Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Teepuppen - und wie man sie benutzt(e) Eine Teepuppe im Gebrauch

Teepuppen - und wie man sie benutzt(e)

Halbe Puppen (engl. „Half Dolls“) ohne Beine, dafür aber mit ausladenden Röcken – so könnte man sie beschreiben. Die Bezeichnung „Tee“-Puppe deutet auf ihren Zweck hin: Mit ihrer wattierten Krinoline hielt sie Tee, Kaffee oder Schokolade in der Kanne warm und schmückte gleichzeitig den gedeckten Tisch. 

 

Wer kam eigentlich auf die Idee, halbe Puppen auf Kannenwärmer zu setzen? Oder fing alles mit einem Nadelkissen an?

Nach einer weit verbreiteten Theorie geht die erste Teepuppe auf die Initiative von Münchner Kunsthandwerkern zurück. Sie gestalteten anlässlich des 50-jährigen Jubiläums ihres Vereins im Jahr 1901 einen Kannenwärmer in Form einer Puppe. Als Vorbild diente der Kopf einer Krippenfigur, welchen die Königliche Porzellanmanufaktur Nymphenburg in Porzellan goss. Wohlhabende Damen bekleideten die Puppen und verkauften sie für einen guten Zweck. Hierfür fehlt jedoch ein sicherer Quellenbeweis.

Der erste Zeitungsartikel, der Teepuppen von Dressel & Kister erwähnt, stammt aus dem Jahr 1910. Zu dieser Zeit waren Teepuppen in der Gesellschaft aber bereits verbreitet. 1920 wirbt die Sächsische Porzellanfabrik zu Potschappel in einer Anzeige damit, der „Erfinder der Teepuppe“ zu sein. Allerdings fehlen auch hierfür die Belege. Die Teepuppen-Expertin Shona Lorrin vermutet als Ursprung die Weiterentwicklung von Nadelkissen in Puppenform, die bereits vor 1900 aus Holz, Wachs oder Stoff angeboten wurden.

So ranken sich viele Rätsel und wenig Antworten um ein Kuriosum, das etwa von 1910 bis 1950 „das friedliche Heim ausschmückte“ (zitiert nach: Katalog W. Goebel, um 1923). 

 

Teepuppen im Gebrauch

Bei Frauen aus gutbürgerlichem Hause erfreuten sich die Teepuppen jedenfalls großer Beliebtheit. Obwohl der Kunstgewerbehandel auch bekleidete Modelle anbot, fertigten die Damen den „Unterkörper“ ihrer Puppen meist in aufwändiger Handarbeit selbst – oft in geselliger Runde beim Tee- oder Kaffeekränzchen!

Die deutsche Bezeichnung „Teepuppe“ beschreibt die Verwendung der kleinen Zierpuppen nur unzureichend, denn außer auf Teekannen fanden sie sich ab 1920 auch auf Nadelkissen, Puderquasten, Taschentuchbehältern, Handfegern und weiteren dekorativen Gegenständen der Damenwelt.

Der neutrale, englische Begriff „Half Doll“ ist daher für die verschiedenen Varianten treffender. Wie die klassischen Teepuppen bestanden sie nur aus einem halben Körper vom Kopf bis etwa zur Taille. Der Unterkörper wurde je nach Funktion individuell gefertigt. Bei Bedarf erhielt die Puppe auch Beine, die separat angenäht werden konnten.

 

Die Hersteller

Vor allem deutsche Porzellanmanufakturen entwarfen und fertigten eine Vielzahl an Modellen. Leider ist die Mehrzahl davon nicht gemarkt und somit ist es schwierig, sie den verschiedenen Herstellern eindeutig zuzuordnen. Wir müssen uns meist mit der Feststellung begnügen, dass fast alle Porzellanfabriken im Thüringer Wald und im Frankenwald Teepuppen im Sortiment hatten. Betriebe in Japan und den USA reproduzierten außerdem die deutschen Vorbilder. 


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