Einblicke in die Museumsarbeit & Puppenthemen

Wie Spielzeug durch schwierige Zeiten hilft Der wertvolle Märklin-Rennwagen

Wie Spielzeug durch schwierige Zeiten hilft

Die Puppe "Ingolde"

Als ihre einstige Besitzerin die Puppe vor einigen Jahren kurz vor ihrem Umzug ins Seniorenheim an das Puppenmuseum schickte, lag dem Paket folgender Brief bei, der ihre Geschichte erzählt:

„Ich bekam die Puppe Weihnachten 1943 mit einem Sportwagen geschenkt. Sie erhielt von mir den (selbst ausgedachten) Namen „Ingolde“.

Am 26. September 1944 verließen wir: Mutter, Bruder, Großeltern und ich – mein Vater war im Krieg – unser Dorf (Uivar, Banat, Rumänien). Die Flucht nach Deutschland in Güterwagen ging über Belgrad, Fünfkirchen, Graz, Prag, Dresden und Chemnitz. Am Abend des 31. Oktober kamen wir in das Umsiedler-Lager Gornsdorf im Erzgebirge. Am 5. Februar 1945 fanden wir dann im ehemaligen Gut Gereuth/ Waltersdorf eine neue Bleibe.

Während der Flucht hatte ich immer meine Puppe bei mir, denn vor der Abfahrt hieß es, jeder solle nur das Wichtigste mitnehmen.“

 

Der wertvolle Rennwagen

Auch diese Geschichte hat uns sein früherer Besitzer bei der Schenkung an das Puppenmuseum überliefert:

"Als ich etwa 12 Jahre alt war flüchteten meine Mutter, meine Geschwistern und ich aus Saalfeld in Thüringen über Hamburg und Münstereifel nach Wetter an der Ruhr. Mein Vater war Soldat. Er ließ sich nach dem Krieg erst in seine Heimatstadt Hamburg entlassen. Fand aber bald darauf Arbeit in Münstereifel und schließlich in Wetter an der Ruhr. Hier war er der deutsche technische Leiter der Firma „REME“. Mein Vater wohnte dort von 1948 bis 1950 bei einer Familie. Diese hatten eine Tochter und einen Sohn, der im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Meine Mutter, meine Geschwister und ich wohnten später eine Straße weiter. Die Tochter der Familie schenkte mir diesen Rennwagen. Er gehörte ihrem gefallenen Bruder und war somit etwas Besonderes. Ich spielte lange Zeit mit diesem Auto, so dass es auch für mich etwas bedeutet hat. Später stand der Rennwagen viele Jahre bei mir zu Hause im Regal. Ich freue mich, für dieses besondere Spielzeug einen Platz gefunden zu haben, wo viel es betrachten können."

 

Der neue Kaufladen

Zum Kaufladen erzählt eine Coburgerin:

"Ich bin 1937 geboren und wuchs in der Ketschengasse in Coburg auf. Im gleichen Haus ein Stockwerk höher wohnte meine zwei Jahre ältere Freundin. Ihr Vater war Metallarbeiter bei Fa. Brose, ihr Großvater Schreiner bei Fa. Reißenweber. Beide bauten den Kaufladen. Den Anstoß dazu lieferte das erste Care-Paket, das die Familie erhielt. Opa und Vater sagten: „Jetzt wo das Care-Paket gekommen ist, kann das Kind einen Kaufladen haben". Vorher war nichts übrig, was die Kinder hätten verkaufen können. Der Kaufladen wurde 1964 an meine beiden Töchter weitergegeben. 1996 bekam mein Enkel den Kaufladen. Dieser benutzte ihn als "Süßwarenlager" für seinen großen Stehkaufladen. Über alle drei Generationen war der Kaufladen mit Naturalien gefüllt, daher gibt es kein Zubehör. In den 1960er und 1990er Jahren wurde der Kaufladen stets zu Weihnachten neu befüllt, stand dann aber das ganze Jahr über im Kinderzimmer zur Verfügung."

 

 

 


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