Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Sammlung Puppenservice

Wie (1)50 Miniatur-Puppengeschirre in die Sammlung kamen

Durchschnittlich einmal pro Wochen bekommt das Coburger Puppenmuseum eine Anfrage, ob Interesse an einem Dachbodenfund, an einem Nachlass der Mutter bzw. Großmutter oder gar an einer ganze private Sammlung besteht. Manchmal ernten wir Verwunderung, wenn wir selbst über das Angebot einer Schenkung länger nachdenken möchten und uns erst einmal Fotos schicken lassen.

Dies hat drei Gründe:

1) Wir haben eine Sammlungsstrategie, in der bestimmte Schwerpunkte gesetzt sind. 

2) Wir verfügen nur über eine begrenzte Fläche für die Dauerausstellung und das Depot. Beides möchten wir daher nicht mit doppelten Stücken oder nicht zur Strategie passenden Objekten überfrachten.

3) Der Weg aus der Sammlung - wir nennen das "entsammeln" - ist mindestens so schwierig wie der Weg hinein. Um ein Objekt zu entsammeln, muss zunächst dem Stifter das Angebot zur Rücknahme gemacht werden. Ist das nicht möglich, sind drei andere Museen anzufragen. Erst wenn alle ablehnen, kommt ein Verkauf oder eine Entsorgung in Frage. 

Was wir einmal angenommen haben, verlässt das Haus also so schnell nicht wieder und will daher gut überlegt sein.

 

Wie es die 150 Miniatur-Puppengeschirre doch in die Sammlung geschafft haben

 

Wer unser Museum kennt, weiß, dass wir bereits einige Puppengeschirre in unterschiedlichen Größen besitzen. Diese Objektgruppe gehört zu einem unserer Sammlungsschwerpunkte und wir sind bereits gut damit bestückt. Als vor einiger Zeit eine große, private Sammlung mit 50 Services angeboten wurde, waren wir daher erst einmal skeptisch. Es bedurfte einiger E-Mails, bis wir davon überzeugt waren, dass diese Sammlung doch noch eine Bereicherung darstellen wird. Folgende Gründen führten daher zur Annahme von drei Umzugskartons voller Miniaturgeschirr:

1) Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Geschirren aus Oberfranken und Thüringen und entsprach damit unserem regionalen Schwerpunkt.

2) Die Sammlung deckt die Zeit zwischen 1900 und 1960 mit Formen und Dekoren nahezu vollständig ab.

3) Die Sammlung war bereits gut dokumentiert und soweit wie möglich hatte die Stifterin die Hersteller recherchiert. Dies ist bei meist ungemarktem Miniaturgeschirr sehr aufwendig und schwierig, oft sogar unmöglich. Ihr Recherchematerial war ebenfalls Bestandteil der Schenkung.

 

Schließlich verband die Stifterin und die Museumsleiterin noch ein gemeinsamer Gedanke:

 

Beide hatten unabhängig voneinander die Idee, die vielen kleinen Geschirre in einer "Guckwand" (Sammlerin) bzw. einem etwas größer dimensionierten Setzkasten (Museumsleiterin) zu präsentieren. Weder in der Wohnung der Sammlerin noch im Puppenmuseum konnte dieser Gedanke aber bisher realisiert werden. Ein solcher Setzkasten fand sich in den 1970er bis 1990er Jahren in fast allen Haushalten und gehört damit zur Dokumentation der Geschichte des Sammelns an sich, welches Thema unserer letzten Abteilung im Puppenmuseum ist. Wie es der Zufall nun wollte, konnte ein solches passendes Möbelstück aus einer Sonderausstellung just in dieser Zeit übernommen werden. Manchmal braucht es auch das Glück, zur rechten Zeit bei uns anzufragen.

Anfangs überlegte die Stifterin, uns die Sammlung in ihrem Nachlass testamentarisch zu überlassen. Auf Grund des Fortschreitens einer schweren Erkrankung, entschied sie sich jedoch, ihre geliebten Puppengeschirre persönlich zu übergeben. Wenige Wochen nach dem Treffen im Museum übermittelte uns ihr Mann die traurige Nachricht ihres Ablebens. 

Ihre einst mit großer Sammelleidenschaft zusammen getragenen Stücke haben inzwischen eine recht lange Zeit in unserem Eingangsdepot verbracht. Insofern hat die Corona-Krise etwas Positives bewirkt: Wir konnten uns nun endlich dieser interessanten Sammlung widmen und einen letzten Wunsch der Stifterin erfüllen.

Hätten wir jedoch gewusst, dass es sich um 150 Geschirre handelt - wer weiß, ob wir sie dann angenommen hätten. Trotzdem freuen wir uns nun über diese tolle Sammlung, die das Gebiet der Miniatur-Geschirre in allen erdenklichen Formen und Materialien zeigt. Es sind welche aus Porzellan, Keramik, Glas, Holz, Zinn, Blech und sogar eines aus Geschosskörpern dabei. Zu sehen sind sie ab 6. Juni 2020 in der Ausstellung "Schau-Sammlung!"

Das Sammelgebiet Miniatur-Puppengeschirre ist damit übrigens abgeschlossen :).


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