100 Jahre Frauenwahlrecht

 

Wir feiern  100 JAHRE FRAUENWAHLRECHT in Coburg

mit einer großen Veranstaltungsreihe.

 

AUFTAKTVERANSTALTUNG am 08. November 2018 um 17 Uhr im Rathaus, Stadt Coburg, Markt 1.

Hier finden Sie unser Programm für die weiteren Veranstaltungen.

 

Meilensteine der Gleichstellung

 

1918: Frauen erhalten das aktive und passive Wahlrecht

Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden, dabei gaben 82 Prozent der wahlberechtigten Frauen ihre Stimme ab und 37 weibliche Abgeordnete (von insgesamt 423 Abgeordneten) zogen ins Parlament ein.

"Wir Frauen können nur unserer hohen Freude und Befriedigung darüber Ausdruck geben, dass wir zu dieser Aufgabe mitberufen sind, und ich glaube, sagen zu dürfen, dass wir besser für sie vorbereitet sind, als vielleicht die meisten von Ihnen glauben."

(Marianne Weber (DDP) bei der konstituierenden Sitzung am 15.01.1919 im Karlsruher Ständehaus)

"Ich möchte hier feststellen ..., dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist."

(Sozialdemokratin Marie Juchacz bei der Weimarer Nationalversammlung am 19.02.1919)

Ab 1920: Frauen dürfen Recht sprechen und an der Universität lehren

Die bürgerliche Frauenbewegung mit dem BDF (Bund deutscher Frauenvereine) kämpfte weiterhin für das Recht auf Bildung, für freie Berufswahl und die Zulassung zum Universitätsstudium. Das Immatrikulationsrecht wurde zwischen 1900 und 1909 in den Ländern durchgesetzt. Die Erlangerin Emmy Noether habilitierte 1919 als erste Frau in Deutschland in Mathematik, 1920 erhielten Frauen grundsätzlich das Habilitationsrecht, ab 1924 die Möglichkeit, Richterin zu werden. Heute sind an Hochschulen 20% der Professorinnen und an Gerichten 42% der Richterinnen weiblich.

Ab 1933: Auslöschung der Frauenbewegung durch die NSDAP

Nach der Reichstagswahl im März 1933, die auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten folgte, sank der Frauenanteil im Reichstag von durchschnittlich sechs auf nicht einmal vier Prozent. Zur Reichstagswahl im November 1933 gab es nur noch die Einheitsliste der NSDAP. Damit war eine indirekte Aufhebung des passiven Wahlrechts für Frauen bis 1945 gegeben. Es wirkte sich vor allem in einer radikalen Re-Maskulinisierung von Politik aus, die ein entscheidendes Merkmal nationalsozialistischer Politik bildete. Der Aufbruch von Frauen in der Parteipolitik kam zum Stillstand und bis dahin entwickelte politische Partizipationsmöglichkeiten für Frauen wurden zerstört. Viele Frauenvereine und Interessenverbände der Frauenförderung lösten sich auf, um der nationalsozialistischen Gleichschaltung zu entgehen. Zudem verloren Jüd*innen durch das Reichsbürgergesetz vom 15. September 1935 das aktive Wahlrecht.

1949 (BRD/DDR): „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ wird zum Grundgesetz/ Verfassung

Der Formulierungsantrag "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" stieß im Parlamentarischen Rat zunächst auf heftigen Widerstand. Durch die Mobilisierung der Öffentlichkeit und das Engagement von Frauen aus Gewerkschaften, Parteien und Frauenverbänden sowie Arbeitnehmerinnen gelang schließlich die Festschreibung im Grundgesetz. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In Art. 3 Abs. 2 der neuen Verfassung steht seitdem kurz und klar: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel gelten als „Mütter des Grundgesetzes“. Sie waren die vier Frauen, die neben den 61 Männern des Parlamentarischen Rates das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erstellten. Im Jahr 1994 wurde der Artikel im Zuge der Verfassungsreform ergänzt um den Satz: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Damit wird dem Gesetzgeber auf allen Ebenen ein unmissverständlicher Auftrag erteilt, überall dort, wo Frauen benachteiligt und diskriminiert werden, tätig zu werden.

1957: Frauen darf ihre Arbeitsstelle nicht mehr aufgrund von Heirat gekündigt werden

Unter dem Begriff „Zölibatsklausel“ verstand man eine Vereinbarung im Arbeitsvertrag von Frauen, die im Falle der Eheschließung der Arbeitnehmerin das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt beendete. Solche Regelungen fanden sich in Deutschland sowohl in der Privatwirtschaft als auch im Staatsdienst. Im Bereich des Lehramtes beispielsweise bestimmte die Zölibatsklausel, dass die Beamtin bei ihrer Heirat aus dem Dienst ausscheiden musste, folglich nur ledige oder kinderlos verwitwete Frauen überhaupt eingestellt wurden. Bei Eheschließung erlosch der Anspruch auf eine Pension vollständig. Das Bundesarbeitsgericht stellte mit Urteil vom 10. Mai 1957 fest, dass Zölibatsklauseln gegen das Grundgesetz verstoßen und deshalb nichtig sind.

1972 (DDR) / 1976 (BRD): Frauen können Schwangerschaften bis zum dritten Monat straffrei und sicher abbrechen

Seit 1976 können Frauen in der Bundesrepublik Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen straffrei abtreiben. In der DDR gab es ein weniger eingeschränktes Entscheidungsrecht für schwangere Frauen nach der Fristenregelung bereits seit 1972. Heute ist in Deutschland die Abtreibung straffrei, wenn die Schwangere den Abbruch innerhalb der ersten zwölf Wochen durchführen lassen hat und mindestens drei Tage vorher an einem Beratungsgespräch an einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle teilgenommen hat oder eine kriminologische Indikation vorliegt, zum Beispiel bei Zustandekommen der Schwangerschaft durch ein Sexualdelikt. Nach diesem Zeitraum ist eine Abtreibung rechtswidrig, ausgenommen der Abbruch wird aufgrund einer medizinischen Indikation vorgenommen, wie etwa bei Risiken für die Gesundheit der Frau infolge der Schwangerschaft.

1977: Frauen sind nicht mehr allein zur Führung des Haushaltes verpflichtet

Bis zur Einführung dieser Regelung oblag der Frau laut §1356 BGB die alleinige Haushaltsführung. Sie war nur berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit sie die Erlaubnis ihres Ehemannes hatte. 
In der Fassung von 1977 wurde festgelegt, dass die Ehegatten die Haushaltsführung im eigenen Einvernehmen regeln. Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.

1982: Gleichstellungsbeauftragte fördern Gleichstellung und sollen bestehenden Ungerechtigkeiten entgegenwirken

Tätigkeiten einer Gleichstellungsbeauftragten sind die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Gleichstellung von Frauen und Männern, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Erhöhung des Frauenanteils in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, sowie die Förderung von Frauen durch Abbau von Benachteiligungen.

Ab 1997: „Nein heißt nein!“ Sexuelle Gewalt in der Ehe wird strafbar

„Nein heißt nein!“ - dafür gab es im Laufe der Zeit mehrere gesetzliche Verbesserungen: 

  • Juli 1997:  Vergewaltigung in der Ehe ist strafbar.
  • Januar 2002: das Gewaltschutzgesetz tritt in Kraft. Die Polizei kann mit einem polizeilichen Platzverweis oder einem Kontaktverbot Betroffene schützen.
  • November 2016: Gesetz zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung wird wirksam.

2006: Frauen und Minderheiten arbeiten und leben sicherer durch das AGG

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vom 14. August 2006 hat zum Ziel, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

2017: „Ehe für alle!“ - Gleichgeschlechtliche Paare können heiraten

Seit dem 1. Oktober 2017 ist es auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich, eine Ehe einzugehen. Sie bekommen damit alle Rechte und Pflichten, die auch bei einer Ehe zwischen Mann und Frau vorliegen. Dazu wurde der §1353 des BGB erweitert, sodass dieser nun lautet: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“

 

Illustrationen: (c) iStock.com/Olha Khorimarko.


 
 
 
 
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