Ausbildung von „Digitallotsen“ des Freistaates Bayern beginnt im Dezember 2019 auch in Coburg

Die Digitalisierung ist der wichtigste Modernisierungstreiber unserer Zeit. Auch von den Verwaltungen wird erwartet, dass sie Schritt halten und ihre Dienstleistungen genauso komfortabel online anbieten, wie man es von Amazon & Co. gewohnt ist. Bis Ende 2022, so die Vorgabe des Bundes, sollen Bürgerinnen und Bürger alle Behördengänge auch digital erledigen können. So sieht es das 2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz (OZG) vor. Der Freistaat Bayern geht dabei noch einen Schritt weiter und will bereits Ende 2020 die wichtigsten Bürgerdienstleistungen online zur Verfügung stellen. In einem gemeinsamen Portalverbund als zentrale Auflaufstelle für Bürgerinnen und Bürger sollen künftig alle Leistungen des Bundes, des Freistaates Bayern sowie der Städte und Kommunen auf einen Blick abrufbar sein.

Bearbeitet werden diese Anliegen jedoch auch in Zukunft größtenteils in den Rathäusern vor Ort. Diese bleiben für die Bürgerinnen und Bürger – ob analog oder digital – meist Ansprechpartner, auch wenn es sich formal um Leistungen des Bundes und der Länder handelt. Entsprechend groß sind die Herausforderungen in Bezug auf die Digitalisierung. Wenn ein Behördengang für Bürgerinnen und Bürger künftig online ähnlich einfach sein soll, muss sich auch hinter der Rathaustür absehbar vieles ändern.

Sogenannte Digitallotsen sollen dabei helfen, innerhalb der Stadtverwaltungen analog ablaufende Prozesse aufzuspüren und auf „digital“ umzudenken – so das Konzept des Freistaates und der Bayerischen Verwaltungsschule. Die Ausbildung beginnt in den kommenden Monaten bayernweit. Dabei sind nicht notwendigerweise IT-Expert/-innen gefragt, sondern aufgeschlossene und motivierte Mitarbeiter/-innen aus den verschiedensten Bereichen der Verwaltung: „Jede Kommune kann agile Vordenker entsenden, die nach der Schulung in ihren jeweiligen Herkunftskommunen die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes weiter vorantreiben. Sie sollen die notwendigen Veränderungsprozesse vor Ort anstoßen und begleiten“, erklärt Karin Engelhardt, Leiterin der Stabsstelle E-Government und Verwaltungsmodernisierung der Stadt Coburg. Sie zählt zu den knapp zehn Dozent/-innen, die bayernweit in der Ausbildung eingesetzt werden. Ab Dezember werden auch in Coburg sowie in anderen fränkischen Städten die erste Generation Digitallotsen ausgebildet.

„Gerade vor Ort in den Rathäusern zeigt sich die Komplexität dieses Vorhabens. Die fundamentale Umstellung von Verwaltungsabläufen, der weitere Ausbau von IT-Infrastruktur und Investitionen in IT-Sicherheit bis zur Weiterqualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den jeweiligen Ämtern ist eine große Herausforderung“, weiß Engelhardt und ergänzt: „In all diesen Bereichen werden die Stadtverwaltungen in den kommenden Jahren ihre Digitalkompetenz weiter ausbauen und stärken müssen, um für die Bürgerinnen und Bürger sowie für die Wirtschaft auch im Zeitalter der Digitalisierung weiterhin ein kompetenter und verlässlicher Ansprechpartner zu bleiben. 

Bis Bürgeranliegen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene durchgehend digital verarbeitet und „medienbruchfrei“ auch wieder beantwortet werden können, ist es ein weiter Weg. Die gesetzlichen Grundlagen sind größtenteils geschaffen. Die vom Bayerischen Staatsministerium für Digitales in Zusammenarbeit mit der Bayrischen Verwaltungsschule (BVS), den kommunalen Spitzenverbänden und der Bayerischen Vermessungsverwaltung initiierte Ausbildung soll mögliche Wege aufzeigen. Mitarbeiter/-innen aus Städten und Gemeinden, Landkreisen und Bezirken können an der vom Freistaat geförderten Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen.

Die Stadt Coburg zählt landes- wie auch bundesweit zu den digitalen Vorreitern unter den mittelgroßen Kommunen und wurde für ihre Digitalstrategie sowie für verschiedene, von der Stadt initiierten Digitalprojekte in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet. Ihre jahrzehntelange Erfahrung in der praktischen Umsetzung von Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung auf kommunaler Ebene bringt die Stadt Coburg regional wie auch überregional auch in zahlreiche Gremien ein. So ist Coburg zusammen mit knapp zehn weiteren digital führenden bayerischen Kommunen Mitglied der Arbeitsgruppe Onlinezugangsgesetz (OZG) des Bayerischen Städtetages, die in enger Abstimmung mit den zuständigen Stellen auf Landesebene – wie den Staatsministerien für Digitales sowie für Finanzen und Heimat – die weiteren Schritte der OZG-Umsetzung im Freistaat begleitet.


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