„Kümmerer fürs Kind“: Jugendamt managt Vormundschaften Gut behütet: Ein Kind und sein Vormund. Reden, zuhören – das ist das A und O. Der Draht zwischen beiden sollte möglichst kurz sein, sagt das Jugendamt.

„Kümmerer fürs Kind“: Jugendamt managt Vormundschaften

Wie ein „Schutzengel“ – nur ohne Flügel: Er kümmert sich um 9 Kinder und Jugendliche aus der Stadt Coburg. Und das mit viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Denn er macht das, was eigentlich die Eltern tun: er ergreift Partei für junge Menschen – und

ist damit deren „Anwalt“ im Alltag. Auch wenn er auch heute noch - etwas angestaubt und bürokratisch – so heißt wie früher:  „Vormund“. Dabei macht ein Vormund mehr als „Arbeit nach Aktenlage“.

Ein Vormund sorgt dafür, dass es Kindern und Jugendlichen gut geht. Wenn die Eltern dafür nicht mehr sorgen können oder wollen, dann kümmert sich das Jugendamt um einen Vormund“, sagt Reinhold Ehl, Leiter des Amtes für Jugend und Familie. Auf einen Vormund kommt dann auch rechtlich all das zu, was sonst die Eltern machen. Er verwaltet das Geld, bis die Kinder 18 Jahre alt sind. Und er sorgt dafür, dass sie in einer Pflegefamilie, in einem geeigneten Heim oder in einer betreuten Wohnung leben können, erklärt Ehl.

„Ein Vormund hat zwar etwas von einem ‚Schutzengel für das Kind’. Er fällt aber nicht vom Himmel. Da schauen das Familiengericht und das Jugendamt schon ganz genau hin, wer die Vormundschaft und damit die Verantwortung bekommt. Meistens ist dies der Amtsvormund“, sagt Carolin Göhlich, Sozialpädagogin und Amtsvormund im Amt für Jugend und Familie. Es gehe schließlich um eine enorme Verantwortung. Der Vormund habe eine zentrale Aufgabe: Er müsse die Interessen des Kindes fest im Blick haben.

Für die Kinder und Jugendlichen sei ein Vormund so etwas wie ein neuer „Lotse fürs Leben“. Fast immer hätten die jungen Menschen vorher Schlimmes erlebt: Wenn Eltern sehr krank oder gestorben sind, springe ein Vormund ein. „Und natürlich dann, wenn Eltern sich nicht um ihr Kind kümmern – wenn sie es schlagen oder misshandeln“, sagt Reinhold Ehl. Diese Eltern könnten und dürften dann nicht mehr für das Kind sorgen. In solchen Fällen entscheide sich das Familiengericht dafür, die Verantwortung teilweise oder ganz in die Hände eines Amtsvormunds zu legen. Der ist dann im Hauptjob „Kümmerer ums Kind“ – in Coburg ist diese Stelle als Teilzeitstelle ausgewiesen und zwar für maximal 12 Mündel. Die Anzahl der Mündel ist gesetzlich vorgeschrieben, damit die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden können.

„Ein Vormund muss unabhängig sein. Schließlich ist die Wahrnehmung einer Vormundschaft nicht nur ein Beruf wie viele andere sondern vielmehr eine Berufung. Die Interessen des Kindes stehen im Mittelpunkt und dürfen nicht mit anderen Interessen vermischt werden“, erklärt Reinhold Ehl. Entscheidend sei, dass ein Vormund sich Zeit für das Kind nehme. Monatliche Besuche seien sogar vorgeschrieben. „Denn die persönlichen Gespräche sind wichtig. Genauso wie der regelmäßige Griff zum Telefon. Reden und zuhören – das ist das A und O. Der Draht zwischen Kind und Vormund sollte möglichst kurz sein. Denn Entscheidungen über den Kopf des Kindes hinweg sind selten gut“, sagt Carolin Göhlich. Je älter ein Kind werde, desto mehr sollte es auch direkt mitentscheiden.

 

 


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