Offener Brief: Oberbürgermeister Norbert Tessmer/IHK-Präsident Friedrich Herdan: Aktuelle Situation um den ICE-Halt in Coburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus einer Pressemitteilung des Abgeordneten Hans Michelbach, veröffentlicht in den Coburger Tageszeitungen am 25. Mai 2018, war einerseits zu entnehmen, dass Fahrplanänderungen erst Ende des Jahres 2019 erfolgen sollen; andererseits, so ließ Frau Bohle (Vorstandsvorsitzende DB-Fernverkehr)  verlauten, sollen die Zugpaare am Nachmittag nach München wegfallen, dafür mit früheren Anbindungen über Regensburg-Passau nach Wien kompensiert werden.

Dies würde für München-Reisende (und zurück) jeweils ein Umsteigen in Nürnberg nach sich ziehen, was den Halt in Coburg unattraktiv macht. Das vorrangige Fahrziel der Fahrgäste von Coburg ist jedoch München und nicht Wien. Insofern handelt es sich hier um eine Verschlechterung, die Frau Bohle mit wohl gesetzten Worten als Verbesserung verkaufen will.

Der ICE-Halt in Coburg hat bisher die Erwartungen übertroffen. Die Annahmen und Prognosen des gemeinsamen Gutachtens der IHK und der Stadt werden damit voll bestätigt. Aus diesem Grund sind die angedeuteten Verschlechterungen nicht nachvollziehbar. Trotz der geringfügigen Verlängerung der Fahrzeit durch einen Halt in Coburg sind die Züge oft überfüllt, was die Argumentation von Frau Bohle ad absurdum führt.

Weiterhin ist die Problematik um die Aufzüge nicht geklärt: Nach einem halben Jahr des ICE-Betriebes ist es nicht gelungen den Aufzug in Betrieb zu nehmen. Angeblich verzögert sich die technische Abnahme aufgrund einer hohen Marktauslastung der Abnahmeprüfer immer weiter, was nicht mehr akzeptabel erscheint und selbst in Fachkreisen nur Kopfschütteln auslöst. Des Weiteren beklagen Bürger die Anbindung der RE-Züge der Strecke Nürnberg-Sonneberg: Hierbei wird zwischen Bamberg und Coburg die ICE-Trasse befahren, jedoch scheinen regelmäßig Störungen aufzutreten, die des Öfteren zu Zugausfällen führen (siehe auch Coburger Tageblatt vom 16. Mai 2018).

Auch muss noch einmal der Gesamtzustand des Bahnhofs kritisiert werden. Die Anzeigetafel im Eingangsbereich funktioniert nicht und sanitäre Anlagen sowie Schließfächer fehlen – vom Parkplatzdrama ganz abgesehen: Die Bahn reagierte bisher mit ungenügenden Antworten in der Presse, wobei von einer Bahnhofskategorisierung berichtet wurde. Die Reiseanzahl könne zu Verbesserungen beim Servicepersonal und bei Baumaßnahmen im Bahnhofsgebäude führen. Die oben angeführten übertroffenen Erwartungen durch den ICE-Halt stehen diesen Aussagen allerdings gegenüber.

Eines Bahngipfels bedarf es nicht. Gespräche, in denen die Argumente ausgetauscht wurden, hat es genug gegeben. Die Sachlage ist klar und eindeutig: Es wurde seitens der Bahnspitze (Berthold Huber – Pressekonferenz am 23. Juni 2017 im Coburger Rathaus) betont, dass es an der Anzahl der Fahrgäste liegt, ob das Angebot ausgeweitet wird oder nicht. (Zitat von OB Tessmer: „Es müsse mit den Fahrkarten abgestimmt werden!“)

Nun werden die Erwartungen sogar übertroffen und es kommt zu Verschlechterungen und Verzögerungen. Das ist Wortbruch. Geredet wurde genug, jetzt müssen zugesagte Taten folgen. Es müssen diejenigen, die Einfluss haben, jetzt liefern und nicht reden.

Es drängt sich nach all dem bisherigen Geschehensablauf der Verdacht auf, dass wir als Oberbürgermeister und IHK-Präsident einsehen müssen, dass was hinter vorgehaltener Hand immer wieder geäußert wurde – dass der Halt in Coburg ein Dorn im Auge ist – offensichtlich doch zutrifft.

Mit freundlichen Grüßen                                                                                                          

Norbert Tessmer                                                                                 Friedrich Herdan

Oberbürgermeister der Stadt Coburg                                                 Präsident der IHK zu Coburg

 

 


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