GoogleCardboard möglich (Anleitung hier als pdf-Dokument).

Wir danken dem Lehrstuhl für Digitale Denkmaltechnologien der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, namentlich Frau Prof. Dr. Mona Hess, herzlich für die Bereitstellung der Aufnahmen!

 

Das Puppenhaus als Vorgänger virtueller 3D Modelle

 

Im Jahr 2018 konnte das Coburger Puppenmuseum in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg eine große Ausstellung zum Thema "Modelle, die die Welt bedeuten" erarbeiten. Mit Hilfe des Lehrstuhles für Digitale Denkmaltechnologien der Otto-Friedrich-Universität Bamberg war es möglich, mit kleinster Kamera-Technik 360°-Aufnahmen in einigen Puppenstuben unseres Museums zu realisieren. 

Die eigene Perspektive ist dem Maßstab des Puppenhauses angepasst. Gebäudemodelle können so von innen betrachtet werden und somit aus derselben Perspektive und hinsichtlich derselben Aspekte wie reale Innenräume gesehen werden. Die Denkmalpflege nutzt diese Technik etwa, um sich die alltägliche Nutzung der Räume im Modell besser vorstellen zu können. Es lässt sich schnell zwischen unterschiedlichen Räumen wechseln und verschiedene Häuser lassen sich unmittelbar miteinander vergleichen.

 

Die Puppenstube als Modell bürgerlicher Wohnkultur

 

Puppenstuben und -häuser, Küchen und Kaufläden begeistern vor allem deshalb, weil sie in so kleinem Maßstab die Lebenswelt so detailgetreu wiedergeben. Genau dies war auch das Ziel des ersten bekannten Puppenhauses, welches Herzog Albrecht von Bayern 1557/58 bauen ließ. Es handelte sich um eine exakte Nachbildung seiner Münchner Hofhaltung. Als wertvolle Miniatur stand es in der Kunstkammer und wollte bewundert, nicht berührt werden.

Im 19. und 20. Jahrhundert dienten Puppenstuben und -häuser dazu, die Töchter des wohlhabenden Bürgertums auf ihre spätere Rolle als Hausfrau und Repräsentantin vorzubereiten. Mit Hilfe der Puppenstube als Modell lernten und verinnerlichten die Kinder die Regeln der bürgerlichen Gesellschaft im Kleinen für ihr späteres Leben im Großen: Welche Möbel und Einrichtungsgegenstände vermitteln dem Gast guten Stil und erlesenen Geschmack? Was ist gerade modern, gut und teuer und zeigt den Wohlstand der Familie? Wie verhalte ich mich als Gastgeberin und als Gastgeber? 

An Hand der Puppenstube als Modell und Lehrmittel wurden diese Fragen von den Erzieherinnen erklärt und die Miniaturen oft nur mit den Augen erkundet, statt mit Kinderhänden bespielt. Heute kann die Kulturwissenschaft die Modelle als Quelle für die Entstehungszeit der Puppenstuben, die bürgerliche Wohnkultur und die soziale Stellung ihrer einstigen Besitzerin nutzen.

 

 

 


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