Berühmte Coburger

Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld

Herzog Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld

(Text: Norbert Klüglein)
(Bildnachweise: Stadtarchiv Coburg)

Franz wurde am 15. Juli 1750 im Schloss Ehrenburg in Coburg als erster Sohn des Herzogs Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld und der Prinzessin Sofie Antonie von Braunschweig-Wolfenbüttel geboren und starb am 09. Dezember 1806 in Coburg. 
Er war von 1800 bis 1806 Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld und der gemeinsame Großvater der englischen Königin Victoria und ihres Prinzgemahls Albert.

Er ist weder der große politische Führer noch der Sanierer und Stratege, den das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld an der Schwelle zum 19. Jahrhundert so bitter nötig gehabt hätte. Trotzdem nimmt Franz Friedrich Anton, der nur sechs Jahre lang regiert, einen herausragenden Platz unter den Coburger Herzögen ein. Er, der Kunstliebhaber und Sammler, legt den Grundstock für das Kupferstichkabinett auf der Veste Coburg. Er hat die Vision, Coburg vom befestigten Landstädtchen zur charmanten Residenz auszubauen. Er ist der Stammvater des Hauses Coburg, das im 19. und 20. Jahrhundert Einfluss auf die wichtigsten europäischen Herrscherhäuser gewinnt.

Die Erziehung des jungen Prinzen übernimmt Hofrat Johann Gottlieb Aulig. Aulig, der als feinsinniger Mensch beschrieben wird, legt nicht nur Wert auf sprachliche und naturwissenschaftliche Bildung. Er ist ein Freund der Literatur, der Musik und ein Sammler aus Passion. Offensichtlich prägt Auligs Erziehung, der später als Bibliothekar und Direktor des herzoglichen Münzkabinetts arbeitet, Franz Friedrich Anton nachhaltig. auch der Prinz entwickelt eine ausgeprägte Sammelleidenschaft und wird ein Freund der schönen Künste.

Im Alter von 26 Jahren heiratet Franz Friedrich Anton Prinzessin Sophie von Sachsen-Hildburghausen. Doch noch im gleichen Jahr stirbt seine Gemahlin. Im Jahr darauf, 1777, vermählt sich der Prinz dann mit Gräfin Auguste Caroline Sophie von Reuß-Ebersdorf. Aus dieser Verbindung gehen insgesamt sieben Kinder - vier Töchter und drei Söhne - hervor, die später in bekannte europäische Fürstenhäuser einheiraten und durch ihre Nachkommen den Einfluss des Hauses Coburg stetig mehren.

Als Franz Friedrich Anton die Nachfolge seines Vaters antritt, der am 08.09.1800 stirbt, ist er bereits 50 Jahre alt und selbst von Krankheit gezeichnet. Eigentlich hätte das Herzogtum Coburg zu dieser Zeit einen starken Fürsten bitter nötig gehabt, da das Land immer noch unter der Finanzkuratell des Kaisers steht. Während der Herrschaft von Herzog Ernst Friedrich hatten die Staatsschulden des kleinen Herzogtums die enorme Summe von mehr als einer Million Taler erreicht. Da diesem Schuldenberg nur jährliche Einnahmen von gerade 70.000 Talern gegenüberstanden, wurde der Coburger Hof 1773 unter die Aufsicht einer kaiserlichen Administration und Debit-Kommission gestellt, die den Staatshaushalt in Ordnung bringen soll. Dem Fürsten gewährte die Schuldentilgungskommission für seine Hofhaltung lediglich 12.000 Taler pro Jahr. Das hat den finanziellen Niedergang des Hauses Sachsen-Coburg-Saalfeld zur Folge. Unter der strikten Sparpolitik leidet das gesamte Herzogtum. Wenn schon der Fürst kein Geld für Baukunst, Malerei, Theater, feine Kleider und rauschende Feste hat, wer sonst soll Handel und Gewerbe die dringend nötigen Aufträge geben?

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Zielstrebige Reformen

Herzog Franz Friedrich Anton gelingt es 1802 endlich, die finanziellen Fesseln abzustreifen. Er schafft das allerdings nicht allein, sondern versichert sich der kompetenten Hilfe eines Mannes, dem Unbeirrbarkeit und ein eiserner Wille nachgesagt wird: Theodor Konrad Kretschmann, Königlich Preußischer Kammerdirektor aus Bayreuth. Der Jurist, Staatsmann und Finanzexperte, der in Coburg geadelt wird und als Minister für nahezu alle Staatsangelegenheiten zuständig ist, entwickelt einen stark von dem Gedankengut der französischen Revolution beeinflussten Plan zur Sanierung des Herzogtums und Neustrukturierung der Verwaltung. Kern ist die Aufnahme einer Klausel in das herzogliche Hausgesetz, die es für die Zukunft verbietet, dass die Ausgaben des Hofes die Einnahmen übersteigen. Der Kaiser, der von Kretschmanns Fähigkeiten überzeugt ist, hebt schließlich das Finanzkuratell auf.  Franz Friedrich Anton ist endlich wieder Herr im eigenen Haus.

Kritische Zeigenossen sehen dies allerdings differenzierter. Für sie ist Staatsminister von Kretschmann der eigentliche Herrscher. Da der Herzog ihm völlig freie Hand lässt, drückt Kretschmann seine Reformen unnachgiebig durch. Als die Coburger einmal gegen einen ministeriellen Erlass, die Häuser zu numerieren, aufmucken, lässt Kretschmann sogar sächsische Dragoner in die Stadt einrücken, die im Handumdrehen für Ruhe sorgen. Coburg, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Ruf einer "Klatsch- und Residenzstadt" hat, wird unter von Kretschmanns Ägide straff durchorganisiert.

Kupferstichkabinett gegründet

Während sein Minister ein eisernes Regiment führt, widmet sich Herzog Franz Friedich Anton, der als nachgiebiger, freundlicher und kunstsinniger Mensch beschrieben wird, ganz anderen Zielen. Trotz des immer noch schmalen Budgets, mit dem der Hof auskommen muss, erweitert der Herzog zielstrebig seine graphische Sammlung, die am Ende seiner Regentschaft mehr als 300.000 Blatt zählt und schon damals enormen Wert besitzt. Damit hat Franz Friedrich Anton den Grundstock für das Kupferstichkabinett in den Kunstsammlungen der Veste Coburg gelegt.

Was von Kretschmann in der internen Verwaltung tut - nämlich alles völlig neu zu schaffen -, das beginnt Herzog Franz Friedrich Anton mit dem Coburger Stadtbild. Den Regenten stören die Gräben, Mauern und Türme, die den Stadtkern umgeben. Er läßt die "düsteren Bollwerke", die außerdem ihren Nutzen längst verloren haben, niederreißen und an ihrer Stelle "heitere Lustgärten für friedliche Wanderer", wie es in einer Inschrift aus dem Jahre 1832 heißt, anlegen. Damit ist der erste Schritt getan, um Coburg zu einer freundlichen Residenzstadt zu entwickeln.

Mausoleum-Hofgarten

Auftakt der Heiratspolitik

Als Herzog Franz Friedrich Anton am 09. Dezember 1806 stirbt, stehen die napoleonischen Truppen im Lande. Sein Sohn und Nachfolger, Ernst I., kann die Regierungsgeschäfte zunächst nicht übernehmen. Dennoch behauptet sich das kleine Herzogtum in dieser schwierigen Zeit. Dazu trägt die geschickte Heiratspolitik bei, die Franz Friedrich Anton mit seinen Kindern einleitet.

Neben Ernst, der in der Heimat die Coburger Linie weiterführt, begründet sein Bruder Ferdinand die katholische Linie des Hauses Coburg in Österreich, aus der dann 1887 der erste König und seit 1908 Zar des 1878 gegründeten Bulgariens hervorgeht. Leopold wird 1831 König der Belgier, Victoire heiratet den Herzog von Kent und wird später die Mutter von Queen Victoria. Und Juliane knüft durch ihre Vermählung mit dem russischen Großfürsten Konstantin bereits 1796 Kontakte zum Zarenhof.


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