Albertsplatz: Schöner ohne Busse? – Stellungnahme von Thomas Nowak (3. Bürgermeister) und Peter Tretau (Behindertenbeauftragter)

Wieder einmal versuchen Stadtrat Dr. Eidt und Werner Weiß als Immobilienbesitzer am Albertsplatz die Busse aus der Ketschenvorstadt zu verbannen. Behindertenbeauftragter Peter Tretau und 3. Bürgermeister und Sozialreferent Thomas Nowak widersprechen diesem Vorhaben vehement.

„Für mobilitätseingeschränkte Menschen sowie für Menschen mit Behinderung ist jeder zusätzliche Meter ein Aufwand, der, wenn es möglich ist, vermieden werden soll“, so Bürgermeister Thomas Nowak und der Behindertenbeauftragte Peter Tretau. Weiter führen beide aus: „Manchmal sind es auch die 90 Meter, die behinderten und älteren Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unmöglich machen.“

Aus gutem Grund ist hier im Fußgängerbereich am Albertsplatz eine gefahrlos zu erreichende Bushaltestelle barrierefrei errichtet worden, wogegen bei einer Haltestelle am Ernstplatz an der vierspurigen Goethestraße die Gefahr für ältere und behinderte Menschen, aber auch die Schülerinnen und Schüler wesentlich höher einzuschätzen ist. Sehbehinderte oder gar blinde Menschen können hier am Albertsplatz aufgrund der im Boden eingelassenen taktilen Elemente gefahrlos ein- und aussteigen.

Außerdem war die Haltestelle und die von dem Antragsteller gescholtene Schleife ein Kompromiss, als die Busse vom Markt wegverlegt wurden. Der Albertsplatz ist von Süden aus der nächste Haltepunkt in der Nähe des Marktplatzes und trägt auch zur Belebung der sanierten Ketschenvorstadt bei.

Weiter sollte berücksichtigt werden, dass nachdem 2005 der Albertsplatz mit erheblichen finanziellen Mitteln und Fördergeldern ausgebaut wurde, ein weiterer wichtiger Schritt getan wurde, Coburg in naher Zukunft nicht nur altersgerecht, sondern auch noch barrierefrei zu gestalten. Sollte die Bushaltestelle zurückgebaut werden, wird nicht nur das investierte Geld der Vergangenheit verbrannt, Fördermittel verschleudert, sondern es muss wieder Geld für den teilweisen Rückbau in die Hand genommen werden. Vielleicht droht hier sogar eine Rückzahlung der Fördermittel?

Die Stadt Coburg hat für ältere Menschen ein gutes Lebensumfeld. Das hat auch einen guten Grund: Die SÜC mit ihrem Fahrplan ermöglicht es ihnen schnell an für sie wichtige Punkte zu gelangen. Ebenso leben in Coburg etwa 7000 behinderte Menschen, hiervon gelten 4906 als schwerbehindert. „Ich finde es nicht nur verantwortungslos, sondern auch als sozial sehr ungerecht über die Köpfe der alten und behinderten Menschen hinweg eine derartige Forderung zu stellen“, so der Behindertenbeauftragte der Stadt Coburg.

Zum Abschluss noch ein Hinweis auf das Regionalisierungsgesetz vom 27. Dezember 1993, welches  definiert, das die Sicherstellung einer ausreichenden Bedienung der Bevölkerung mit Verkehrsleistungen im öffentlichen Personennahverkehr, eine Aufgabe der grundgesetzlichen verankerten Daseinsvorsorge ist. Hier muss man auch die Interessen von Senioren, Menschen mit Handicap, Schülern und Familien berücksichtigen und ihnen die Anbindung sozial wichtiger Ziele ermöglichen.

 


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