Das Bürglaßschlösschen

DIE GESCHICHTE

Es ist Freitag, der 28. September 1632. Der Dreißigjährige Krieg dauert an. Wallenstein, der Herzog von Friedland, hat die Übergabe der Stadt gefordert. Auf dem Bürglaß stehen zwei Kompanien Soldaten, die bald darauf durch das bereits geöffnete Stadttor in die Stadt eindringen. Zu diesem Zeitpunkt steht das Gebäude schon, das seit 1948 der Stadtverwaltung gehört. Bereits 1521 wurde ein Vorgängerbau an der Stelle des heutigen Bürglaßschlösschens als Eigentum der Familie Gottsmann aus Neuhaus erwähnt. 480 Jahre wechselvoller Geschichte liegen hinter ihm. Seinen Namen wechselte es ebenso oft wie seine Besitzer. Wie aus dem Häuserbuch der Stadt Coburg im Stadtarchiv zu entnehmen ist, bedeutet Burggelass eine burgsichere Ansiedlung. Hier befand sich eine altgermanische Siedlung, die höher und sicherer lag als die Häuser im Flussbereich des heutigen Seifartshof. Vermutlich ist sie eine der ältesten Siedlungen im Stadtbereich.

PRINZ FRIEDRICH JOSIAS VON SACHSEN-COBURG-SAALFELD

1775 fällt das Gebäude einem Brand zum Opfer und wird nur leidlich wiederhergestellt, bis es Prinz Friedrich Josias von Sachsen- Coburg-Saalfeld 1794 von den Erben des Kaufmanns Scheler erwirbt und das Bürglaßschlösschen in ein Gebäude mit palaisähnlichem Charakter umbaut. Er war kaiserlich-österreichischer Armeegeneral, jüngster Bruder des regierenden Coburger Herzogs Ernst- Friedrich, und hatte 1789 einen legendären Sieg errungen, als er bei Martinesti (heute Rumänien) die überlegene türkische Armee vernichtend schlug. Bei einem Verlust von vierhundert eigenen Soldaten wurden fünftausend Türken getötet, zehntausend weitere ertranken während der anschließenden panischen Flucht. Sicherlich eine besonders traurige Kosten- Nutzen-Rechnung. Der Kaiser in Wien verleiht ihm den Maria-Theresia-Orden und es erfolgt die Ernennung zum Rechts- Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Prinz Friedrich Josias wird der letzte Träger dieses Titels sein. 1794 verlässt er die österreichische Armee und nimmt seinen Ruhesitz in Coburg. Am Dreiecksgiebel des Bürglaßschlösschens lässt er daher den inzwischen überstrichenen Spruch „Per actis laboribus“ (Nach getaner Arbeit) anbringen. Von den Einwohnern wird der Prinz hoch geschätzt, zumal er 1806 die Stadt vor Plünderungen durch Truppen des französischen Generals Augereau bewahren konnte unter Hinweis darauf, dass er selbst mit einer Armee zwei Jahre auf französischem Gebiet gestanden habe, wobei nicht geplündert wurde. Als Dank erwarte er eine Schonung seiner Vaterstadt. 1815 stirbt Prinz Friedrich Josias. Seine Statue steht am Theaterplatz und der erhobene linke Arm weist den rechten Weg zu seinem Palais und zu den Ämtern der Stadtverwaltung, die jetzt darin untergebracht sind.

HERZOG ERNST I.

Nach dem Tod des Prinzen geht das Schlösschen in den Besitz von Herzog Ernst I. über, der es seiner Mutter, Herzoginwitwe Auguste, als Stadtwohnung überlässt. Herzog Ernst I. gestaltet es für sie im bürgerlich-romantischen Biedermeier. Der Schlosspark wird mit einer Sandsteinsockelmauer mit gusseisernem Zaun umgeben, in dessen Mitte ein eindrucksvolles Gittertor gesetzt wird, flankiert von zwei Löwen. Sie blicken ungefähr in die Richtung, in der heute das Josias-Denkmal steht. 1974 werden sie als Treppenfänger an den Garteneingang des Bürglaßschlösschens versetzt.

BULGAREN-SCHLÖSSLEIN

1843 geht das Schlösschen auf die katholische Linie des Herzogshauses Sachsen-Coburg-Kohary über und heißt nach einem Enkel der Herzogin Auguste eine Zeit lang „Prinz-August-Schlösschen“. Bis 1881 bewohnt Prinz August das Schlösschen. Sein Sohn Ferdinand, König von Bulgarien, macht es zum Familiensitz während seiner regelmäßigen Aufenthalte in Coburg und teilt es oft mit seinem Bruder Philipp. Nach dem Ersten Weltkrieg wird es dauernder Wohnsitz des Zaren Ferdinand von Bulgarien. In der Bevölkerung wird vom „Bulgaren-Schlösslein“ gesprochen, Zar Ferdinand selbst bezeichnet es als „Augustenpalais“. Als das Bürglaßschlösschen eine Wasserleitung erhält, wird auf Wunsch des Zaren ein alter Brunnen dem freien Platz vor dem Haupteingang in den Gartenbereich umgesetzt. Der Brunnenstock ist als Säule im Park nahe dem Gemüsemarkt erhalten.

SITZ DES 3. BÜRGERMEISTERS

Nach dem Tod des Zaren 1948 wird die Stadt Eigentümerin des Gebäudes und nutzt es als Sitz des Bürgermeisters, des Sozialamtes und des Standesamtes. Wo früher der Zar und sein Bruder über naturwissenschaftlichen Büchern der mehr als dreitausend Bände umfassenden Bibliothek saßen, werden heute Gesetzestexte studiert. Betritt man das klassizistische Gebäude, fällt im Vorraum des Treppenhauses das säulengetragene Rondell auf, eine ebenso gelungene architektonische Lösung wie der ehemalige Empfangssaal im ersten Stock, der als Trausaal vom Standesamt genutzt wird. Landschaften mit antiken Ruinen füllen die Wandflächen aus und geben den stimmungsvollen Rahmen für Trauungen.


 
 
 

Trausaal im Bürglaßschlösschen

Ein wenig stolz sind wir schon auf unseren Trausaal! Der ehemalige Empfangs- und Repräsentationssaal im Bürglaßschlösschen wird heute als Trausaal genutzt. Die Einmaligkeit und die Stimmung dieses Raumes verleiht ihm nicht nur das Prädikat einer der schönsten Trausäle Deutschlands zu sein, sondern mit Sicherheit auch die Auszeichnung, sich hier das Jawort in einem zauberhaftem Ambiente geben zu können. Der Trausaal im Standesamt Coburg wurde im Frühjahr 2008 renoviert.

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