Berühmte Coburger

Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld

Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld

(ab 1826 Sachsen-Coburg u. Gotha)

(Text: Norbert Klüglein)

Ernst, der am 02. Januar 1784 in Coburg geboren wird, ist der erste Sohn des Herzogs Franz Friedrich Anton und dessen Gemahlin Auguste Caroline Sophie. Der Erbprinz wächst in bescheidenen Verhältnissen auf. 

Immer noch drücken das Herzogtum Coburg enorme Schulden. Weil Ernsts Vater, Franz Friedrich Anton, mehr an dem Ausbau seines Kupferstichkabinetts als an den Staatsgeschäften interessiert ist, bekommt der Erbprinz sein politisches Rüstzeug in erster Linie von Theodor Konrad von Kretschmann mit. Kretschmann, "Reform-Superminister" des Herzogtums Sachsen-Coburg-Saalfeld und der eigentlich starke Mann im Staate, formt den Prinzen nach seinen Idealen.

So ist es nur zu verständlich, dass Ernst 1805 die Nähe Preußens sucht, als sich die sächsischen Herzogtümer nach dem Sieg von Napoleon bei Austerlitz über Österreich und Russland entscheiden müssen, welche Seite sie wählen wollen. Kretschmann, der einst in preußischem Dienst stand, fördert die Annäherung Coburgs an Berlin nachhaltig. Auch die Verbindung mit Russland - Ernsts Schwester Juliane ist mit dem russischen Großfürsten Konstantin verheiratet - spricht für diese Entscheidung. Schließlich erhofft sich Ernst durch die Unterstützung von Preußen und Russland Landgewinn. Eine Neuordnung der Coburger Besitztümer - Ernst spekuliert auf Abtretungen durch das neue benachbarte Königreich Bayern - soll ihm mehr Einfluss bringen.

Während der junge Erbprinz, der Generalmajor der russichen Garde geworden ist, sich im preußischen Hauptquartier aufhält, rücken die Franzosen nach Norden vor und besetzen am 07. Oktober 1806 Coburg. Nur dem Verhandlungsgeschick des Prinzen Friedrich Josias ist es zu verdanken, dass die Stadt nicht geplündert wird. Ernst harrt weiter im Lager der Preußen aus und sein Vater hat in Saalfeld Zuflucht genommen. 

Auch als Herzog Franz Friedrich Anton am 09.12.1806 plötzlich stirbt und nun die Thronfolge an Ernst I. fällt, kehrt der junge Herzog nicht sofort nach Coburg zurück. Selbst die Drohung der Franzosen, das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld werde seine Souveränität verlieren und zur Kontributionszahlungen in Millionenhöhe gezwungen, kann Ernst nicht bewegen, sein Erbe anzutreten. Er bleibt zunächst bei den preußischen Truppen, die eine Niederlage nach der anderen hinnehmen müssen.

Verbündet mit Napoleon

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In dieser prekären Situation handeln die Herzoginmutter und Minister Kretschmann. Sie erklären im Namen von
Ernst I. den Beitritt zum "Rheinbund". Coburg wird damit offiziell Napoleons Verbündeter und behält seine Eigenständigkeit. Ernst I. kehrt aber erst nach Hause zurück, als die letzten französischen Besatzungstruppen im Juli 1807 die Vestestadt verlassen haben. Was Ernst I. bei den Preußen nicht erreichen konnte, will er nun von Napoleon. Mehrmals unterbreitet er dem Franzosenkaiser seinen Wunsch nach territorialer Ausdehnung. Selbst eine Reise nach Paris nimmt er auf sich, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Der Coburger Herzog muss allerdigns bis 1811 warten. Erst dann ist ein Staatsvertrag mit dem Königreich Bayern über eine Art "Flurbereinigung" möglich.

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 Coburg erhält die Souveränität über Fürth am Berg, Hof an der Steinach, Niederfüllbach und Triebsdorf - aber der Herzog ist enttäuscht. Er hatte mehr erwartet. Die Jahre zwischen 1809 und 1813 sind die schwersten in Ernsts Regentschaft. Als Verbündete Frankreichs müssen die Truppen der sächsischen Herzöge an allen napoleonischen Feldzügen teilnehmen. Coburger kämpfen in Tirol, Spanien und schließlich in Ost- und Westpreußen. Der Blutzoll, der gezahlt wird, ist enorm.

Ernst I., der es stets versteht, zwischen den Großmächten zu lavieren, erkennt 1813, dass der Stern des Franzosenkaisers sinkt. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig schert Ernst aus dem "Rheinbund" aus und verbündet sich im Allianzvertrag von Frankfurt mit Österreich, Russland und Preußen. Zusätzlich tritt der Coburger dem "Deutschen Bund" (Zusammenschluss unabhängiger deutscher Fürsten) bei. Ernst I. erhält das Oberkommando über die 5. Armee und zeichnet sich im Befreiungskrieg gegen Napoleon aus.

Das Herzogtum wird größer

Als Anerkennung spricht ihm der Wiener Kongress 1816 das Fürstentum Lichtenberg (Pfalz) zu. Jetzt hat Herzog
Ernst I. endlich neues Land. Leider ist es zu weit entfernt. Deshalb verkauft Ernst Lichtenberg 1834 für gut zwei Millionen Taler an Preußen. Ein anderes "Immobliengeschäft" scheint da lukrativer. Nach jahrzehntelangen Erbstreitigkeiten mit dem Herzog von Meiningen einigt sich Ernst 1826 auf einen Landtausch. Meiningen erhält von Coburg das Gebiet um Saalfeld, während Coburg Gotha zugesprochen wird. So entsteht das Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Es ist um 50 Prozent größer, hat die doppelte Einwohnerzahl und bringt dem Herzog nahezu doppelte Einnahmen. 

Der Schloßplatz entsteht 

Schloßplatz entsteht

Jetzt ist Ernst I. auch finanziell in der Lage, seine Hauptresidenz Coburg auszubauen. Unter der Federführung des Berliner "Stararchitekten" Karl Friedrich Schinkel entsteht das Ensemble des Schlossplatzes, wie wir es heute kennen. Der Umbau der Ehrenburg im neugotischen Stil, der Bau der Arkaden und des Marstallgebäudes verschlingt Millionen und dauert bis 1843.

Abgerundet wird der Schlossplatz aber erst durch die Errichtung des Hoftheaters (heute Landestheater), zu dem 1837 der Grundstein gelegt und das 1840 feierlich eröffnet wird.

Arkaden

Aber nicht nur das Stadtschloss, sondern auch die Veste wird unter Ernsts Ägide von den Wehranlagen befreit und erhält romantisches Beiwerk. 1840 heiratet Albert, der zweite Sohn des Herzogs, die spätere englische Königin Victoria. Albert und der erstgeborene Ernst gehen aus der ersten Ehe des Herzogs mit Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg hervor. Diese Verbindung wird nach sieben Jahren Ehe wieder geschieden. In zweiter Ehe ist Ernst I. mit seiner Nichte, der Prinzessin Marie von Württemberg verheiratet, die ihn um 16 Jahre überlebt. Er stirbt am 29. Januar 1844.


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